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Wassertrog an der Burgstraße.
Der Engelsbrunnen am Hundewinkel wurde durch die Marstall-Röhrfahrt gespeist.
Der Brunnen im Hof der Fürstenschule.

Als Röhrfahrt werden die ab dem 15. Jahrhundert hölzernen Wasserleitungen zur Wasserversorgung der Stadt Meißen bezeichnet. Im 19. Jahrhundert hatte man die hölzernen Wasserleitungen bereits teilweise durch gusseiserne Rohre ersetzt. Die historischen Röhrfahrten benutzt man teilweise auch noch heute um zum Beispiel Brunnen zu speisen.

Geschichte

Zunächst hatte man sauberes Trinkwasser aus den Quellbrunnen der umliegenden Täler durch eine Röhrfahrt in die Stadt geleitet und dort in bereitgestellte große Holztröge an verschiedenen Punkten der Stadt gesammelt. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts gab es dann schon steinerne Tröge, welche man in der Stadt aufstellte. Zudem gab es auch noch steinerne Wassertröge für Feuerlöschzwecke. Der steinerne Wasserkasten an der Frauenkirche wurde um 1554 aufgestellt. Der Wasserkasten an der Frauenkirche trug einst noch einen dekorativen Schmuck und eine Aufschrift. Der Wassertrog war mit vielen Figuren verziert und zudem mit einer Löwen-Skulptur bekrönt. Aus dem Maul des Löwen sprudelte das Wasser in den Trog. In der Mitte befand sich eine Säule mit der Aufschrift. „Omnibus affluenter“ (Für alle im Überfluss). Leider wurde dieser Brunnen mit dem monumentalen Wasserkasten um 1690 abgetragen und durch einen einfachen steinernen Wasserkasten ohne Schmuck ersetzt.

Öffentliche Wasserkästen der Stadt

Um 1751 gab es einige öffentliche Wasserkästen in der Stadt. Ein Wasserkasten stand beispielsweise am Haus Rote Stufen Nr. 5 auf halben Wege zwischen Baderberg und Markt. Weitere Wassertröge standen an der Frauenkirche, am Tuchmachertor, am Haus Baderberg Nr. 2, zwei Wasserkästen standen am heutigen Stadttheater, ein Wasserkasten stand am Heinrichsplatz, einer am Kleinmarkt vor dem Grundstück Kleinmarkt Nr. 6/7 und ein Wasserkasten stand am ehemaligen Marstall an der Görnischen Gasse Nr. 9. Einige Wasserkästen sind heute noch auf historischen Stadtansichten nachvollziehbar.

Amtsröhrfahrt

Der ergiebigste Brunnen für die Röhrfahrt war im Meisatal angelegt worden. Der Brunnen befand sich an der Quellgasse am sogenannten „Krautwinkel“ und ein Brunnen am Lehmberg. Von dort hatte man das Wasser durch mehrere Stränge der „Amtsröhrfahrt“ zum Sammelbehälter unter die Schloßbrücke am Hohlweg und von dort ebenfalls wieder über mehrere Stränge in die Stadt geleitet. Wohlhabende Bürger ließen sich Abzweige der Röhrfahrt bis in ihre Häuser legen oder man speiste mit dem Wasser die Privatbrunnen am Haus.

Schlossröhrfahrt

Im zum Obergut führenden Seitentälchen des Meisatals befindet sich der Brunnen der sogenannten „Schlossröhrfahrt“ die von dort entlang des Röhrenweges zur Freiheit und mit einem Abzweig zum Burgberg führt. Diese Röhrfahrt versorgte einst die Grundstücke der Meißner Ämter, den Burgberg und den Afraberg mit Wasser. Zudem wurde von 1710 bis 1863/1865 die in der Albrechtsburg untergebrachte Porzellanmanufaktur mit Wasser versorgt. Die Schlossröhrfahrt ist noch heute in Betrieb und versorgt beispielsweise einen Wasserkasten vor dem Café an der Roten Gasse Nr. 5.

Goldgrund-Röhrfahrt

Die Quellen im Goldgrund versorgten vor allem die ehemalige Badestube am Kleinmarkt. Ab 1515 wurde zudem das Franziskanerkloster und ab 1530 auch noch der Wasserkasten am Heinrichsplatz mit Frischwasser versorgt.

Rauhental-Röhrfahrt

Die sogenannte „Rauhental-Röhrfahrt“ wurde bereits 1474 angelegt und diente zur Versorgung des Afraklosters. Die gemauerte Quellfassung besteht auch noch heute in der Nähe der einstigen Gaststätte „Sächsischer Jäger“ (Ruine) im oberen Rauhental. Die Röhrfahrt verlief mit nur geringem Gefälle am Rauhental-Hang entlang bis zur ehemaligen Bismarcksäule und von dort zum Hof des Afraklosters. Zudem wurde der sogenannte „Rektorenbrunnen“ und später auch der Brunnen im Hof der Fürstenschule mit Frischwasser versorgt.

Marstall-Röhrfahrt

Die Quellen für die „Marstall-Röhrfahrt“ befanden sich einst im unteren Rauhental. Die Röhrfahrt verlief amSteinberg entlang bis zum Marstall an der Görnischen Gasse. Mit Frischwasser versorgt wurden der Engelsbrunnen am Hundewinkel und die Badestube am Kleinmarkt Nr. 7.

Röhrfahrt am Plossen

Die Röhrfahrt am Plossen wurde erstmals im Jahre 1783 erwähnt. Die Quelleinfassung befindet sich im oberen Bereich des Grundstücks Plossenweg Nr. 4. Durch die Röhrfahrt versorgt wurden die Bewohner am Plossenweg und an der Obergasse.

Ziegelscheunen-Wasser

Das sogenannte „Ziegelscheunen-Wasser“ wurde am Hang oberhalb der ehemaligen Geipelburg in zwei Quellfassungen gewonnen. Mit Wasser versorgt wurde vor allem die ehemalige Ratsziegelei, die Geipelburg, das Gasthaus „Goldenes Schiff“ und die Bewohner der Elbhäuser (Fischerhäuser) am Martinsplatz.

Waltersbrunnen-Röhrfahrt

Der Waltersbrunnen ist ein vergitterter Quellbrunnenschacht am Kleinen Hohlweg. Vom Brunnen gingen einst einige Röhrfahrten ab und versorgten mehrere Häuser am Markt mit Frischwasser. Eine der Wasserleitungen zum Haus Markt Nr. 9 war dabei noch bis in das 20. Jahrhundert hinein gangbar.

Kloster-Röhrfahrt

Die sogenannte „Kloster-Röhrfahrt“ lag bereits außerhalb der Stadt und diente zur Versorgung des Klosters zum Heiligen Kreuz und später auch der Zünderfabrik im Drosselgrund.

Wie bereits auf einen Plan von 1751 dargestellt, waren die verschiedenen, zur Altstadt führenden Röhrfahrten miteinander verbunden. Zudem gab es eine regulierbare Verbindung zwischen Amts- und Schlossröhrfahrt. Eine moderne Wasserversorgung bekam die Stadt mit dem Bau der städtischen Wasserleitung (1890). In dieser Zeit konnten auch einige Hydranten in Betrieb genommen werden. Das Aufdrehen der Hausanschlüsse war am 19. Juni 1893. Die noch in den Vorstädten bestehenden Pumpbrunnen konnten nun nach und nach außer Gebrauch genommen werden. Martin Herrschuh war bis 1958 der letzte städtische „Röhrmeister von Meißen.[1]

Literatur

  • Sächsische Feuerwehr-Zeitung, Verlag H. Simon in Cölln-Elbe.
  • Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. Sax–Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5

Einzelnachweise

  1. Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. Sax-Verlag, Beucha 2009, S. 357 bis 359.