Porzellanmanufaktur Meißen

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Schwertermarken an der Fassade der Porzellanmanufaktur Meißen.
Hauptgebäude der Porzellanmanufaktur Meißen an der Talstraße.
Wandbild an der Porzellanmanufaktur Meißen.

Die Porzellanmanufaktur Meißen, Eigenschreibweise „Porzellan-Manufaktur MEISSEN“, eigentlich „Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen GmbH“, ist der einzige Hersteller von Meißner Porzellan. Die Porzellanmanufaktur wurde bereits im Jahre 1710 gegründet. Die erste Fertigungsstätte befand sich in der Albrechtsburg Meißen auf dem Burgberg.

Da man damals die Brennöfen aus Feuerschutzgründen außerhalb der Albrechtsburg errichtet hatte, waren zur Aufnahme der Manufaktur nur verhältnismäßig geringfügige Umbauten erforderlich. Ein verheerender Brand 1773 hinterliess an den Gebäuden glücklicherweise nur wenig Schaden. An der Stelle, wo sich einst das Brennhaus der Porzellanmanufaktur befand, steht heute der offene galerieartige Zwischenbau von 1890, welcher das Kornhaus mit der Albrechtsburg verbindet. In den Jahren 1864/65 hat man die Manufaktur in die damals neu errichteten Produktionsstätten im Triebischtal verlegt.

Den Besuchern der Porzellanmanufaktur Meißen wird heute neben dem „Porzellan-Museum“ die Herstellung von Meißner Porzellan in einer „Erlebniswelt“ nähergebracht. Die Meißner Bevölkerung spricht dabei noch immer mit Hochachtung und Stolz über die Angestellten der Manufaktur, von den „Porzellinern“, welche in der „Porzelline“ arbeiten.

Älteste Warenmarke der Welt

Die Porzellanmanufaktur Meißen besitzt mit den „gekreuzten Kurschwertern“ die älteste noch in ständiger Benutzung stehende Warenmarke der Welt. Die kobaltblauen Kurschwerter werden dabei in der Technik der Unterglasurmalerei auf den Scherben aufgetragen. Anhand der jeweiligen Ausführung der Warenmarke ist eine epochenmäßige Zuordnung vom Scherben gewährleistet. So wurde beispielsweise in den Jahren 1924 bis 1933 unter der Direktion von Max Adolf Pfeiffer, der sogenannten „Pfeifferzeit“, ein Punkt zwischen die Spitzen der elegant geschwungenen, knauflosen Kurschwerter gesetzt.

Hintergründe einer Erfindung

Als die Erfinder des Meißner Porzellans gelten heute Johann Friedrich Böttger (1682-1719) und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651-1708). Zudem waren auch der Bergbaubeamte Gottfried Pabst von Ohain und zahlreiche Freiberger Berg- und Hüttenleute an der Erfindung nicht unerheblich beteiligt. Nach unzähligen Versuchen durch J. F. Böttger und E. W. Tschirnhaus konnten im November 1707 die ersten Resultate vorgelegt werden. J. F. Böttger war es gelungen, ein rotes Steinzeug – das sogenannte „Jaspis-Porzellan“ – herzustellen. Am 15. Januar 1708 gelingt schließlich auch das Brennen eines weißen Scherbens und somit die Erfindung des ersten weißen europäischen Porzellans. Meißner Porzellan wird auch als „Weißes Gold“ bezeichnet. Im Jahre 1710 wird auf Grund der Erfindung mit Dekret vom 23. Januar 1710 die „Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellanmanufaktur“ in der Albrechtsburg zu Meißen gegründet.

Geschichte in Daten

1710 bis 1810

  • 1710: Am 6. Juni 1710 erfolgt die Gründung der ersten Porzellanmanufaktur Europas in den Räumen der Albrechtsburg.
  • 1722: Der Inspektor der Kgl. Porzellanmanufaktur, Johann Melchior Steinbrück, schlägt der Administration die Kurschwerter aus dem sächsischen Wappen als Markenzeichen für das in Meißen hergestellte Porzellan vor.
  • 1731: Johann Joachim Kaendler wird zum Modellmeister berufen und bekommt die Oberaufsicht über die Gestaltungsbranche der Meißner Porzellanmanufaktur auf der Albrechtsburg.
  • 1735: An der Porzellanmanufaktur wird das erste Porzellanservice geschaffen. Es handelt sich dabei um das „Sulkowski-Service“. Das Service wird 1737 in Gebrauch genommen.
  • um 1739: Der später als „Zwiebelmuster“ bezeichnete Dekor wird entwickelt.
  • 1764: In Seilitz bei Meißen wird durch den Porzellanmaler Johann Gottlieb Hahnefeld das zur Herstellung von Porzellan verwendete „Kaolin“ entdeckt.
  • 1810: Die Porzellanmanufaktur feiert unter der Direktion von Graf Marcolini ihr 100-jähriges Bestehen.

1811 bis 1910

  • 1817: Der Blumenmaler an der Manufaktur Johann Samuel Arnhold entwickelt den chromoxidgrünen Unterglasurdekor „Voller grüner Weinkranz“.
  • 1818: Der Maler der Romantik und des Biedermeier, Georg Friedrich Kersting, tritt als Malereivorsteher in die Porzellanmanufaktur ein.
  • 1820: Anbau und Inbetriebnahme des Pferdegöpels an der Nordostecke der Albrechtsburg. Er dient als Antrieb für die Masse- und Glasuraufbereitung und für den Brennholzaufzug.
  • 1827: Das „Glanzgold“, eine dünne Goldauflage auf Porzellan, welche nach dem Dekorbrand nicht mehr poliert werden muss, wird erfunden.
  • 1828: Die Erfindung des „Lasursteinblaus“ durch den Arkanisten an der Manufaktur, Friedrich August Köttig.
  • 1853: In den Kellerräumen der Albrechtsburg wird für die Porzellanmanufaktur eine Dampfmaschine aufgestellt.
  • 1859: Im März 1859 ist der Baubeginn für die Fabrikanlagen der Kgl. Porzellanmanufaktur im Triebischtal.
  • 1863: Es erfolgt vom 9.-12. Oktober 1863 der Umzug des gesamten Personals der Kgl. Porzellanmanufaktur von der Albrechtsburg in die neuen Fabrikationsräume im Triebischtal. Der Umzug wird erst 1865 endgültig beendet sein.
  • 1871/72: Die Kgl. Porzellanmanufaktur wird um den Flügel E erweitert. Zudem besteht von 1871 bis 1894 an der Kgl. Porzellanmanufaktur eine Fortbildungsschule für die Abgänger der Zeichenschule der Manufaktur.
  • 1891: Am 17. Oktober 1891 wird noch an der Neugasse das Denkmal für Johann Friedrich Böttger enthüllt. Seit 1912 befindet sich das Denkmal gegenüber des Hauptgebäudes der Porzellanmanufaktur an der Talstraße.
  • 1905/1906: In der Porzellanmanufaktur Meißen werden die Fliesen für den „Fürstenzug“ gefertigt. Die Fliesen werden von April bis Juli 1907 am Langen Gang des Stallhofes des Dresdner Schlosses angebracht. Ein Probebild aus dem Jahre 1903, bestehend aus 50 Meißner Porzellan-Keramikfliesen, befindet sich noch heute an der Westseite der Porzellanmanufaktur in der Talstraße. Es ist ein kleiner Ausschnitt des berühmten Fürstenzugs von Dresden und zeigt Friedrich den Ernsthaften (1324-1379), Markgraf von Meißen.
  • 1910: Am 6. Juni 1910 wird unter Anwesenheit des sächsischen Königs Friedrich August III. die 200-Jahrfeier der Kgl. Porzellanmanufaktur begangen.[1]

Galerie

1911 bis 1945

  • 1916: Am 6. Januar 1916 wird die Fertigstellung der Schauhalle an der Talstraße gefeiert. Baubeginn war 1912. Die Eröffnung der Schauhalle für den Besucherverkehr erfolgte am 12. Februar 1916.
  • 1918: Es erfolgt die Umbenennung der Kgl. Porzellanmanufaktur in nun „Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen“. Zudem wird am 1. November 1918 Max Adolf Pfeiffer Direktor der Porzellanmanufaktur. Unter dem Direktorat von M. A. Pfeiffer wirken u.a. die Künstler Paul Scheurich, Ernst Barlach, Emil Paul Börner, Max Esser, Gerhard Marcks und Richard Langner.
  • 1919: Im April 1919 wurde Böttgersteinzeug® als Markenzeichen der Porzellanmanufaktur Meißen beim Reichspatentamt in Berlin eingetragen. An der Manufaktur wurde zuvor durch Dr. William Funck ein neuer Masseversatz für das Böttger-Steinzeug entwickelt.
  • ab 1919: Herstellung von Porzellangeld|Notgeld aus Bötcher-Steinzeug und Biskuitporzellan für Städte und Gemeinden. Das sächsische Finanzministerium forderte mit der Vergabe des Staatsauftrags von der Manufaktur besondere Sicherheitsvorkehrungen für die neu gegründete Münzabteilung.
  • 1929: Anläßlich der Tausendjahrfeier der Stadt Meißen wird am 1. Juni 1929 das erste Porzellanglockenspiel der Welt am Turm der Frauenkirche eingeweiht.
  • 1929: Am 26. Mai 1929 wurde die Nikolaikirche als Kriegergedächtnisstätte eingeweiht. Sie wurde zur Ehrengedenkhalle für die Opfer des Ersten Weltkrieges. Der Porzellankünstler E. P. Börner aus der Porzellanmanufaktur hatte die Ausgestaltung der Kirche übernommen und dazu die größten jemals hergestellten Porzellanfiguren (bis 2,25 m hoch) geschaffen.
  • 1944: Im August hatte man die Porzellanmanufaktur für kriegsunwichtig erklärt. Es wurden nur noch technische Porzellane produziert. Sämtliche Exponate der Schauhalle wurden in die Keller der Albrechtsburg eingelagert.
  • 1945: Die Porzellanmanufaktur wird ein SAG-Betrieb (SAG = Sowjetische Aktiengesellschaft) und von der Besatzungsmacht übernommen.

1946 bis 1989

  • 1950: Nach Rückgabe der Manufaktur am 23. Juni 1950 lautet nun die Firmenbezeichnung „VEB Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen“.
  • 1960: Aufstellung des Kaendler-Brunnens im heutigen Kaendlerpark. Ab den 160er Jahren erscheint die Betriebszeitung „Manufaktur-Echo“ monatlich.
  • 1960: Vom 3. bis 6. Juni 1960 gibt es Feierlichkeiten in der gesamten Altstadt und einen großen Festumzug zum 250-jährigen Bestehen der Porzellanmanufaktur Meißen. Zum Festumzug zur Manufakturgeschichte kommen allein 100.000 Besucher aus über 40 Ländern. Im Hof der Porzellanmanufaktur wird ein Porzellanglockenspiel eingeweiht.
  • 1960: Begründung des „Kollektivs für Künstlerische Entwicklung“ in der Manufaktur. Mitglieder sind die Porzellankünstler Ludwig Zepner, Peter Strang, Heinz Werner, Rudi Stolle und Volkmar Bretschneider.
  • 1965: Bau einer modernen Schlämmanlage.
  • 1969: Die erste Auflage des Buches „Meißner Porzellan – Die Geschichte einer Manufaktur“ von Otto Walcha erscheint. Später gibt es noch mehrere Nachauflagen.
  • 1970/73: Bau einer neuen Ofenhalle. Zudem der Bau von zwei Gewächshäuser zur Anzucht von Blumen als Anschauungsmaterial für die Ausbildung der Porzellanmaler.
  • 1970: Ab den 1970er Jahren gibt es eine gezielte Förderung der Meißner Gewichtheber.
  • 1971: Ab 1971 Unterstützung der jährlich veranstalteten Gewichtheber-Turniere „Pokal der Blauen Schwerter“.
  • 1979: Städtepartnerschaft zwischen der japanischen Porzellan-Stadt Arita und Meißen. Die Städtepartnerschaft wurde am 9. Februar 1979 zwischen den Bürgermeister von Arita, Ruiji Aoki, und Karl Petermann, dem damaligen Direktor der Porzellanmanufaktur Meißen, in Arita bekräftigt. Es gibt in der Manufaktur zum Ende der 1970er Jahre Gastronomie und regelmäßige Kulturveranstaltungen. Zudem gibt es insgesamt neun Arbeitsgemeinschaften, darunter einen Werk-Chor, ein Betriebsfilmstudio und ein Kammerorchester.
  • 1980: Der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kurt Waldeim, besucht die Porzellanmanufaktur Meißen.
  • ab 1982: Beginn des Aufbaus eines modernen Organisations- und Rechnungszentrums.
  • 1983: Besuch des damaligen CDU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß am 26. Juli 1983 in der Porzellanmanufaktur.
  • 1985: Ab dem Jahr 1985 gibt es in der Porzellanmanufaktur die Betriebssportgemeinschaft (BSG) „Blaue Schwerter“.
  • 1987/89: Errichtung eines neuen Sozialgebäudes (Betriebsgaststätte).
  • 1989: Der damalige Generaldirektor der Porzellanmanufaktur Meißen, Reinhard Fichte, bleibt nach einem Besuch der Frankfurter Messe am 19. Februar 1989 in der BRD.[2][3][4]

ab 1990

  • 1991: Am 26. Juni 1991 wird die nun „Staatliche Porzellan-Manufaktur GmbH“ Landeseigentum des Freistaates Sachsen.
  • 1992: Die Übergabe eines neuen „Porzellan-Kasuar“ für den Kaendlerpark durch die Porzellanmanufaktur an die Stadt Meißen im Wert von 31.000 DM erfolgt am 12. Juni 1992. Die alte Skulptur war bereits im Oktober 1990 entwendet worden.
  • 1993: Am 17. Mai 1993 verleiht das Deutsche Weininstitut Mainz der Staatlichen Porzellan-Manufaktur aus Anlass des 175. Geburtstags des Unterglasurdekors „Voller grüner Weinkranz“ (auch bekannt als „Weinlaub“) den Weinkulturpreis 1992.
  • 1993: Ab dem 1. Juli 1993 geht die Porzellanmanufaktur für die kommenden Monate auf Kurzarbeit über. Als Grund wird die weltweite Rezession angegeben.[5]
  • 1994: Am 19. Oktober 1994 stellt die Porzellan-Manufaktur der Öffentlichkeit Fälschungen von Meißner Porzellan vor. Anschließend werden die Fälschungen zerschlagen. Die Aktion zum Schutz eines Warenzeichens war bisher einmalig in Deutschland.
  • 1994: Seit dem 1. November 1994 gibt es ein Café in der Staatlichen Porzellanmanufaktur.
  • 1996: Von April bis Mai erfolgt die Sanierung des Böttger-Denkmals gegenüber der Staatlichen Porzellanmanufaktur. Dabei wird auch die Sockel-Gründung stabilisiert.[6]
  • Am 22. Juni 2005 ist die Eröffnung des neu erbauten Besucherzentrums. Idee und Entwurf zur Außenfassade mit bemalten Porzellanplatten von Sabine Wachs.[7]

Literatur

Homepage „Porzellanmanufaktur Meißen“

Einzelnachweise

  1. Helmuth Gröger: Tausend Jahre Meißen. C. E. Klinkicht & Sohn, Druck: Druckerei Klinkicht & Sohn, Meißen 1929, S. 340, 341, 536 bis 541, 543-554, 578-583, 600, 622, 625, 640, 659, 672, 675, 677 und 678 (online).
  2. Günter Naumann: Meißner Geschichte in Daten 929-1993. Kreissparkasse Meißen, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 1993, S. 37–279.
  3. Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5, S. 103 und 263 und 267.
  4. Gerhard Steinecke: Unser Meißen – 1929-2004. Meißner Tageblatt, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 2004, ISBN 978-3-929705-09-6, S. 197, 202, 221, 225, 228 bis 230, 254 und 255.
  5. Günter Naumann: Meißner Geschichte in Daten 929-1993. Kreissparkasse Meißen, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 1993, S. 246, 254, 267 und 270.
  6. Günter Naumann: Meißner Chronik 1989-1996. Kreissparkasse Meißen, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 1996, S. 79, 177, 182 und 235.
  7. Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5, S. 267.