Porzellan-Lotterien




Zu Beginn der 1920er Jahre gab es in einigen Städten, Gemeinden sowie in unterschiedlichen Vereinen, einige Aktivitäten um geplante Bauvorhaben oder auch ganz andere Projekte zu finanzieren. In Meißen wurden dazu die sogenannten Porzellan-Lotterien veranstaltet. Zu gewinnen gab es Porzellan aus der Porzellanmanufaktur Meißen. Als Los dienten medaillenartige Lotterielose aus braunem Feinsteinzeug, welche durchgehend von Hand nummeriert wurden.[1]
Hintergründe
Das deutsche Geld war in dieser Zeit auch kaum noch etwas Wert, dass Porzellan aus Meißen hatte jedoch stets seinen Wert behalten! Überall galten die Produkte aus der sächsischen Manufaktur als zeitloser Luxus und im In- und Ausland, als eine besonders Wertanlage. Die Lose waren keramische Kleinkunstwerke, welche einst vom Entwurf bis zum Schneiden des Prägestempels ein Künstler geschaffen hatte. Welche Losnummern am Ende gewonnen hatten, wurde in der Tagespresse verkündet. Beim Einlösen des Preises wurde dann vor Ort mit einem Schleifstein die Losnummer auf dem Los einmal waagerecht durchgeschliffen. Danach bekam es der Gewinner wieder zurück. Auf diese Weise sind viele Lose erhalten geblieben. Mit den Lotterien sollte in Meißen 1922 und 1923 die Umgestaltung der Nikolaikirche zur Kriegergedächtniskirche finanziert werden. Zudem sollte aus dem Gewinn einer Lotterie der Bau der Städtischen Volksbücherei am Kleinmarkt unterstützt werden.
Die Lotterien
Kriegergedächtnis-Kirche 1922
- Porzellan-Lotterie Kriegergedächtnis-Kirche 1922, mit insgesamt 60 000 Lose in der Form einer Medaille. Verkauf ab 19. Dezember 1921. Das Los kostete 20 Mark. Die Lose wurden ausverkauft. Auslosung der Gewinner am 30. März 1922. Von den verkauften 60 000 Losen wurden 6 060 Gewinner ausgelost. Das waren 60 Hauptgewinne und 6 000 Kleingewinne aus Porzellan. Der Erlös, welchen man durch den Verkauf der Lose erzielte, reichte gerade einmal für die Sanierung der Kirche sowie die Honorare für Emil Paul Börner, als Entwerfer und Gestalter der Kriegergedächtnisstätte aus. Daher veranstaltete man eine zweite Porzellan-Lotterie.
Kriegergedächtnis-Stätte 1923
- Porzellan-Lotterie Kriegergedächtnis-Stätte 1923, mit insgesamt 60 000 Lose in der Form einer Medaille. Verkauf ab 11. Mai 1923. Das Los kostete 30 Mark. Die Lose wurden ausverkauft. Auslosung der Gewinner schon am 15. Juni 1923. Von den verkauften 60 000 Losen wurden 6 062 Gewinner ausgelost. Das waren 62 Hauptgewinne und 6 000 Kleingewinne aus Porzellan. Die Einnahmen der zweiten Lotterie wurden durch die Hochinflation in Deutschland komplett vernichtet.
Die Idee zu weiteren Porzellan-Lotterien zugunsten der Kriegergedächtnisstätte konnte jedoch erst 1926 verwirklicht werden. Losmedaillen aus Feinsteinzeug gab es jedoch nicht mehr, denn die neuen Lose waren aus Papier. Die Papierlose kosteten je 2 Reichsmark und wurden ab April 1926 verkauft. Dabei bestand die Papierlos-Lotterie aus einer Serie mit zehn Teilen mit je 5 000 Losen die schrittweise bis 1929 verkauft wurden. Es blieb nun der Gewinn aus den Lotterieeinnahmen erhalten und so konnte im Frühjahr 1928 mit dem Einbau der geschaffenen Porzellaneinrichtung begonnen werden.
Städtische Volksbücherei Meissen 1923
- Porzellan-Lotterie für die Städtische Volksbücherei 1923, mit insgesamt 100 000 Lose in der Form einer Medaille. Verkauf ab Dezember 1923 und März 1924. Das Los kostete 3 Goldmark. Die Lose wurden ausverkauft. Auslosung der Gewinner am 15. September 1924. Von den verkauften 100 000 Losen wurden 10 060 Gewinner ausgelost. Das waren 60 Hauptgewinne und 10 000 Kleingewinne aus Porzellan. Der Hauptgewinn war ein Tafelgedeck für zwölf Personen, mit grünem Drachenmuster, rot und goldschattiert. Der fünfte Hauptpreis war ein Tafelgedeck für sechs Personen mit korallenroter indischer Malerei, dazu Goldpunkte und Goldrand im Wert von 769 Goldmark. Die Porzellan-Lotterie konnte schlussendlich als Erfolg bezeichnet werden, denn das Gebäude der Volksbücherei wurde in unmittelbarer Nähe vom Stadtmuseum am Kleinmarkt gebaut. Vom einst geplanten Reingewinn von 90 000 Goldmark hatte die Hochinflation aber nur noch 15 241,15 Reichsmark übriggelassen.
Die Los-Medaillen, hergestellt in Feinsteinzeug oder auch Biskuitporzellan, aus der Porzellanmanufaktur Meißen, sind wahrhafte Kleinkunstwerke. Die Los-Nummer, welche ein Manufakturist einst von Hand in das einzelne Stück geritzt hatte, machte die Losmedaille gleichzeitig zum Unikat.[2]
Literatur
- Gewinnlisten der drei Porzellan-Lotterien in Meißen.
- Peter Braun: Böttgersteinzeug® Eine Meissener Faszination, in Meissener Manuskripte XX, Sandstein Verlag Dresden, Meißen, ohne Jahr, ISBN 978-3-940319-22-7.
- numiscontrol: Schaff er mir Gold, Böttger, Moneytrend-Verlag, Wien, Österreich, 2012.
- Karl Scheuch: Spenden-Medaillen aus Porzellan und Ton, 1966, unveränderte Nachauflage 2001, Strothotte, Gütersloh, 2001, ISBN 3-9803482-4-5.
- Frank Ringleb: Zur Geschichte der aus Böttgersteinzeug und Biskuitporzellan hergestellten Münzen und Jetons der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen, Katalog 1 und 2, Eigenverlag, Riesa, 2014, 2015.
- Reiner Graff: Mit Meissner Porzellan die Straßenbahn bezahlen, Numispost, Bad Ragaz, Schweiz, 2017.
- numiscontrol: Emil Paul Börner (1888-1970) ein besondere Medailleur der Pfeifferzeit, Moneytrend-Verlag, Wien, Österreich, 2018.
- Reiner Graff / Numiscontrol: Vor einhundert Jahren gab es gleich drei Porzellan-Lotterien in Meißen, Teil I bis III, Eigenverlag, Hoppegarten, 2023.
Einzelnachweise
- ↑ Karl Scheuch: Spenden-Medaillen aus Porzellan und Ton, 1966, unveränderte Nachauflage 2001, Strothotte, Gütersloh, 2001, S. 60, 65 und 66, ISBN 3-9803482-4-5.
- ↑ Reiner Graff / Numiscontrol: Vor einhundert Jahren gab es gleich drei Porzellan-Lotterien in Meißen, Teil I bis III, Eigenverlag, Hoppegarten, 2023.