Rudi Stolle
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Rudi Stolle (* 3. Oktober 1919 in Meißen; † 9. März 1996 ebenda) war ein Lithograph, Grafiker, Porzellanmaler, Manufakturist und Porzellankünstler an der Porzellanmanufaktur Meißen. Ein außergewöhnliches und variantenreiches Spiel mit Punkt und Linie haben stets die Arbeiten von R. Stolle geprägt.
Leben und Werk
Rudi Stolle wurde als Sohn des Steindruckers Max Stolle und seiner Ehefrau Elise in Meißen an der Elbe geboren. R. Stolle hatte noch zwei Geschwister und die Familie wohnte im Jahre 1921 im Stadtteil Cölln im Haus Großenhainer Straße Nr. 30. Die Familie zieht aber bald in das Haus Großenhainer Straße Nr. 79 um. Die Volksschule schließt er im Jahre 1934 ab und beginnt eine Lehre als Lithograph. Nebenher nimmt R. Stolle bereits an Kursen der Zeichenschule an der Porzellanmanufaktur Meißen und auch an der Kunstakademie Dresden teil. Noch bis 1940 ist er als Lithograph tätig und wird dann als Soldat von der Wehrmacht eingezogen. Er gerät im Zweiten Weltkrieg in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wird in die USA gebracht.
Nach der Odyssee im Zweiten Weltkrieg kehrt R. Stolle wieder nach Meißen zurück und beginnt 1947 eine Tätigkeit als Blumenmaler an der Meißner Manufaktur im Triebischtal. Er ist aber in dieser Zeit auch als Entwerfer für Plaketten tätig. R. Stolle kommt ab 1966 zur Abteilung „Künstlerische Entwicklung“, in der ebenfalls die Porzellankünstler Ludwig Zepner, Peter Strang, Volkmar Bretschneider und Heinz Werner schöpferisch wirken. Gemeinsam wurden im Kollektiv Formen und Dekore mit viel Phantasie entwickelt, welche dabei in der Tradition des Meißner Porzellans bleiben.[1] Zunächst wird R. Stolle in der Abteilung noch Entwürfe von Heinz Werner verwirklichen, aber ab Mitte der 1970er Jahre dann auch eigene schöpferische Gestaltungen auf Porzellantafeln umsetzen. Ab 1970 unternimmt er auch einige Studienreisen, welche ihn beispielsweise an die Ostseeküste, aber auch nach Ungarn und Japan führen. Dabei weilt er auch in der Meißner Partnerstadt Arita.
Kennzeichnend für seine Arbeiten sind kleinteilige, dynamische Musterungen und das Vorherrschen von linearen und grafischen Strukturen. Gerade durch den kunstvollen und variantenreichen Umgang mit dem Punkt und der Linie, entstehen besondere Kabinettstücke. Die Werke von R. Stolle strahlen stets eine unverkennbare Grazilität und Dichte aus. Sein bevorzugtes Themengebiet ist dabei immer wieder das Universum in all seinen vielseitigen Erscheinungsformen. Beispiele dafür sind seine Tafeln „Goldene Monde“ I und II (1991) oder die „Thematik-Landschaft“ aus dem Jahre 1983.[2]
In der Freizeit ist er immer wieder gern als Maler, Zeichner und Grafiker tätig. Mit Vorliebe malte er Aquarelle oder zeichnete mit Kohle, Bleistift und Tusche. Ab 1981 schuf er auch Federzeichnungen und ab 1990 Linolschnitte. Seine Motive sind auch hier oft von astronomischen Themen geprägt. Allerdings stellte er auch Landschaften aus dem Elbtal dar. Noch bis 1991 arbeitete er an der Meißner Manufaktur und geht danach in den Ruhestand. Rudi Stolle verstarb 1996 im Alter von 76 Jahren in Meißen.
Werke (Auszug)
- Mandelbäumchen in Sepia Dekor, 1975, zum „Großer Ausschnitt“ nach einem Modell (1973) von Ludwig Zepner.
- Dekor Blumenmotive zum über 250-teiligen Service „Großer Ausschnitt“, um 1977.
- Wandgestaltung aus Porzellan in der Charité, Berlin, 1982.
- Elbe bei Torgau, Landschaftsbild, Ölkreidearbeit, 1986.
- Supernova, Wandbild aus Porzellan mit Aufglasurmalerei, um 1990.
- Kosmische Kraftlinien, Wandbild aus Porzellan mit Aufglasurmalerei, um 1990.
- Tag und Nacht, zwei Wandbilder aus Porzellan, reliefierte Handformschnitt-Elemente, 1990.
- Wellenspiel, Wandbild aus Porzellan und den Teilen I und II mit Aufglasurmalerei, 1991 und 1992.[3]
Beteiligung an Ausstellungen (Auszug)
- Meissen heute im Kunstgewerbemuseum Berlin, 1976.
- Ausstellungen in Japan in den Städten Tokyo, Kyoto und Yokohama, 1980.
- Meissner Porzellan von 1710 bis zur Gegenwart, Kunstgewerbe-Museum Köln, 1983.
- Ausstellungen in Japan in den Städten Tokyo, Kobe, Matsuyama, Hiroshima, Kurosaki, Funabashi, 1984.
- Ausstellung in Fellbach (Baden-Württemberg), 1987.
- Meissener Blaumalerei aus drei Jahrhunderten, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Porzellan-Sammlung, 1989.
- Ausstellung im Museum des Kunsthandwerks Leipzig, 1991.
- Ausstellung Keramion, Frechen, 1992.
Literatur
- Adressbücher der Stadt Meißen, verschiedene Jahrgänge.
- Otto Walcha: Meissner Porzellan. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Dresden: Verlag der Kunst, 1986, 8. Aufl., ISBN 3-364-00012-3.
- Uwe Beyer (Redaktion): Meissener Wandbilder. In: Meissener Manuskripte – Sonderheft I, Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH, 1992.
- Uwe Beyer (Redaktion): Wandbilder – Bildwände, Künstlerische Wandgestaltung in Meissener Porzellan. In: Meissener Manuskripte XVII, Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH, 2003.
Einzelnachweise
- ↑ Otto Walcha: Meissner Porzellan. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Dresden: Verlag der Kunst, 1986, 8. Aufl., S. 213.
- ↑ Uwe Beyer (Redaktion): Meissener Wandbilder. In: Meissener Manuskripte – Sonderheft I, Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH, 1992, S. 14 und 15.
- ↑ Uwe Beyer (Redaktion): Wandbilder – Bildwände, Künstlerische Wandgestaltung in Meissener Porzellan. In: Meissener Manuskripte XVII, Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH, 2003, S. 8 und 160.