Stadtbibliothek
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Die Stadtbibliothek in Meißen gehört mit zu den städtischen Büchereien, welche von der öffentlichen Hand unterhalten werden. Das griechische Wort „Bibliothek“ bedeutet dabei „Buchniederlage“. Die Stadtbibliothek Meißen befindet sich in der Altstadt am Kleinmarkt im Haus Nr. 5. Es gibt dort heute einen Bestand von über 29.000 Titeln vor Ort und über 38.000 Titeln in der Onleihe. Zudem gibt es eine Erwachsenen- & Jugendbibliothek sowie eine Kinderbibliothek.
Geschichte
In Deutschland entstanden Bibliotheken meist nach der Auflösung der Klöster in der Reformationszeit. Im Jahre 1828 hatte Karl Preusker in Großenhain bereits eine öffentliche Bibliothek gegründet. Andere Städte folgten jedoch recht zögernd, sodass die sächsische Regierung 1875 sogar in einer Broschüre diese kulturelle Verpflichtung anmahnte. In Meißen wurde schon 1848 eine Bibliothek gegründet, die vorwiegend an Kranke ihre 130 Bücher im Bestand verlieh. Der Gewerbeverein hatte in dieser Zeit ebenfalls eine Bibliothek mit einem Bestand von 300 Büchern. Einen Bücherverleih gab es dort meist nur an Mitglieder.
1884-1918
Am 20. Januar 1884 eröffnete die Volksbibliothek in der Altstadt. Der erste Meißner Bibliothekar war der damals emeritierte Conrektor (Konrektor) Ziegler, der bereit war, in einem Raum der Roten Schule die Ausleihe der ersten 219 Bücher vorzunehmen. Der Verleih fand nur an Sonntagen statt. Durch städtische und staatliche Zuwendungen wuchs der Bücherbestand und auch die Leserzahl nahm ständig zu. Im Jahre 1902 war die Volksbücherei zunächst unter der Leitung vom Bürgerschullehrer Sommer von der Roten Schule nach der Marktgasse Nr. 2 umgezogen. Bereits 1907 zog man mit dem Bücherbestand von ca. 4.700 Bänden in die 1. Etage vom ehemaligen Volksheim an der Talstraße Nr. 3 um. Ab 1908 übernahm dort der Lehrer Franz Naumann die Leitung der Bibliothek. F. Naumann stellte die Volksbibliothek vollkommen um und es gab 1909 zunächst eine längere Schließungszeit. Am 1. April 1910 war die Wiedereröffnung.
Die Bücher wurden damals schon in vier Ausleihstunden ausgegeben und neu war, dass es nun eine Beratung für Leser gab. Allerdings stellte F. Naumann auch das Angebot um und Bücher von E. Marlitt oder Karl May verschwanden aus den Regalen. Dafür wurden mehr Werke aus dem Gebiete der Naturwissenschaften und der Kunstgeschichte angeschafft. Zudem hatte man das Leserheft und die Buchkarte eingeführt zudem wurden neue Kataloge erstellt.
1918-1945
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die bisherige Bibliothek in Cölln mit der Volksbibliothek an der Talstraße zusammengelegt und die 2.400 Bände der Johannesparochie wurden ebenfalls in städtische Verwaltung gegeben. Einen weiteren Zuwachs der Buchbestände brachte 1921 die überlassene Bücherei der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften. Franz Naumann wird 1924 als hauptamtlicher Bibliothekar angestellt.
Die vorhandenen Räume an der Talstraße reichten bald nicht mehr aus und man strebte einen Neubau an. Die Leitung vom damaligen Meißner Eltwerk hatte 1926 dem Stadtrat zu Meißen den Plan für einen Neubau am Kleinmarkt unterbreitet. Demnach sollte im Neubau eine Schauhalle vom Eltwerk für Eigenwerbung im Erdgeschoss untergebracht sein. Im ersten Stock sollte die Ausleihe und das Magazin untergebracht werden, im zweiten Stock der Lesesaal sowie Räume für das Archiv und im dritten Stock sollten drei Wohnungen entstehen. Finanziert wurde der Bau schließlich durch das Meißner Eltwerk, den Bücher-Verein-Meißen und durch eine bereits 1923 veranstaltete Porzellan-Lotterie. Der Bau konnte am 6. Mai 1929 feierlich eröffnet werden. Der Bücher-Verein-Meißen hatte dazu noch die geschmackvolle Inneneinrichtung gestiftet und der Stadtbibliothek zum Teil wertvolle Bücher gespendet. Es soll sich dabei um die seltene „Sophienausgabe“ der Werke Goethes gehandelt haben.
Obwohl noch im Jahre 1931 insgesamt 3.200 Bücher allein an Erwerbslose ausgeliehen waren, gab es bereits konkrete Pläne die städtische Bücherei zu schließen. Mit der Übernahme der sachlichen Kosten durch den Bücherverein konnte eine Schließung abgewendet werden. Der Leiter der Bibliothek Franz Naumann wurde jedoch 1933 entlassen. In der Zeit des Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg blieb kaum Geld für Neuanschaffungen übrig. Die Räume im Erdgeschoss und einige Räume des ersten Stockwerkes wurden inzwischen von der Sparkasse genutzt.
1945-1989
Nach dem 8. Mai 1945 und dem Ende des Zweiten Weltkrieges übernahm Franz Naumann wieder als hauptamtlicher Bibliothekar die Stadtbibliothek und sonderte zunächst über 2.000 Bände mit faschistischer Literatur aus. Bereits am 15. August 1945 konnte wieder geöffnet werden. In dieser Zeit des Neubeginns stiegen Buchbestand und Leserzahl wieder an. 1947 wurde die Verkaufsabteilung im Erdgeschoss in „Volksbuchhaus“ unbenannt und auch an der Fassade entsprechend gekennzeichnet.[1] Im Jahre 1958 gab es einem Buchbestand von ca. 25.600 Exemplaren. Insgesamt wurden im gleichem Jahr ca. 61.000 Titel ausgeliehen.
Am 17. September 1954 war die Eröffnung der Zweigbibliothek Bohnitzsch am Trinitatiskirchweg Nr. 2. An der Ossietzkystraße Nr. 44 im Triebischtal eröffnete 1956 ebenfalls eine Zweigstelle der Stadtbibliothek. Sie war hervorgegangen aus der Anfang 1956 geschlossenen ehemaligen Gemeindebibliothek von Dobritz. Am 1. Januar 1955 hatte man die dem Rat des Kreises angegliederte „Kreisstelle für Bücherwesen“ mit der Stadtbibliothek zur „Stadt- und Kreisbibliothek“ zusammengeschlossen. Die Stadtbibliothek konnte 1959 ihren 75. Geburtstag feiern.[2][3]
Die „Freihandbibliothek“ konnte am 1. Oktober 1970 eröffnet werden. Es konnten nun auch Schallplatten und ab 1978 Tonband-Kassetten ausgeliehen werden. Ab dem Jahre 1978 hatte man infolge der gestiegenen Zahl der Ausleihen auf photomechanische Verbuchung der Ausleihe umgestellt. Bereits ab 1971 gab es die Bestätigung als Ausbildungsbibliothek und es konnten dort Lehrlinge ausgebildet werden. Die Zweigbibliothek im Stadtteil Cölln wurde 1982 eröffnet. Es bestanden in dieser Zeit neben den drei Zweigstellen in der Stadt noch weitere sieben Nebenstellen in den Wohnbezirken und in Betrieben. Es gab im Jahre 1983 einen Bestand von 65.300 Bände, 7.170 Benutzer und 157.400 Ausleihen.
ab 1990
Im Jahre 1991 verringerte sich das Stadtbibliothek-Personal von 24 auf 6 Mitarbeiter und am 31. Dezember 1991 wurden die Zweigstellen in Bohnitzsch und im Triebischtal geschlossen. Am Anfang des Jahres 1995 gab es in der Stadtbibliothek noch 7 Mitarbeiter und sie wurde von ca. 3.000 Leser genutzt. Nach der Elbe-Hochflut 2002 waren umfangreiche Renovierungs- und Umbaumaßnahmen notwendig. Dabei wurde auch ein Fahrstuhl eingebaut und sämtliche Sanitäranlagen erneuert. Die Wiedereröffnung war am 4. August 2005.[4]
Literatur
- Rat des Kreises Meißen und Kulturbund: Meißner Heimat, Heft Januar 1959.
- Gerhard Steinecke: Unser Meißen – 1929-2004. Meißner Tageblatt, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 2004, ISBN 978-3-929705-09-6.
- Günter Naumann: Meißner Geschichte in Daten 929-1993. Kreissparkasse Meißen, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 1993.
- Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5.
Einzelnachweise
- ↑ Gerhard Steinecke: Unser Meißen – 1929-2004. Meißner Tageblatt, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 2004, ISBN 978-3-929705-09-6, S. 173.
- ↑ Bernhard Hansen: 75 Jahre Stadtbücherei Meißen, in Meißner Heimat, Heft Januar 1959, S. 7 bis 9.
- ↑ Günter Naumann: Meißner Geschichte in Daten 929-1993. Kreissparkasse Meißen, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 1993, S. 142 und 187.
- ↑ Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5, S. 315 und 317.