VEB Großhandel OGS Meißen

OGS Meißen.
Jubiläumskrug mit den Wappen der Betriebsteile von 1983.
Werbeanzeige Vorgängerbetrieb von 1950.
Bodenmarke vom Jubiläumskrug OGS Meißen.

Der VEB Großhandel OGS Meißen, eigentlich „VEB Kombinat Großhandel Obst-Gemüse-Speisekartoffeln Meißen“ war ein staatlicher Großhandelsbetrieb. Der Großhandelsbetrieb wurde 1968 mit seinen Betriebsteilen in Dippoldiswalde, Großenhain, Freital und Riesa gegründet. Die Hauptverwaltung war in Meißen, Leninstraße (heute Talstraße) Nr. 80. Der Betrieb ging ursprünglich aus der „Obst- und Gemüseverwertungsgenossenschaft Meißen e.G.m.b.H.“ mit Sitz in der Großenhainer Straße Nr. 8 hervor, welche um 1950 schon 65 eigene Aufkaufstellen im Kreisgebiet betrieb. Zudem war OGS Meißen ein Ausbildungsbetrieb. Ausgebildet wurden zum Beispiel Lageristen und Wirtschaftskaufleute. Der Großhandelsbetrieb wurde nach 1990 abgewickelt und aufgelöst.

Hauptaufgabe

Der staatliche Großhandelsbetrieb war für die bedarfsgerechte Belieferung mit Obst, Gemüse und Speisekartoffeln (Frischware, Südfrüchte und Konserven) im Meißener Kreisgebiet sowie in den Städten Dippoldiswalde, Großenhain, Freital und Riesa zuständig. Beliefert wurde der gesamte Einzelhandel (HO, Konsum und private Geschäfte), Betriebs- und Werkküchen, Kantinen, Krankenhäuser, Alters- und Pflegeheime, Kinderheime, die Kinderkrippen und Kindergärten der Betriebe, Ferienheime, Gasthäuser, Gaststätten, Hotels, LPG-Küchen, Bäcker und Konditoren und sämtliche Schulküchen. Dazu hatte „OGS Meißen“ auch die Belieferung von Ständen und Sonderverkaufsflächen bei Volksfesten wie zum Beispiel das Weinfest Meißen oder den Meißner Weihnachtsmarkt mit Frischwaren abzusichern. Zu den jährlichen Hauptaufgaben gehörte auch die Freihauslieferung von Einkellerungskartoffeln sowie in der Vorweihnachtszeit der Weihnachtsbaumverkauf.

Zwischen den vier Betriebsteilen und dem Stammsitz in Meißen gab es mehrmals täglich EDV-Kurierfahrten. Dem Großhandelsbetrieb standen mehrere Kühlräume und Lagerräume im Kreisgebiet zur Verfügung bzw. sie wurden aus privater Hand angemietet. Eingelagert wurden als Vorrat für die Winterversorgung beispielsweise Weiß- und Rotkohl, Möhren, Kohlrabi, Sellerie, Äpfel, aber auch Kartoffeln, Rettich und Rote Beete. Mit dem VEB Elbtal-Lommatzsch gab es entsprechende Verträge, welche eine ständige Versorgung mit Sauerkraut frisch, Brühgurken, Gewürzgurken und Mixed Pickles absicherten. Frische Salatgurken und Frühtomaten kamen beispielsweise ab 1978 aus der „GPG Talkenberger Hof“ in Coswig, welche nicht selten umgehend weiter nach Berlin geliefert wurden. Blumenkohl sowie Weißkohl wurden aus der Gegend um Lommatzsch bezogen. Aus dem gesamten Kreisgebiet, besonders aus Weinböhla, Brockwitz und Coswig, kamen in der Saison frische Erdbeeren.

Belieferung

Die Belieferung übernahm vorwiegend der VEB Handelstransport und die Fahrzeuge aus dem eigenen Fuhrpark. Der VEB Handelstransport stellte dabei jedoch nur das jeweilige Fahrzeug und den Kraftfahrer zur Verfügung. Die Belieferung, das Angebot und der Verkauf der mitgeführten Ware oblag dem sogenannten „Außenverkäufer“, einen Mitarbeiter von OGS Meißen, welcher das Fahrzeug zu begleiten hatte. Gearbeitet wurde im Lagerbereich meist in Normalschicht, später auch im Zwei-Schicht-System.

Beliefert wurde das Stadtgebiet von Meißen nach besonderen Tourenplänen grundsätzlich täglich von Montag bis Freitag, bei Bedarf auch mehrmals täglich. Zu besonderen Anlässen, zum Beispiel bei Festen und Märkten, wurde auch an Sonn- und Feiertagen beliefert. Ab 1979 wurden Großküchen und Gaststätten täglich mit bereits geschälten Kartoffeln beliefert.

Aufkaufstellen im Kreisgebiet

OGS Meißen hatte ein enges Netz von Aufkaufstellen für Obst und Gemüse in Meißen und im Kreisgebiet, welche von eigenen Mitarbeitern oder auch von privater Hand geleitet wurden. In den Aufkaufstellen wurde Obst und Gemüse-Frischware von den Freizeitgärtnern nach wöchentliche aktualisierten Preislisten aufgekauft. In den Frühjahrs- und Sommermonaten hatten die Aufkaufstellen auch an den Wochenenden geöffnet. Aufkaufstellen gab es in Meißen im Hof am Hahnemannsplatz Nr. 6 und in der Zscheilaer Straße Nr. 57, auf dem Betriebsgelände der Bienenwirtschaft Meißen.

Leergut-Pfandsystem

Ein in den 1960er Jahren entwickeltes Pfandsystem für Mehrweg-Leergut/Leihgut wurde ständig ausgebaut. Jede Kiste, jeder Jutesack und jeder Behälter kostete bei Lieferung Pfand. Die Kunden wurden mit einem vorgegebenen Geldbetrag bei Lieferung belastet und bei der Leergut-Rückgabe wieder entlastet. Ständige Leergut-Inventuren sicherten dabei den Bestand. Zunächst galt das Pfandsystem nur für Werkstoff- und Holzkisten, Säcke und Importkisten. Ab den 1970er Jahren dann auch für alle Umverpackungen wie Plastik-Fässer oder auch Spankörbe. Ein Erdbeerkorb kostete zum Beispiel 2 Mark Pfand, ein Mehrweg-Plastikfass mit 50 l Inhalt (Sauerkrautfass) war mit 50 Mark belastet. Das Leergut war Betriebseigentum und wurde entsprechend mit dem Schriftzug „Leihverpackung OGS“ oder „Eigentum OGS“ gekennzeichnet.

Stammbetrieb Meißen

Der Großhandelsbetrieb OGS Meißen hatte in der Stadt Meißen mehrere Standorte und Betriebsstätten.

  • Hauptverwaltung, Leninstraße (heute Talstraße) Nr. 80.
  • Frischwarenlager, Aufkaufstelle und Fuhrpark im Hof vom Haus Hahnemannsplatz Nr. 6.
  • Bananen-Reifekammern und Lagerräume/Keller für Lagergemüse, Südfrüchte, Trockenfrüchte und Backzutaten (Sultaninen, Mandeln, Zitronat etc.) befanden sich in der, Crassostraße. In den beiden Reifekammern für Bananen wurden die in Kartons angelieferten Früchte mit Ethylen begast um den Reifeprozess zu beschleunigen. Bananen kamen damals vorwiegend aus Columbien und Ecuador.
  • Speisekartoffeln (Organisation der Versorgung, Disponenten), Organisation der jährlichen Freihauslieferung von Einkellerungskartoffeln sowie in der Vorweihnachtszeit der Weihnachtsbaumverkauf, Abrechnungsstelle der Leergutabteilung, Hafenstraße Nr. 36.
  • Leergutabteilung in der Fabrikstraße. Bereitstellen, Lagerung und Reparatur von sämtlichen Pfand-Leihgut.
  • Abrechnung, EDV-Anlage, PKW-Fuhrpark und Werkstätten in der Görnischen Gasse.
  • Aufkaufstelle und Umschlagplatz in der Zscheilaer Straße Nr. 57.
  • Ein Konserven-Lager gab es in Meißen nicht. Obst- und Gemüsekonserven kamen aus dem Betriebsteil Riesa nach Meißen.
  • Das sogenannte Elbe-Kiosk“, auch „Touristen-Kiosk an der Elbe“ genannt, gab es ab den 1970er Jahren am Parkplatz unterhalb der Eisenbahnbrücke, erreichbar über die Poststraße. Es war eine Einrichtung, welche gemeinsam von HO und Konsum betrieben wurde und großen Zuspruch hatte. Das Kiosk war in den Sommermonaten auch an den Wochenenden und an den Feiertagen geöffnet.