William Baring


William Baring, eigentlich Eugen Albert William Baring (* 21. Juli 1881 in Dresden; † 31. August 1961 in Melle bei Osnabrück) war ein Kunstmaler, Radierer, Porzellanmaler und Porzellankünstler. Er gehörte mit zum Kreis der Manufakturisten der Königlichen Porzellanmanufaktur Meißen. Er wohnt lange Zeit im Haus Hafenstraße Nr. 9 in der II. Etage.
Leben und Werk
W. Baring wird 1881 in Dresden geboren, doch bereits 1888 zieht die Familie in die damals noch selbstständige Gemeinde Niederfähre. Später besucht er die Volksschule in Zscheila. In einer Meißner Porzellanmalerei begann W. Baring von 1896 bis 1898 eine Lehre zum Porzellanmaler, welche allerdings unvollendet blieb, da die Porzellanmalerei noch vor seinem Lehrabschluss aufgelöst wurde. Von Ostern bis Weihnachten 1898 besuchte er die Kunstgewerbeschule in Dresden. Am 2. Januar 1899 trat er in die Zeichenschule der Porzellanmanufaktur Meißen ein. Ab dem 1. Januar 1900 bis zum Juli 1903 absolviert er dort eine Lehre als Figurenmaler, speziell für Pâte-sur-pâtes (ein besonderes Verfahren der Porzellan- und Steingutverzierung), welche auch als „Schlickermalerei“ bekannt ist.
W. Baring arbeitet aber auch als Watteau-Maler (eine besonders aufwendige und detailreiche Malerei), ehe er mit Unterstützung der Manufaktur vom 8. April 1907 bis 1909 und dann später auf eigene Kosten bis 1910, ein Studium an der Königlich-Sächsischen Akademie der Künste zu Dresden absolviert. Er ist Schüler bei Prof. Zwintscher und Prof. Dietrich sowie für 3 Semester ein Meisterschüler von Prof. Kuehl. Durch das Studium konnte W. Baring noch zusätzlich seine Ausbildung ausbauen.[1]
Ab dem 15. April 1910 arbeitet er wieder an der Manufaktur als Figurenmaler, ist aber auch schon freischaffend tätig. In der Manufaktur bezieht er ein festes Gehalt und wird nicht nach Leistung bezahlt. Im Ersten Weltkrieg wird W. Baring vom 5. Februar 1916 bis zum 2. Dezember 1918 zum Heeresdienst eingezogen. Im Jahre 1925 unternimmt er eine Studienreise nach Spanien und Marokko. Ein Plakatwettbewerb der damals nur Meißner Künstler ansprach, wurde zur Tausendjahrfeier 1929 durch den Stadtrat ausgeschrieben. Es gingen dazu insgesamt 49 verschlüsselte Entwürfe ein. W. Baring erreicht mit seinem Entwurf den 1. Platz.
Der Künstler war Mitglied der Meißner Schlaraffia und fungierte dort als „Erb-Würdenträger im Ruhestand“ sowie Ritter „Conterfei mit Freuden und sofort“. Er übernahm für deren Zusammenkünfte die Illustration sowie die Ausschmückung der „Vortragslisten“.[2] Von 1937 bis 1945 bekommt er die Leitung der Malereiabteilung in der Porzellanmanufaktur übertragen, arbeitet aber weiterhin auch als freischaffender Künstler.
Am 30. September 1945 wird W. Baring infolge der Demontage der Manufaktur in Meißen entlassen. Zunächst ist er noch freischaffend in seinem Meißner Atelier tätig. Zur 1. Meissner Kunstausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg von Oktober bis November 1947 ist er in der Abteilung „Malerei, Radierungen, Zeichnungen“ mit insgesamt sechs Werken vertreten.[3]
Im Jahre 1959 zieht er zu seiner Tochter nach Melle bei Osnabrück. Bis zu seinem Tod ist er freischaffend als Maler, Grafiker und Plakatgestalter tätig.[4][5][6]
Werke (Auswahl)
- Dom und Albrechtsburg in Meißen gegen Morgen, 1901/1950, Lithografie, Probedruck im Stadtarchiv Meißen.
- Interieur eines Zimmers, um 1920, Öl auf Leinwand, Stadtmuseum Meißen.
- Meißen im Schnee, um 1930, Aquarell, Stadtarchiv Meißen.
- Nordseebrandung, 1952, Öl auf Leinwand.
- Wintertag (Ansicht von Meißen), Öl auf Leinwand.
- Brandung an der Ostsee, Öl auf Leinwand.
- Bergarbeiter Wandbildkarton.
- Brandung am Bodden I, Aquarell.
- Brandung am Bodden II, Aquarell.
- Brandung am Bodden III, Aquarell.
Zudem beteiligte sich W. Baring erfolgreich an verschiedenen ausgelobten Wettbewerben der Stadt Meißen.
Literatur
- Helmuth Gröger: Tausend Jahre Meißen, Druck und Verlag, Klinkicht & Sohn, Meißen, 1929.
- Städtisches Kulturamt Meißen: Ausstellungskatalog zur 1. Meissner Kunstausstellung, Sachsenverlag, Zweigstelle Meißen, 1947.
- Caren Marusch-Krohn: Meissener Porzellan 1918–1933. Die Pfeifferzeit. Edition Leipzig, Leipzig 1993, ISBN 3-361-00402-0.
- Jürgen Schärer: Auf den Punkt gebracht, Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen, Meißen 2000, ISBN 3-910063-28-4.
- Andreas Christl, Steffen Förster: Meißen das Bild der Stadt – Bilder aus fünf Jahrhunderten, Ausstellungskatalog zur Sonderausstellung anläßlich des 1075jährigen Bestehens Meißens, Schriftenreihe des Stadtmuseums Meißen, Heft 5, 2004.
- Gerhard Steinecke: Unser Meißen 1929-2004, Meißner Tageblatt Verlag, 2004, ISBN 3-929706-09-5.
- Martina Fischer, Steffen Förster: Manufakturisten als freie Künstler, in Manufakturisten als Bürger der Stadt Meißen, Schriftenreihe des Stadtmuseums Meißen, Heft 7, 2011.
Einzelnachweise
- ↑ Helmuth Gröger: Tausend Jahre Meißen, Druck und Verlag, Klinkicht & Sohn, Meißen, 1929, S. 677.
- ↑ Gerhard Steinecke: Unser Meißen 1929-2004, Meißner Tageblatt Verlag, 2004, S. 1, 2 und 255.
- ↑ Städtisches Kulturamt Meißen: Ausstellungskatalog zur 1. Meissner Kunstausstellung, Sachsenverlag, Zweigstelle Meißen, 1947, S. 9 und Abbildung im Teil der vorgestellten Werke.
- ↑ Caren Marusch–Krohn: Meissener Porzellan–1918–1933–Die Pfeifferzeit, Edition Leipzig, 1993, S. 153.
- ↑ Jürgen Schärer: Auf den Punkt gebracht, Porzellane für Meissen, Max Adolf Pfeiffer zu Ehren, Staatliche Porzellan–Manufaktur Meissen, 2000, Seite 251
- ↑ Martina Fischer, Steffen Förster: Manufakturisten als freie Künstler, in Manufakturisten als Bürger der Stadt Meißen, Schriftenreihe des Stadtmuseums Meißen, Heft 7, 2011, S. 87.