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Meißner Porzellan-Marken.
Meißner Porzellan um 1810.

Das Meißner Porzellan ist ein keramisches Erzeugnis, welches in der Porzellanmanufaktur Meißen hergestellt wird. Als Erfinder des Meißner Porzellans gelten heute Johann Friedrich Böttger (1682-1719) und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651-1708). Zudem waren auch der Bergbaubeamte Gottfried Pabst von Ohain und zahlreiche Freiberger Berg- und Hüttenleute an der Erfindung beteiligt gewesen. Das Markenzeichen von Meißner Porzellan sind die blauen gekreuzten Kurschwerter, welche in der Technik der Unterglasurmalerei aufgetragen werden. Meißner Porzellan wird auch als „Weißes Gold“ bezeichnet.

Geschichte

Nach unzähligen Versuchen durch J. F. Böttger und E. W. Tschirnhaus konnten im November 1707 die ersten Resultate vorgelegt werden. Böttger war es gelungen ein rotes Steinzeug – das sogenannte „Jaspis-Porzellan“ – herzustellen. Am 15. Januar 1708 gelingt schließlich auch das Brennen eines weißen Scherbens und somit die Erfindung des ersten weißen europäischen Porzellans.

Das Material

Meißner Porzellan besteht aus Kaolin, einer weißen Porzellanerde, sowie Quarz und Feldspat. Dabei sind die drei Grundstoffe in vorbestimmter Menge miteinander vermischt. Die relativen Mengen der drei Grundstoffe bedingen die Qualität des Scherbens. Sämtliche Grundstoffe müssen äußerst rein sein. Das mürbe, erdige Roh-Kaolin wird mit viel Wasser in Rührwerken versetzt und anschließend geschlemmt. Feldspat und Quarz werden erst zerkleinert und in Trommelmühlen zu Staub oder mit Wasser gemischt und zu Brei vermahlen. In Filterpressen wird der rahmartige Brei wieder teilweise entwässert und zu einer Art Kuchen geformt. Anschließend wird die Masse 12 bis 14 Monate in feuchten Kellern gelagert und einer Art Gärungsprozess unterworfen. Dabei erhöht sich nochmals die Plastizität. Durch weiteres Schlagen und Kneten wird die Masse von Luftblasen befreit und zu einem homogenen Teig durchgewalkt.

Das Formen

Je nach Form des Gegenstandes wird Porzellan auf verschiedene Arten verarbeitet. Meißner Porzellan kann eingedreht, überformt oder auch gegossen werden. Für das Drehen auf der Töpferscheibe kommen nur runde Gegenstände in Betracht. Sogenannte Hohlgefäße bekommen ihre Gestalt durch Einformen in Gipsmatrizen. Teller, Platten, Schüsseln und damit flache Geschirre erhalten ihre Gestalt durch Überformen auf Gipsmatrizen. Zylindrische Schalen, Tassen, Vasen werden auf einer Drehscheibe in oder auf Gipsformen eingedreht und in der nassen Hand und mit dem feuchten Schwamm oder mit Schablonen fertig geformt. Dabei werden sie auf die gewünschte Scherbenstärke gebracht.

Figuren werden meist gegossen. Dabei ist das Gießen ein weitaus komplizierteres Verfahren als das Formen auf der Drehscheibe. Vom Gegenstand wird zuerst vom Porzellankünstler ein Tonmodell gefertigt. Davon wird ein Gipsabguss hergestellt, der in zwei Teile zerlegt werden kann. Zusammengefügt bilden die beiden Teile die Gipsform. In die Gipsform wird flüssige Porzellanmasse eingegossen und danach bleibt die Form vorerst stehen. Die Gipsform entzieht dabei der eingefüllten Porzellanmasse das Wasser und nimmt es auf. An der Form bildet sich dabei innen eine Schicht von einigen Millimetern Dicke und bildet damit den gewünschten Gegenstand. Nach einiger Zeit wird die überflüssige Porzellanmasse wieder herausgeschüttet. Dabei entsteht im Inneren der neuen Figur ein kleinerer oder auch größerer Hohlraum. Nach einiger Zeit kann die Form zerlegt und der gegossene Gegenstand in nun lederhartem Zustand mit Vorsicht herausgenommen werden.

Bei größeren Figuren oder Gegenständen wie Figurengruppen wird das angefertigte Modell in mehrere Bestandteile zerschnitten. Es werden dann einzelne Figuren oder Einzelteile wie zum Beispiel der Rumpf, der Kopf, Arme, Beine und die eventuellen Requisiten der Figur zerlegt und separat gegossen oder auch als Masse in die entsprechenden Formen hineingeknetet. Hat man von der gewünschten Figur die einzelnen Bestandteile hergestellt, dann werden diese vom Bossierer zusammengefügt.

Galerie mit Meißner Porzellan

Das Bossieren

Ein Bossierer fügt die einzelnen ausgegossenen oder ausgeformten Teile mit Porzellanschlicker zusammen. Die durch das zusammenfügen entstandenen Nähte werden ebenfalls vom Bossierer sorgfältig verputzt, säuberlich geglättet und so überarbeitet, dass keinerlei Spuren mehr erkennbar sind. Der Bossierer fügt auf gleiche Weise auch den Gefäßen, wie Tassen, Schüsseln, Vasen, die Henkel und Füße, welche ebenfalls gesondert gegossen werden, nachträglich hinzu. Hat der Gegenstand nun seine endgültige Form erhalten, kommen die Scherben in gut durchlüftete Trockenräume. Das Trocknen der Scherben ist sehr langwierig und muss äußerst vorsichtig vollzogen werden damit es zu keinen Trockenrissen kommt.

Das Brennen und Glasieren

Das sogenannte Weißporzellan wird zweimal gebrannt. Der erste Brand ist dabei der „Glühbrand“, bei dem der Porzellangegenstand bei einer Temperatur von ca. 800 bis 1000 Grad verglüht, um die Struktur zu festigen. Dazu sind die Porzellangegenstände in Schamottekapseln eingeschlossen. Die Kapseln werden in Säulen im Brennofen gestapelt. Nach dem Brand hat sich der Scherben zwar verhärtet, ist jedoch noch porös und saugt noch Flüssigkeit an, was wiederum für ein Auftragen der Glasur von Wichtigkeit ist.

Die Glasur besteht aus den gleichen Stoffen wie die Grundmasse, allerdings mit mehr Flussmitteln. Das Glasieren geschieht durch Eintauchen in die halbflüssige Glasurmasse. Der Scherben saugt dabei die Flüssigkeit auf und die Glasur schlägt sich auf der Oberfläche des Scherbens nieder. Die Glasur muss so beschaffen sein, dass sie beim Brand in hoher Temperatur gut ausfließt und auf dem glasierten Gegenstand eine zähe Haut bildet, ohne an den senkrechten Flächen herabzufließen. Danach kommen die glasierten Scherben erneut in Schamottekapseln zum Gär- oder Glattbrand in den Brennofen. Der zweite Brand erfolgt nun in zwei Phasen. Beim Vorbrand bis etwa 900 Grad und dem eigentlichen Scharffeuerbrand bis 1450 Grad wird die Brennführung einmal oxydierend und dann reduzierend ausgeführt. Dabei werden die Rohmaterialien chemisch gebunden. Der Feldspat löst dabei Teile des Quarzes auf. Er schmilzt zu einer glasartigen Masse und füllt alle Poren und Zwischenräume aus. Der Scherben versintert dabei und das Porzellan bekommt seine charakteristischen Eigenschaften. Die vorher aufgetragene Glasur wird durch den Brand durchsichtig und glänzend.

Galerie mit Meißner Porzellan

Das Bemalen

Noch im 18. Jahrhundert nannte man das Dekorieren von Geschirr und das Bemalen der Figuren „staffieren“. Beim farbigen Bemalen des Scherben wird zwischen Unterglasur- und Aufglasurmalerei unterschieden. Verwendet werden für beide Techniken Farben mit Metalloxyden. Die Unterglasurfarben werden auch als „Scharffeuerfarben“ bezeichnet. Sie werden auf den Porzellangegenstand aufgetragen, welcher nur im „Glühbrand“ war. Beim Gär- oder Glattbrand verbinden sich dann die Farben mit der Porzellanmasse und werden von der Glasur überdeckt. Überglasurfarben, welche man auch Muffelfarben, Schmelz- oder Emailfarben nennt, haben eine fast unbeschränkte Farbenskala aufzuweisen. Nachdem das Porzellan den Gär- oder Glattbrand durchlaufen hat, werden auf die fertige Glasur die bunten Bildmotive und auch das Golddekor mit dem Pinsel von Hand aufgetragen. Für die Farben verwendet man verdicktes Terpentin, Mohn- oder Lavendelöl als Bindemittel.

Die so dekorierten Stücke werden dann im Brennofen ein drittes Mal bei 800 bis 900 Grad gebrannt. Wiederum schützt eine feuerfeste Kapsel dabei das Porzellan. Beim eigentlichen Brande werden die Farben aufgeschmolzen und entfalten eine einzigartige Leuchtkraft. Die Farben haften nun innig auf dem glasierten Scherben. Mit der Technik Aufglasur bemaltes Porzellan ist jedoch durch äußere Einflüsse leichter zu beschädigen, da die Farben nicht mit der Glasur verschmolzen sind und auch nicht den Härtegrad einer Glasur erreichen kann.

Für Gold- und Silberdekor wurde früher das Blattgold oder Silber in Honig aufgelöst und nach dem Bemalen nochmals leicht eingebrannt. Golddekor wird nach dem Brand von speziellen Mitarbeitern (Polierer) mit einem Achatpolierstein zum endgültigen Glanz gebracht.[1][2]

Literatur

  • Helmuth Gröger: Tausend Jahre Meißen. C. E. Klinkicht & Sohn, Druck: Druckerei Klinkicht & Sohn, Meißen 1929 (online).
  • “Porzellan“ – Meisterwerke aus der Sammlung Kocher Deutsches Porzellan der 18. Jahrhundert, Verlag Stämpfli & Cie. Bern, ohne Jahr.
  • Verschiedene Autoren und unterschiedliche Ausgaben: MEISSENER MANUSKRIPTE, Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen. Ausgaben: 1 (1992), 2 (1992), Sonderheft IV (1993), Sonderheft V (1994), Sonderheft XI (1997), Sonderheft XIII (1999), Sonderheft XVI (2001), Sonderheft XVII (2003), Sonderheft XIX (2006), Sonderheft XX (ohne Jahr).
  • Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5.

Einzelnachweise

  1. Helmuth Gröger: Tausend Jahre Meißen. C. E. Klinkicht & Sohn, Druck: Druckerei Klinkicht & Sohn, Meißen 1929, S. 340, 341, 536 bis 541, 543-554, 578-583, 600, 622, 625, 640, 659, 672, 675, 677 und 678 (online).
  2. Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5, S. 263 und 267.