Meißner Weihnachtsgeschichte – „Miemeln“ in der Hofpause



Die Meißner Weihnachtsgeschichte – „Miemeln“ in der Hofpause berichtet über ein Spiel, welches in den 1960er und 1970er Jahren auf den Schulhöfen der Stadt Meißen emsig gespielt wurde. In der damaligen Willi-Lang-Oberschule, 2. Polytechnische-Oberschule Meißen (heute Triebischtalschule) war das Spiel in den Hofpausen ebenfalls nicht gern gesehen, obwohl sich damals sogar einige Lehrer am Spiel beteiligt hatten.
Weihnachtsgeschichte
Es gibt Dinge im Leben, welche man gerade in der Kindheit, nicht tun sollte. Allerdings werden, gerade in der Kindheit, solche Dinge immer interessanter und man hat den großen Drang es doch zu tun. Wenn man dann noch ein bestimmtes Spiel an einem bestimmten Ort verboten hatte, gaben wir Kinder dem Verbot, egal wer es erlassen hatte, keine Chance. Ein scheinbar vergessenes Spiel mit DDR-Pfennigen, das „Miemeln“, war zu meiner Kindheit äußerst beliebt und damals ein Streitobjekt zwischen Schule und Elternhaus geworden. Wir Schüler lebten allerdings ganz gut zwischen den Fronten, miemelten fleißig weiter und der Schuldirektor schrieb Briefe an die Eltern. Darin war von der mutwilligen Beschädigung von Volkseigentum (die Hauswand der Schule) und unerlaubtem Glücksspiel mit Geld die Rede.
Unsere Eltern sahen das alles etwas gelassener. Denn dass man mit dem Werfen von Pfennigen gegen eine Schulhauswand Schaden anrichten konnte, glaubten sie nicht, dafür hielten auch sie unsere DDR-Währung nicht für stabil genug. Was war das nun für ein so gefährliches Glücksspiel, das uns Kinder gerade zum krankhaften Zocker ausbildete und durch dessen Spiel in der großen Pause auf dem Hof, vermutlich sogar das Schulgebäude einstürzen könnte? Wir spielten zu jeder Jahreszeit und es gab darin kleine Meisterschaften.
Um die Weihnachtszeit, wenn Schnee auf dem Schulhof lag, konnte man nach der Pause im zertretenen Schnee, viele Orte der illegalen Spielhöllen an der Häuserwand entdecken. Die Lehrer waren offenbar machtlos, denn die Spieler waren meist durch eine große Anzahl Zuschauer gut abgeschirmt. Kam ein Lehrer dann doch einmal verdächtig nahe, waren die Pfennige schnell in der Hosentasche verschwunden. Merkwürdig war damals, dass man meist ausschließlich auf dem Schulhof spielte. Nach dem Unterricht, sah man kaum Kinder an einer Hauswand stehen, um diesem Spiele zu frönen. Vermutlich war es der Reiz des Verbotenen. Den verputzten Hauswänden hat das Werfen mit Pfennigen sicher nicht geschadet, denn unser altes Schulgebäude im Triebischtal steht noch heute.
Das „Miemeln“, „Klimpern“ oder auch „Fuchsen“, ist heute dagegen aus der Mode gekommen. Eventuell müssen erst ausgesprochene Verbote das Spiel wieder interessant machen? Auf dem letzten Klassentreffen in Meißen, haben wir allerdings wieder „gemiemelt“, denn man kann auch mit 1-Cent-Stücken spielen. Schnell waren wir Alten von einigen Schülern umringt und das Spiel erlebte seine Renaissance. Eine Anzeige wegen Sachbeschädigung an einem Schulgebäude, gab es übrigens auch dieses Mal nicht. Es scheint also doch ein harmloses Spiel zu sein, das auch Sie mit Ihren Kindern oder Enkeln, einmal ausprobieren sollten.
Die Spielregeln
Fünf Schüler spielten maximal gegeneinander. Dazu gebraucht werden Pfennige oder auch Cent-Stücke.
Das Spiel (Original mit Pfennig-Stücke)
Jeder Mitspieler hatte zu Beginn des Spieles, zehn einzelne Pfennigstücke in der Hand. Dann brauchte man noch eine glatt verputzte Hauswand. So ca. fünf Schritte vor der Wand wurde ein Strich gezogen, dieser diente als Aufstelllinie. Die Aufgabe bestand darin, ein Pfennigstück in Richtung Wand zu werfen und damit möglichst nahe an die Wand zu kommen. Jeder der fünf Spieler musste zu Beginn eine Münze in Richtung Wand werfen. Prallte die Münze durch den Wurf gegen die Wand, war das kein Problem. Hatte jeder seine Münze geworfen, ging man zur Wand, begutachtete den Wurf und legte die Platzierung fest. Der Spieler, welcher mit seiner geworfenen Münze der Wand am nächsten war, konnte sich nun zurücklehnen und abwarten. Die Anderen überlegten inzwischen, ob es möglich wäre, dem bisherigen Sieger mit einem besseren Wurf, den ersten Platz abzujagen. Jeder konnte nun dazu seine restlichen neun Pfennige einsetzen. Dabei wurde genau auf die Lage seiner Münze geachtet, manche waren auch schon vom Eigentümer farblich markiert. Weitere Würfe brachten eventuell einen neuen Sieger, aber es gingen auch einige fehl. Wollte keiner mehr einen Wurf wagen, wurden nochmals Sieger sowie die weiteren Platzierungen festgelegt. Der Sieger durfte sich nun alle geworfenen Stücke einsammeln, allerdings hatte er diese noch lange nicht gewonnen!
Das Werfen der Münzen nach festgelegtem Ritual
Der Sieger fügte die Münzen zu einer Rolle und legte sich diese zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand. Mit einem Ruck, musste er nun die Münzrolle hochwerfen und dabei die Hand mit dem Handrücken noch oben ausstrecken. Dabei sollte er versuchen, möglichst viele der Münzen aufzufangen. Hier „klimperte“ es schon mächtig und viele nicht aufgefangene Münzen lagen nun wieder auf der Erde. Die Pfennige aber, welche noch auf dem Handrücken lagen, wurden erneut hochgeworfen um danach gleichzeitig zu greifen. Was nun mit der Hand aufgefangen wurde, war der Gewinn. Die Münzen welche heruntergefallen waren, durfte sich der Zweitplatzierte, ebenfalls nach dem gleichen Ritual erkämpfen. Dann begann das Spiel, wenn noch Pause war, von vorn. Wer keine Münzen mehr hatte schied aus.[1]
Literatur
- Reiner Graff: „Miemeln“ war auf dem Schulgelände verboten – Wir „miemelten“ doch!. In. Numis-Post – Das Schweizer Magazin für Münzen, Bad Ragaz, Schweiz, Heft 12/2012.
Einzelnachweise
- ↑ Reiner Graff: „Miemeln“ war auf dem Schulgelände verboten – Wir „miemelten“ doch!. In. Numis-Post – Das Schweizer Magazin für Münzen, Bad Ragaz, Schweiz, Heft 12/2012, S. 79 bis 81.