Pestepidemien in Meißen
Die Stadt Meißen und auch ihre Vorstädte wurden oft von der Pest heimgesucht. Vor allem nach Missernten, nach Überschwemmungen oder auch in Kriegszeiten gab es in der Stadt noch bis 1682 Pestepidemien mit vielen Toten und oftmals mähte der „schwarze Tod“ gewaltig. Wie Überlieferungen belegen, kam es aber auch bei Dürre und anderen witterungsbedingten Extremen zu schweren Epidemien. Man sagte berechtigt: „Mehr noch als alle Söldnerhaufen fürchtete die Bevölkerung von Meißen die Pest.“
Übersicht (Auszug)
- 999: Es kam nach dem Austrocknen aller Gewässer und dem damit verbundenen Fischsterben zu Seuchen und einer Hungersnot.
- 1018 und 1151: Nach einem sehr langen und kalten Winter kommt es zu Hungersnot und Seuchen in der Stadt mit vielen Opfern.
- 1311: Nach langanhaltendem Regenwetter und der dadurch schlechten Ernte kommt es zu Hungersnot und einer Pestepidemie.
- 1349 und 1354: Es grassierte die Pest im Kloster zum Heiligen Kreuz.
- 1440 bis 1442: Über drei Jahre lang grassiert eine epidemische Krankheit unter den Einwohnern des Landes und der Stadt.
- 1450: In vielen Orten des Landes geht der „schwarze Tod“ um. Im Kloster zum Heiligen Kreuz starben die Äbtissin, die Priorin und neun weitere Schwestern.
- 1463: In diesem Jahr tritt die Pest mehrfach auf. Im Afrakloster sterben 5 Chorherren.
- 1485: Es sterben im Kloster zum Heiligen Kreuz neun Nonnen an einer Epidemie.
- 1497: Nach einer verheerenden Elbe-Hochflut folgt die Pest und fordert viele Opfer.
- 1498: Bei einer Epidemie sterben im Afrakloster sieben Chorherren.
- 1507: Es sterben innerhalb von vier Monaten 500 Menschen an der Pest.
- 1517: Überliefert ist, „es starben viele an Kopfschmerz und hitzigem Fieber.“
- 1529: Es tritt eine bisher unbekannte Infektionskrankheit auf, die man „englischer Schweiß“ nennt.
- 1552: Von Juni bis zum Ende des Jahres gibt es über 2000 Pesttote in der Stadt Meißen.
- 1557: Es geht in der Stadt ein epidemisches „Brust- und Catharalfieber“ um und fordert Opfer.
- 1576: Eine Pestepidemie fordert in der Stadt 1500 Pesttote. Die Epidemie beginnt im Sommer und dauert fast ein Jahr an. Ab Juni 1576 ist ein von der Stadt angestellter “Pestilenzbalbiir“ belegbar. Im August wird noch ein zweiter „Balbir“ angestellt. Beide haben die Kranken zu versorgen. Ende Juli 1576 stellt der Rat einen “Pestential-Prediger“ ein, der auch „Notdiakon“ genannt wird. Er fungierte nun als Seelsorger für die Kranken, weil sich der Stadtgeistliche wegen der Ansteckungsgefahr weigerte. In der Zeit der Epidemie wurden keine Markttage abgehalten und nur im Rathaus durfte eine Frau Butter und Käse verkaufen. In der Zeit waren sieben Totengräber angestellt. Am 18. Januar 1577 war nur noch ein Totengräber beschäftigt, da die Pest langsam erlosch.
- 1611: Es waren in der Altstadt 190 und in den Vorstädten 912 Pesttote zu beklagen.
- 1626: Es musste erneut ein „Pestilenz-Pastor“ eingestellt werden. Obwohl die Torwachen jeden halbwegs Verdächtigen den Eintritt wehrten und die infizierten Häuser gesperrt und Befallene isoliert wurden, ergriff die Epidemie wieder viele.
- 1630: Erneut suchte die Pest die Stadt und auch die Vorstädte heim. Es waren insgesamt 200 Pesttote zu beklagen.
- 1631: Es bricht wiederum die Pest aus und bleibt bis 1632. Es sterben 936 Einwohner.
- 1637 und 1659: Eine Epidemie hat die Stadt im Griff mit zahlreichen Opfern.
- 1680 bis 1682: Die Pest bricht letztmalig aus. Zur Lokalisierung des Seuchenherdes wird die Stadt vom 1. August 1681 bis zum 5. März 1682 von einem Soldaten-Kordon eingeschlossen. Die Pesttoten werden wieder auf dem Feld hinter der Nikolaikirche bestattet.[1][2]
Literatur
- Helmut Kröger: Tausend Jahre Meißen, Druck und Verlag, Klinkicht & Sohn, Meißen, 1929.
- Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen, Sax-Verlag, 2009, ISBN: 978-3-86729-013-5.