Urbanskirche
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Die Urbanskirche, eigentlich St. Urbanskirche oder St. Urban, ist eine Nebenkirche der Johanneskirche in Meißen. Sie befindet sich an der Dresdner Straße auf dem Areal vom Alten Johannesfriedhof im Stadtteil Cölln. Die evangelisch- lutherische Kirche wird heute vorwiegend für Begräbnisfeiern genutzt. Die Urbanskirche gehört zur Sachgesamtheit Urbanskirche mit Altem Johannesfriedhof und gilt als Kulturdenkmal.
Geschichte
Die Kirche wurde in der Zeit von 1691 bis 1701 im Barock-Stil erbaut. Die Grundsteinlegung der heutigen Urbanskirche erfolgte am 28. Mai 1691 und am 14. November 1701 wurde die Kirche nach Fertigstellung des neuen Altars geweiht. Die Urbanskirche war bis zur Weihe der Johanneskirche die Pfarrkirche. Sie wird seit dem 23. Juni 1900 fast nur noch für Begräbnisfeiern genutzt.
Der Name „Urbanskirche“ weist auf den Heiligen Urban, dem Schutzpatron der Winzer, des Weins und des Rebstocks hin. Zudem gilt sie auch als Hinweis auf die einstige Bedeutung des Weinanbaues in Cölln. Dem Kirchenschiff schließt sich nach Westen der Kirchturm mit dem Eingangsportal an. Darüber befindet sich das Monogramm „I G 4“, welches sich auf den sächsischen Kurfürsten Iohann (Johann) Georg IV. bezieht. An der Fassade rechts neben dem Eingang befindet sich eine eingelassene Kanonenkugel und dazu auf einer Sandsteinplatte die Inschrift: „30. September 1813“. Die Kugel erinnert an die Napoleonischen Kriege. Die Franzosen hatten damals vom Martinsberg am Plossen die Gemeinde Cölln beschossen.
An der Nordseite der Kirche befindet sich die gewölbte gotische Sakristei, welche vom Vorgängerbau übernommen wurde und vom Kirchenschiff durch ein Spitzbogen-Portal zugänglich ist. An der Südseite gibt es einen Anbau (Gruft mit einer Empore) aus dem Jahre 1718. Der Anbau einer Totenhalle erfolgte an der Nordseite im Jahre 1880.[1][2]
Der rechteckige gedeckte Kirchenraum wird nach Osten durch die drei Seiten vom Altarplatz abgeschlossen. Es gibt Emporen an den Seitenwänden und an der Westwand. Die hölzerne Kanzel mit gemalten Aposteldarstellungen wurde ebenfalls aus dem Vorgängerbau übernommen. Einge der Tafeln sind durch einen Diebstahl 1981 verloren gegangen. Das Altarbild ist ein Ölgemälde aus dem 16. Jahrhundert. Über dem Altar befindet sich ein Deckengemälde. Drei Engel tragen ein Spruchband mit der Aufschrift: „Christus ist auferstanden“. Geschaffen wurde das Deckenbild vom Meißner Künstler Gerhard Schiffner (1905-1975) im Jahre 1951.
Geläut
Es gab einst drei Glocken in der Glockenstube der Urbanskirche. Alle Glocken wurden bereits während der Bauarbeiten zur Johanneskirche überführt und dort aufgezogen. Die Urbanskirche besitzt seitdem keine Glocken mehr. Ursprünglich handelte es sich um ein Des-Dur-Geläut, gegossen in der Glockengießerei Bierling aus Dresden. Das gesamte ehemalige Geläut der Urbanskirche fiel später dem Ersten Weltkrieg zum Opfer.
Kirchhof
Ein Kirchhof wird bereits 1233 urkundlich erwähnt. Auf dem Kirchhof befinden sich zwei wertvolle Jugendstil-Grabmäler aus Keramik. Direkt an der Urbanskirche das 1908 in der SOMAG hergestellte Grabmal der Familie Haase und das von der Firma Ernst Teichert geschaffene Grabmal der Kaufmannsfamilie Schmidt. Auf der gegenüberliegenden Seite der Urbanskirche befindet sich die Grabstätte der Meißner Unternehmerfamilie Langelütje.
Der Friedhof wurde 1885 bis zur damals geplanten Johannesstraße erweitert und ab 1903 ist für den Friedhof der Name „Johannesfriedhof“ im Gebrauch. Seit der Eröffnung des Neuen Johannesfriedhofs der Johanneskirchgemeinde setzte sich jedoch die Bezeichnung „Alter Johannesfriedhof“ durch.[3]
Literatur
- Helmuth Gröger: Tausend Jahre Meißen. C. E. Klinkicht & Sohn, Druck: Druckerei Klinkicht & Sohn, Meißen 1929 (online).
- Gerhard Hickmann: Johannes-Gemeinde. In: Meissen und seine Kirchen, Verlag von Arwed Strauch Leipzig, ohne Jahr.
- Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5.
Einzelnachweise
- ↑ Helmuth Gröger: Tausend Jahre Meißen. C. E. Klinkicht & Sohn, Druck: Druckerei Klinkicht & Sohn, Meißen 1929, S. 675 (online).
- ↑ Gerhard Hickmann: Johannes-Gemeinde. In: Meissen und seine Kirchen, Verlag von Arwed Strauch Leipzig, ohne Jahr, S. 107 bis 162.
- ↑ Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5, S. 351 und 352.