Wohnhaus Talstraße Nr. 58

Wohnhaus Talstraße Nr. 58.
Pflasterarbeiten auf der Talstraße um 1872 im Hintergrund das Haus Talstraße 58.

Das Wohnhaus Talstraße Nr. 58 ist heute ein Gebäude in geschlossener Bebauung im Stadtteil Triebischtal. Ursprünglich war der Bau ein in offener Bauweise errichtetes Gebäude an der Talstraße. Die heutige Durchfahrt durch das Gebäude zum hofseitigen Grundstücksteil kam erst später mit der Bebauung der Nachbargrundstücke hinzu. Im Haus gab es auf der Hofseite über der Eingangstür zur Erdgeschosswohnung eine auf die Wand gemalte Jahreszahl „1865“.[1] Das Gebäude ist ein Gründerzeithaus und städtebaulich sowie baugeschichtlich von Bedeutung.[2]

Geschichte

Das Wohnhaus diente ursprünglich auch als sogenannte „Ausspanne“ an der Straße durch das Triebischtal. Es gab dort Unterkunft sowie Räume zur Unterbringung von Pferden und Wagen der Reisenden auf der geräumigen Hofseite. Die Familie Ernst Schmieder hatte einst das Gebäude mit Seitenflügel erbaut. Im Vorderhaus betrieb man eine Konditorei und Bäckerei nebst Weinschank. Der Sohn Otto Schmieder übernahm später die Geschäfte zusammen mit seiner Schwester Johanna. Johanna Schmieder heiratete den dort angestellten Bäckermeister Hermann Richter und beide betrieben nun Weinschank und Bäckerei weiter. Otto Schmieder heiratete ebenfalls und zog nach Frankfurt am Main. Er blieb jedoch der Hausbesitzer. Nach 1945 wurde das Haus von der Kommunalen Wohnungswirtschaft Meißen als sogenanntes "Treuhandgrundstück" verwaltet. Die Bewohner vom Haus zahlten nun die Mieten an "Otto Schmieders Erben".

Im hinteren Seitengebäude war die Backstube eingerichtet. Die ursprüngliche kleine Kelterei auf dem Hof wurde später zum „Waschhaus“ umgebaut. Es wurden vorwiegend Obstweine wie Apfelwein, Hagebuttenwein oder Birnenwein hergestellt. Im geräumigen Hauskeller hat man die Weinflaschen gelagert.

Gebäude und Garten

Das Anwesen hatte hinter dem Haus einen Garten mit verschiedenen Obstbäumen und Beerensträuchern. Einige Details (Laube im Garten nebst Gestühl) wiesen auch noch in den 1960er Jahren auf eine frühere gewerbliche Nutzung hin. Im Hof gab es einmal einen Brunnen, welcher allerdings in den 1960er Jahren schon nicht mehr im Gebrauch war. Der Brunnenschacht wurde um 1970 verfüllt. Auch die ehemalige „Aschegrube“ im Hof wurde abgetragen. Sämtliche Wohnungen im Haus hatten keine Toilette oder ein Bad. Die Toiletten (Plumpsklo) befanden sich auf der Etage im Treppenhaus. Eine entsprechende „Jauchengrube“ befand sich noch bis 1990 auf dem Hof, welche von der Stadtwirtschaft Meißen regelmäßig entleert werden musste. Um 1970 hat man die Grube saniert und nach 1990 entfernt. Das gesamte Gebäude wurde in den 1990er Jahren grundlegend saniert und dient heute als Wohnhaus.

Besonderheiten

  • Der präzise Hinweis zum Bau des Grundstücks sollte auch nach der Sanierung vom Haus in den 1990er Jahren noch nachvollziehbar sein.
  • Der dort viele Jahre ansässige Bäckermeister Hermann Richter wurde von den Triebischtalern liebevoll als „Hutzelbäcker“ bezeichnet. Der Name stammte offenbar durch die im Geschäft angebotenen Brötchen und Semmeln, welche den Leuten vermutlich zu klein und zeitgleich „hutzelig“ erschienen. Seine angebotenen Kuchen, Plunderstücke sowie Streuselschnecken waren beliebt und bekannt. Der Bäckermeister fand um 1972 seine letzte Ruhestätte auf dem Neuen Nikolaifriedhof. am Lerchaweg.
  • In den 1960er Jahren stand einmal ein Elefant im Garten und labte sich an den Birnen. Hintergrund: Der Elefant gehörte zum Zirkus „Aeros“ welcher in dieser Zeit auf dem Juteplan gastierte. Der Elefant hatte sich unbemerkt vom Freigehege entfernt und war die Schützestraße heruntergelaufen. Durch die geöffnete Durchfahrt am Haus kam er ungehindert zum Garten hinter dem Haus. Eine groß angelegte Suchaktion der Zirkusleute blieb zunächst erfolglos. Der Bäckermeister erblickte jedoch das Tier im Garten, verschloss das Durchgangstor und benachrichtigte die Leute vom Zirkus. Der Elefant wurde anschließend vom Personal wieder zurückgebracht.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Freigelegte Wandmalerei von 1975.
  2. Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5, S. 339.