Meißner Stollen aus der Hausbäckerei.
Buttern und Zuckern vor dem Anschnitt.
Ein Stollenteig noch ungeformt.

Die Meißner Stollen, welche wie die Sächsischen Christstollen überhaupt, eine lange Tradition haben, werden von fast jeder Bäckerei und Konditorei in der Advents- und Vorweihnachtszeit angeboten. Vorwiegend handelt es sich dabei um einen Rosinen- oder Mandelstollen. Die streng behüteten Rezepte wurden nicht selten von Generation zu Generation weitergegeben. Heute gibt es in den Meißner Bäckereien und Konditoreien neben dem klassischen Weihnachtsstollen und dem Mandelstollen auch noch weitere Kreationen wie Marzipanstollen, Schokostollen, Mohnstollen, Pralinenstollen und Canberrystollen, zudem noch verschiedenes Stollenkonfekt.

Außerdem wird heute dem Weihnachtsstollen nicht selten noch ein individueller Name beigegeben, um das Produkt besonders werbewirksam hervorzuheben. So gibt es zum Beispiel einen „Markgrafenstollen“ oder „Kurfürstenstollen“. Meist lehnen sich die Rezepturen an den geografisch geschützten „Dresdner Christstollen“ an, der allerdings nur in Dresden und Umgebung gebacken werden darf.

Geschichte

Der sächsische Weihnachtsstollen ist einst im Meißner Land, der Wiege Sachsens entstanden. Auf Fürbitte Meißner Fürsten hatte man im Jahre 1447 mit päpstlichen Erlass das Butterverbot, demnach dem Verbot, während der Fastenzeit mit Butter zu backen, für die Bäcker aus Siebenlehn aufgehoben. Man kann diese Zeit auch als die Geburtsstunde des sächsischen Stollens bezeichnen. Später war es dann den Bäckern aus anderen Orten in Sachsen ebenfalls erlaubt in der Fastenzeit mit Butter zu backen.

Die Hausbäckerei

Obwohl die „Hausbäckerei“ von Stollen gegenwärtig fast in Vergessenheit geraten ist, wird sie noch immer von einigen Bäckereien der Kundschaft angeboten. Früher wurden von den Bäckereien in der Vorweihnachtszeit einige Tage für die Hausbäckerei fest eingeplant. An solchen Tagen konnte die Kundschaft einen Termin vereinbaren, um dann Weihnachtsstollen nach Familien-Rezeptur und mit eigenen Zutaten backen zu lassen. Die Kundschaft bestimmte also selbst was in die Stollen kam.

Zutaten, Einkaufen und Lagern

Noch bis in die 1990er Jahre hinein wurden im Herbst auch in den Meißner Familien die Stollenrezepte hervorgeholt. Danach wurden sämtliche Zutaten berechnet und Stück für Stück eingekauft. Frische Zutaten wie zum Beispiel Hefe, Butter, Butterschmalz und Milch, wurden erst kurz vor dem eigentlichen Backtag eingekauft.

Zutaten vorbereiten

Die Backzutaten wie zum Beispiel Rosinen, Zitronat, Mandeln süß und bitter, waren dabei vor dem eigentlichen Backtag noch vorzubereiten. Rosinen mussten verlesen, gewaschen und eingelegt werden. Die Mandeln wurden mit heißem Wasser überbrüht und dann von der braunen Schale befreit. Danach hat man die Mandeln mit einer Mandelmühle sehr fein gemahlen. Das Zitronat war ebenfalls in kleine Würfel zu schneiden. Meist war mit den Vorbereitungen die gesamte Familie beschäftigt.

Backtag und Stollenzeichen

Zum vorher vereinbarten Termin musste man pünktlich mit sämtlichen Zutaten in der Backstube erscheinen. Dort wurden im Beisein der Hausfrau, die ausgewählten Zutaten fachmännisch vermengt und von Hand zu Weihnachtsstollen geformt. Danach oblag es meist dem Kunden in die auf dem Blech vorgeformten ungebackenen Stollen das „Stollenzeichen“ mit dem Familiennamen zu platzieren. Damit war nun das Eigentum vom Weihnachtsgebäck endgültig besiegelt. Die Stollenzeichen blieben auch beim Backen im Gebäck, so konnte nichts vertauscht werden. Nach dem Backen mussten die fertigen Stollen noch ca. einen Tag zum Abkühlen in der Bäckerei bleiben. Danach konnten sie abgeholt werden.

Aberglaube

Der Transport der Weihnachtsstollen von der Bäckerei zum Kunden, ging stets mit großer Vorsicht vonstatten. Es durfte dabei kein Stollen zerbrechen, denn ein zerbrochener Stollen, so glaubte man, brachte der Familie im kommenden Jahr Unglück. Einige waren sogar davon überzeugt, dass bei einem zerbrochenen Stollen, im nächsten Jahr ein Familienmitglied stirbt.

Der Anschnitt am Heiligen Abend

Je nach Familientradition wird der erste Weihnachtsstollen meist erst am Heiligen Abend angeschnitten und verkostet. Dazu wird der Stolln vorher gebuttert, gezuckert und abschließend mit einer dicken Schicht Staubzucker überpudert. Präsentiert wird der Stollen dann zur Kaffeetafel auf einem besonderen Stollenbrett.