Pianoforte-Bauerei Ferdinand Thürmer

Tafel am Zugangsportal.
Werbeanzeige der Fa. Ferd. Thürmer um 1912.
Werbeanzeige Firma F. Thürmer um 1922.

Die Pianoforte-Bauerei Ferdinand Thürmer wurde bereits am 1. April 1834 oder nach anderen Quellen erst am 19. August 1834 durch Ernst Ferdinand Wilhelm Thürmer in Meißen als „Pianoforte-Bauerei“ gegründet. Über der Eingangstür zum Wohnhaus Schloßberg Nr. 5 gibt es eine entsprechende Sandsteintafel mit einem Hinweis auf die Firma.

Geschichte

Zunächst fungiert die Firma Thürmer als kleiner Handwerksbetrieb. Im Jahre 1870 sind bei F. Thürmer 10 Arbeiter beschäftigt, welche jährlich etwa 12 Instrumente herstellen. Der Sohn des Firmengründers Gustav Adolf Ferdinand Thürmer hatte seine Ausbildung zum Klavierbauer bei Julius Blüthner in Leipzig absolviert. Er übernimmt nach dem Tod des Vaters 1862 die Firma und baut sie weiter aus. Das Unternehmen entwickelt und vergrößert sich und im Jahre 1878 wurde bereits das 1000ste Klavier hergestellt.

Stammhaus an der Martinstraße

Inzwischen wurde an der Martinstraße Nr. 12, 12a ein neues viel größeres Fabrikgebäude errichtet, welches 1875 bezogen und 1884 erweitert wird. Das Unternehmen ist auf einer internationalen Ausstellung in London erfolgreich und bekommt viele Auslandsaufträge besonders aus Australien. Ab 1884 stellt die Firma auch „tropenfeste“ Klaviere her. Im Jahre 1900 wird das Unternehmen von Ferdinand Thürmer (geb. 1870) und Hugo Thürmer (1877-1948) gemeinsam in der dritten Generation weitergeführt. Ferdinand Thürmer gilt nun in der Firmengeschichte als „Ferdinand III“. In der Zeit um 1903 werden im Meißner Unternehmen etwas 2.000 Instrumente von ca. 200 Mitarbeitern hergestellt. Die Firma wird 1905 Hoflieferant weiland Ihrer Majestät der Königin-Witwe von Sachsen. Außerdem ist sie Hoflieferant vom Großherzog Sachsen-Weimar und dem Großherzog von Hessen und bei Rhein sowie dem Hof des Fürsten zur Lippe.[1]

Standort Ferdinandstraße

Ein weiterer Fabrikneubau entsteht 1907/08 an der Ferdinandstraße Nr. 2 im Stadtteil Cölln. Die Fabrik kann ab 1910 zur Herstellung von Klavierteilen vollgenutzt werden. Dazu wird aber auch noch das Stammwerk an der Martinstraße weitergenutzt. Im Werk an der Martinstraße werden nun alle Instrumente zusammengebaut und es gibt einen Verkaufssalon und weitere Ausstellungsräume. 1926 tritt Walther Thürmer (1902-1947), der Sohn von Hugo Thürmer, in die Firma ein. Bis zum Jahre 1927 werden in der Firma etwa 59.000 Pianos, Konzertflügel und Stutzflügel in den verschiedensten Ausführungen hergestellt. Zudem hatte man die Produktion von „tropenfesten“ Klavieren wieder aufgenommen und stellte ab 1928 auch preiswerte Kleinklaviere her. Die Räume des Zweigwerkes an der Ferdinandstraße werden ab 1944 zur Hälfte an die Mesco Werke, in dieser Zeit ein Rüstungsbetrieb, abgegeben. Dort wurden u. a. Flugzeugteile hergestellt.

Ab 1945

Eine Werbeanzeige um 1950.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Firma Thürmer 1946 enteignet. Walther Thürmer verstirbt 1947 im sowjetischen Speziallager Mühlberg. Im Werk werden nun wieder kleinere Reparaturen an Musikinstrumenten ausgeführt. Nach anderen Quellen wurden aber auch noch Klaviere bis zum Jahre 1952 gefertigt. Im Adressbuch der Stadt Meißen 1950 ist Ferdinand Thürmer noch als Pianofortefabrikant im Ruhestand, wohnhaft in der Ernst-Thälmann-Straße Nr. 12 (heute Martinstraße) aufgeführt. Auch die Grundstücke Ernst-Thälmann-Straße Nr. 12, 12a und 12b befindet sich demnach noch im Besitz der Familie Thürmer (Besitz Ferdinand Thürmer und Hugo Thürmers Erben).[2] Noch bis 1950 firmiert der Betrieb als „Meißner Pianofortefabrik“. Später wird der gesamte Betrieb auf Möbelfabrikation umgestellt und bekommt den Namen „Meißner Piano- und Möbelfabrik“.

Jan Thürmer nahm im Jahre 1971 die Klavierproduktion in der Bundesrepublik Deutschland wieder auf. Er lässt die Klaviere jedoch zunächst von einer Westberliner Firma in Lizenz herstellen. Später werden im Ruhrgebiet in der Stadt Herne nach firmeneigenen Vorgaben Halbfabrikate zusammengestellt. Der Firmensitz wird 1988 nach Bochum verlegt.

Heute betreibt die Pianofortefabrik unter H. W. Jan Thürmer (Inhaber) das „THÜRMER Pianoforte-Museum“ im ehemaligen Stammhaus an der Martinstraße Nr. 12. Das Museum wurde am 1. April 1999 eröffnet.[3]

Sortiment (Auszug)

  • 1890: 12 Pianino-Modelle und 1 Kabinettflügel.
  • 1903: 32 Pianino-Modelle.
  • 1910: dazu kommen noch 5 neue Flügelmodelle.

Es kann in dieser Zeit ein guter Absatz im Inland verzeichnet werden. Exportiert werden die Thürmer-Klaviere nach Australien, Südafrika, und Amerika.[4][5]

Literatur

  • Adressbuch der Hoflieferanten im Königreiche Sachsen, Verlag des Hoflieferanten-Adressbuches Dresden, Dresden 1905.
  • Adressbuch der Stadt Meißen 1950.
  • Günter Naumann: Meißner Geschichte in Daten 929-1993. Kreissparkasse Meißen, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 1993.
  • Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5.
  • Reiner Graff: Die ehemaligen Königlich Sächsischen Hoflieferanten aus Meißen, Publikation zum Vortrag vom 4. April 2019 im Krematorium Meißen, Eigenverlag, 2019.

Einzelnachweise

  1. Adressbuch der Hoflieferanten im Königreiche Sachsen. Verlag des Hoflieferanten-Adressbuches Dresden, Dresden 1905, S. 5 bis 6 und 69 bis 90.
  2. Adressbuch der Stadt Meißen 1950, Hausbuchteil S. 13 und Einwohnerverzeichnis S. 82.
  3. Reiner Graff: Die ehemaligen Königlich Sächsischen Hoflieferanten aus Meißen, Publikation zum Vortrag vom 4. April 2019 im Krematorium Meißen, Eigenverlag, 2019, S. 2 bis 7 und 9 bis 11.
  4. Günter Naumann: Meißner Geschichte in Daten 929-1993. Kreissparkasse Meißen, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 1993, S. 101.
  5. Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5, S. 82, 83, 291 und 292.