Tafellied gesungen beim Abschiedsmahle eines hochverehrten Bürgerfreundes

Tafellied, gesungen beim Abschiedsmahle eines hochverehrten Bürgerfreundes. 1836

Tafellied, gesungen beim Abschiedsmahle eines hochverehrten Bürgerfreundes.

Am 8. Mai 1836.


Mel. Hoch vom Olymp etc.

Dies schöne Fest mit Jubel zu bekrönen,
Ist unsern Herzen Hochgewinn;
Beim Mahle muss ein frohes Lied ertönen,
Daß es verscheucht den ernsten Sinn.
Drum grüßt zu der Gläser harmonischen Klang
Dem scheidenden heute ein schöner Gesang.

Was wir für Dich, Du Biedermann, empfinden,
Hat Wort und Schrift schwach ausgedrückt,
Doch welche Sprache könnte wohl verkünden,
Wie Deine Güte uns entzückt?
So will auch das Liedchen kein Lobgesang seyn,
Nur fröhliche Bilder versucht es zu weihn.

Wenn wir am Tag’ das Waffenwerk getrieben
Wie es Dein ernstes Wort erbat,
Bist Du vom Bivouac nie zurück geblieben,
Wo jeder sich dann gütlich that;
Du stimmtest von Herzen, wohl mußt’ es uns freun,
Ins Lied der Gardisten gar fröhlich mit ein.

Du warst der Erste bei den Bürgerfesten,
Dein Frohsinn würzte jeden Mahl;
So manchen Trinkspruch gabst Du da zum Besten,
Beschähmtest der Poeten Zahl:
Da waren die Worte so treffend gewählt,
Worüber ein anderer sich Tage lag quält.

Oft triebst Du auch im schönen Triebischgrunde
Astronomie mit viel Geschick;
Du hattest da, wem wäre neu die Kunde,
Besonders mit den Sternen Glück.
Du holtest sie einzeln aus schwindelnden Höhn,
Um sie in der Nähe ganz deutlich zu sehn.

Und wollten etwa schwache Dilettanten
Wetteifern hier mit Deiner Kunst,
Da sah man bald, wer besser es verstanden,
Denn Jener Rohr traf blauen Dunst,
Da mußten sie alle baöd schamroth gestehn:
In Dir wäre Herschel der Zweite zu sehn.

Doch gabst Du auch auf Erden keine Blöße;
verdunkelt’ sich das Firmament,
So führtest Du gewandt die Polonaise,
Was jeder noch mit Dank erkennt.
Der Bürgerin reichtest Du freundlich die Hand
Und ehrtest in ihr auch den niedrigern Stand.

So hast Du nun in aller Bürger Herzen
Ein bleibend Denkmal Dir erbaut;
Ja, jeder fühlt, daß zwischen Ernst und Scherzen
Die Thrän’ ihm von der Wange thaut.
Wir alle bekennen aus dankender Brust:
Dein Scheiden ist für uns der größte Verlust!

Doch soll der Schmerz nicht unsere Freude stören,
Wir preisen jubelnd das Geschick;
Wir wollen dankend diese Fügung ehren,
Dir, Edler, bringt sie Heil und Glück.
Drum wirbelt, ihr Pauken, Trompeten, stimmt ein:
Das glücklichste Loos soll beschieden Ihm seyn!


Siehe auch

Tafellieder

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