Meißner Hoflieferanten



In Meißen wurden bis zum Jahre 1918 verschiedene Unternehmer königlich geehrt. Sie erhielten per Dekret vom sächsischen Ministerium des Innern, direkt aus dem Oberhofmarschallamt in Dresden das Privileg, den Titel eines „Königlich Sächsischen Hoflieferanten“ zu tragen. Außerdem waren sie berechtigt das Königlich Sächsische Wappen in der kleineren Form zu führen. Das Prädikat „Hoflieferant“ diente dabei auch in Meißen als dauerhaftes Werbezeichen und bürgte zusätzlich für qualitativ hochwertige Waren.
Hintergründe
Hofprädikate mussten zunächst gut begründet im Ministerium des Innern beantragt werden. Dort wurden sämtliche Anträge geprüft und entschieden. Das Prädikat eines Hoflieferanten wurde dabei nur an natürliche Personen verliehen, die Vergabe an juristische Personen und Unternehmen schloss man dagegen aus. Zudem musste die zu ehrende Person sich nachweislich mit hervorragenden Leistungen im eigenen Berufszweig hervortun, einen ehrenhaften Ruf besitzen, sowie eine königstreue Gesinnung haben. Antragssteller sollten außerdem schon mehrjährig in einer guten Geschäftsbeziehung zum Hofe gestanden haben.
Sehr häufig wurden dabei Prädikate an Inhaber von Familien- und Traditionsunternehmen verliehen. Dabei war es im Königreich Sachsen damals schon selbstverständlich, dass auch Frauen als „Hoflieferantin“ durch entsprechendes Dekret geehrt wurden. Der Hoflieferantentitel war nicht an eine Staatszugehörigkeit gebunden. Die geehrten Hoflieferanten wurden im Königreich Sachsen zudem nach ihrer Diplomierung geordnet. Die Diplome lauteten auf den Titel „Hoflieferant“, sofern bei den Namen kein anderer Titel wie zum Beispiel Hofgoldschmied, Hofmundbäcker oder Hoforgelbauer vermerkt wurde.[1]
Nicht nur der regierende sächsische König selbst konnte in Sachsen den Titel verleihen, auch die Familienmitglieder des Sächsischen Königshauses waren dazu berechtigt. Grundsätzlich konnte der Status als Hoflieferant zu jeder Zeit auch wieder entzogen werden. Kam es im Königreich Sachsen zu einem Thronwechsel, dann war es nach erfolgtem Regierungsantritt des neuen Monarchen möglich, bestehende Hofprädikate durch Umwandlungsanträge zu verlängern oder durch Umschreibung weiterzuführen. Verstarb aber der Inhaber vom Hofprädikat selbst, so ging auch der Titel verloren und musste neu beantragt werden.[2][3]
Königlich Sächsische Hoflieferanten aus Meißen
(Das Datum hinter dem Namen ist der Zeitpunkt der Titelvergabe.)
- Max Beilich, Besitzer der Smyrnateppich- und Strumpfwarenfabrik Louis Beilich, 18. November 1906, Hoflieferant Ihrer Majestät der Königin „Witwe“.
- Otto Horn, Konditor, 4. März 1881.
- Henriette Emma Horn, geb. Lansky, Bäckerei-Inhaberin, Weingroßhändlerin, 20. Januar 1899.
- Ernst Otto Horn, Weingroßhändler, 15. Oktober 1918.
- Wilhelm Emil Naumann, Weinessig- und Senffabrik Roessler & Co., 28. Dezember 1904.
- Wilhelm Schwarz, Juwelier, 30. Oktober 1908.
- Ernst Teichert, Ofen- und Porzellanfabrik, 1874.
- Ferdinand Thürmer, Klavierbauer, Pianofortefabrik, 1905, Hoflieferant weiland Ihrer Majestät der Königin-Witwe von Sachsen. Außerdem Hoflieferant vom Großherzog Sachsen-Weimar und dem Großherzog von Hessen und bei Rhein.[4]
Literatur
- Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, betreffende Akten des Oberhofmarschallamts zu Meißner Hoflieferanten.
- Sachsen unter König Albert, Sächsischer Volksschriften Verlag Leipzig, Leipzig 1898.
- Adressbuch der Hoflieferanten im Königreiche Sachsen, Verlag des Hoflieferanten-Adressbuches Dresden, Dresden 1905.
- Verschiedene Ausgaben und Jahrgänge vom Adressbuch der Stadt Meißen.
- Mario Kliewer: Geschmacksgiganten, Sächsische Hoflieferanten für exquisite Nahrungsmittel um 1900, Jan Thorbecke Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern, 2015, ISBN 978-3-7995-0990-9.
- Reiner Graff: Die ehemaligen Königlich Sächsischen Hoflieferanten aus Meißen, Vortrag vom 4. April 2019 im Krematorium Meißen, Eigenverlag, 2019.
Einzelnachweise
- ↑ Mario Kliewer: Geschmacksgiganten, Sächsische Hoflieferanten für exquisite Nahrungsmittel um 1900, Jan Thorbecke Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern, 2015, S. 217 bis 251, ISBN 978-3-7995-0990-9.
- ↑ Adressbuch der Hoflieferanten im Königreiche Sachsen. Verlag des Hoflieferanten-Adressbuches Dresden, Dresden 1905, S. 5 bis 6 und 69 bis 90.
- ↑ Reiner Graff: Die ehemaligen Königlich Sächsischen Hoflieferanten aus Meißen, Vortrag vom 4. April 2019 im Krematorium Meißen, Eigenverlag, 2019, S. 2 bis 7 und 9 bis 11.
- ↑ Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, betreffende Akten des Oberhofmarschallamts zu Meißner Hoflieferanten. Loc. 25 Nr. 38, Band 35 von 1918. Loc 25 Nr. 13, Vol. XVI. von 1899. Loc. 25 Nr. 21, Vol. XXIV. von 1906. Loc. 25 Nr. 18, Vol. XXII. von 1904. Loc. 25 Nr. 28, Vol. XXVII. von 1908.