Originelle Handwerksbetriebe

Der Dom zu Meißen.
Schuhmacher-Zubehör.

In der Stadt Meißen gab es schon immer eine Vielzahl an Gewerken und Fabriken. Dabei gab es auch noch Berufe und Tätigkeiten, welche heute längst nicht mehr anzutreffen sind oder die inzwischen von anderen Berufszweigen übernommen wurden. So gab es noch bis in die 1960er Jahre hinein einen „Staatlich geprüften Kastrierer“, dessen Firmenschild in der Auenstraße 8, von Touristen gern als Fotohintergrund gewählt wurde. Ganze Gruppen stellten sich davor zum Erinnerungsfoto auf. In der Neugasse 64 gab es eine besondere Einrichtung. Es war eine der ersten alkoholfreien Gaststätten im Königreich Sachsen überhaupt, die als „Erste Eishalle“ nur einen alkoholfreien Ausschank hatte. Einen Sargverleih gab es in Meißen ebenfalls.

Übersicht (Auswahl)

Die Zahl in der Klammer nennt die Anzahl der Geschäfte in der Stadt. Die Jahreszahl am Ende gibt das jeweilige Adressbuch an.

  • Abschießvogelgeschäft (1) Herstellung von Abschieß-Vögeln, Möbelbau und Sarglager, Rosengasse 11. 1921.
  • Dampfstraßenwalzenbesitzer (1) (Straßenwalze/Baumaschine, Wettinstraße 28. 1921.
  • Delikatessengeschäfte (17) 1921.
  • Fischermeister (16), Fischer auf der Elbe. 1921.
  • Barbiere und Frisöre (43) Herrenfrisöre und Perückenmacher. Dagegen gab es gerade einmal drei „Friseusen“ (Frisösen). 1921.
  • Haarhändler (2) 1921.
  • Geldschrankfabrikannten (2) Richard Günther, Talstraße 5 und Eduard Günther, Lorenzgasse 2. Die Firma Günther stellte Tresore in eigener Fabrikation her. Es gibt von der Firma Tresore, welche auch heute noch in Meißen genutzt werden. 1921.
  • Gießkannenfabrik (1). Die Firma Schreiber in der Webergasse 2, stellte große und kleine Gießkannen aus Zinkblech her. 1921.
  • Hebammen (9) 1921.
  • Heimbürginnen, Leichenfrau (6) 1921.
  • Holzpantoffelmacher (3) 1921.
  • Kammerjäger (1), in der Talstraße 65. 1921.
  • Karussellbesitzer (4) 1921.
  • Kindergärtnerin (1) Markt 3. 1921.
  • Kistenfabrik (1) Die Gebrüder Otto in der Fabrikstraße 3-4 fertigten Holzkisten aller Art. 1921.
  • Kochfrauen (6). Die Frauen kamen zum Kochen in die Wohnung, wenn Gäste zu bewirten waren. 1921.
  • Koch-Lehrinstitut (1). Ida Menzel lehrte die Kunst des Kochens, Hahnemannsplatz 18/19. 1921.
  • Meißner Marionetten-Theater (1). Es befand sich in der Wittigstraße 17. 1921.
  • Nagelschmied (1) 1921.
  • Naturheilkundige (2) 1921.
  • Panoramabesitzer (1) Das sogenannte „Kaiserpanorama“ am Kleinmarkt 3, war ein populäres Massenmedium mit stereoskopischen Bilderserien. Gezeigt wurden hauptsächlich exotische und für den Normalbürger unerschwingliche Reiseziele und Landschaften. Ein Umlauf der hinter einer zylindrischen Holzvertäfelung automatisch im Kreis transportierten Bildserien dauerte eine halbe Stunde. 1921.
  • Pfefferküchler (1). Ein Pfefferküchler stellt Pfefferkuchen her. Der Unterschied zum Lebkuchen besteht darin, dass er für sein Gebäck grundsätzlich einen Lagerteig (Monate bis Jahre abgelagert) verwendet. Der Teig enthält kein Fett und keine Eier. 1921.
  • Pilzberatungsstelle (2). 1910.
  • Sargverleih (1). Am Trinitatiskirchweg 8 wurden Prunksärge aus Holz verliehen. Der Verstorbene wurde in einen „normalen“ Sarg gelegt. Dieser Sarg wurde dann in den Prunksarg gestellt und so zur Totenfeier aufgebahrt. Bestattet wurde der Verstorbene später im „normalen“ Sarg. Der Prunksarg konnte nach einer Reinigung wieder verliehen werden. Leihsärge waren später noch bis 1962 gestattet. (1921).
  • Schiffsbauer (1). Im Haus Lindenplatz 5 wurden aus Holz die Fischerboote für die Elbfischer hergestellt und repariert. 1921.
  • Schirmfabrikanten (6). Regenschirme wurden noch in eigener Produktion hergestellt, repariert und auch neu bezogen. 1921.
  • Schneidermeister (108) 1921.
  • Schuhmachermeister (128) 1921.
  • Siebmacher (2) 1921.
  • Spazierstockfabrikanten (5) Beispiel: Hentschel & Wittig, G. m. b. H., Görnische Gasse 9. 1921.
  • Tanzlehrinstitute, Tanzschule (5) 1921.
  • Telegraphenbauanstalten, Haustelegraphen (8). Installation von Telefonanschlüssen. 1921.
  • Turmuhrenfabrik (2). Am bekanntesten war die Firma Otto Fischer. 1921.
  • Wäscherinnen (49). Dahin konnte man seine Wäsche zur Reinigung bringen und später wieder gebügelt abholen. Geliefert wurde allerdings auch direkt ins Haus. 1921.
  • Zahnkünstler (6) Die Zahnärzte hatten damals auch am Sonntag ihre Praxis geöffnet. 1921.
  • Zeremonienmeister (3). Die Zeremonienmeister fungierten auch als „Grabbitter“. Sie luden persönlich auf Hinweis der Hinterbliebenen, die Verwandtschaft und weitere Personen zur Trauerfeier auf den Friedhof ein. Sie leiteten auch die Trauerfeier auf dem Friedhof. 1921.
  • Zigarrenfabriken (11). 1921.
  • Zitherlehrer(4). 1921.

Literatur

Adressbücher der Stadt Meißen, Branchenverzeichnis, 1921 und weitere Jahrgänge.