Turmblasen

Das traditionelle Turmblasen vom Turm der Frauenkirche am Markt hat sich bis in die Gegenwart erhalten und ist regelmäßig in der Altstadt zu erleben.
Geschichte
Der allererste Turmbläser auf der Frauenkirche war offenbar der Türmer, dessen Tätigkeit die drei städtischen Nachtwächter am Boden unterstützte. Der Türmer musste
“als bald er eines Feuers inn odder ausserhalb der Stadt gewahr wirt, unseumlich mit der Drommeth (Trompete) melden oder zusturm schlagen, das feuerzeichen gegen dem orth des feuers ausstecken, bey tag eine rote Fahne, unnd bey nacht ein brennendt liecht in einer Lattern.“[1]
Seine geblasenen Töne waren jedoch keine Musik, sondern sie hatten vielmehr eine Signalfunktion, wie sie damals die gründlich erneuerte Feuer-Ordnung der Stadt Meißen aus dem Jahre 1570 forderte.
Turmblasen (Musik)
Ab wann und wie oft früher das eigentliche musikalische Turmblasen stattgefunden hat, konnte bisher noch nicht ausreichend belegt werden. In einer Aufzeichnung über die Frauenkirche und deren Glocken aus dem Jahr 1920, soll es demnach viermal im Jahr ein Turmblasen vom Turm der Frauenkirche gegeben haben. Zitat: Viermal im Jahre nach altem Brauch, regt frohes Leben sich droben auch: Meißens Stadtbläser im würdigem Chor, steigen zum Turmkranze empor. Grüßen die Bürger im Wandel der Zeit, mit ihrer Klänge Lieblichkeit.
Während früher die Meißner Stadtkapelle oder andere Musiker diese Aufgabe übernommen hatten, ist heute meist der Posaunenchor von St. Afra hoch oben über dem Markt zu erleben. Die Bläserarbeit hat in der Kirchgemeinde eine lange Tradition und es gibt dort eine eigene Jungbläserausbildung.
Besonders an den Samstagen im Advent erfreut sich das Turmblasen von der Frauenkirche großer Beliebtheit. Es wird dabei vom Meißner Weihnachtsmarkt stimmungsvoll umrahmt.
Gedicht
In der Literatur wird das „Meißner Turmblasen“ in einem Gedicht von Benno Zeidler aus dem Jahre 1920 einfühlsam beschrieben.
(Auszug Gedicht, siebente Strophe):
Es schweigt vom Turm der Bläser Schar,
Bis sich zur Rüste neigt das Jahr,
Bis sich die stille heil’ge Nacht
Senkt auf die Stadt die Winterspracht.
Dann klingt von droben gute Mär:
„Vom Himmel hoch, da komm ich her.“
Der Engelsgruß aus Kindermund
Dringt tief hinab in Herzensgrund,
Und so wird Meißen recht geweiht
Zu froher, sel’ger Weihnachtszeit.[2]
Turmblasen – Termine
In der Regel findet jeden 1. Samstag im Monat um 17:45 Uhr und jeden Adventssonnabend, jeweils 18.10 Uhr vom Turm-Umgang das „Turmblasen“ statt. Außerdem findet das Turmblasen auch zu besonderen kirchlichen und kulturellen Anlässen statt.
Literatur
- Helmuth Gröger: Tausend Jahre Meißen, Druck und Verlag, Klinkicht & Sohn, Meißen, 1929.
- Benno Zeidler: Gedichte von Meißen – Meißner Dichtungen, Verlag Klinkicht & Sohn, Meißen, 1929.
Weblinks
Homepage „Neue Kantorei St. Afra Meissen“.