Meißner Abzählreime
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Zu den ältesten Kinderspielen gehören auch die Meißner Abzählreime. Abzählreime konnte und kann man auf den Meißner Höfen und in den engen Gassen immer wieder hören. Einige der Reime sind dabei schon uralt und können heute noch immer von den Großeltern erzählt werden. Darunter sind viele Abzählreime, die vom Kindermund geformt und auch immer wieder neu gebildet wurden. Die einzelnen Reime passen sich dabei inhaltlich den zeitlichen Situationen an.
Es gibt einige Kinderspiele, die sind ohne „Abzählen“ oder „Auswählen“ der Teilnehmer gar nicht möglich und damit nicht spielbar. Die Auswahl vor dem eigentlichen Spiel findet dann durch „Auszählen“ und unter der Anwendung von recht scharf gegliederten Reimen statt. Dabei ergeben sich schon allein durch den bunten Inhalt der Reime recht lustige Wortspiele. Meist sind die Abzählreime einfach geformt und können durchaus recht drastisch ausfallen.
Abzählpraxis
Die am jeweiligen Spiel teilnehmenden Kinder stellen sich zunächst im Kreis auf. Der vorher bestimmte „Abzähler“ steht in der Mitte und spricht den Abzählreim laut in die Runde. Dabei zeigt er abwechselnd mit dem Finger auf die Kinder als würde er sie abzählen. Das ausgeloste Spielamt muss nun das Kind übernehmen bei dem der Reim zu Ende ist.
Meißner Abzählreime (Beispiele)
- „Eins zwei drei vier fünf, strick mir ein Paar Strümpf. Nicht zu groß und nicht zu klein, sonst musst du der Hasch-Mann sein.“
- „Uhre eins, Uhre zwein. Muss ich in der Schule sein. Komm ich nicht zur rechten Zeit. Liegt der Stock für mich bereit.“
- „Eins, zwei, drei, vier. Auf dem Klavier, steht ein Glas Bier. Wer davon trinkt, der – stinkt!“
- „Ich und du, Müllers Kuh. Bäckers Esel, der bist du.“
- „Eins, zwei, drei, Butter in den Brei. Salz auf den Speck. Und du musst weg.“
- „Sechs mal sechs ist sechsunddreißig. Ist die Frau auch noch so fleißig, und der Mann ist liederlich, taugt die ganze Wirtschaft nich!“
- „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, eine Bauersfrau kocht Rüben. Eine Bauersfrau kocht Speck, und Du musst weg.“
- „Docktor Bär schickt mich her, ob der Kaffee fertig wär. Nein, mein Kind, du musst noch warten. Geh so lange in den Garten.“
- „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, komm wir wollen Kegel schieben. Kegel um Kegel um. Böttcher, Böttcher, bumm, bumm, bumm. Böttchern seine faule Grete, saß auf einem Baum und nähte. Fiel herab, fiel herab und das linke Bein brach ab. Kommt der Schneider Hampelmann, klebt das Bein mit Spucke an. Wieder gut, wieder gut. Kriegst auch einen Zuckerhut.“
- „Kaiser, König, Edelmann. Bürger, Bauer, Bettelmann. Schuster, Schneider, Leineweber. Doktor, Kaufmann, Totengräber.“
- „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, Vater tut das Mehl verschieben. Butter, Eier, Mehl und Speck. Eins, zwei, drei und du bist weg.“
- „Minne, minne Mopel, wer frisst Popel? Minne, minne Mist und du bist!“
- „Rudel, nudel, Leiersack, morschen is e Feiertag, übermorschen widder eener, dann de ganze Woche keener.“[1][2]
Literatur
- Otto Schettler: Spiele für Mädchen von 8-14 Lebensjahren, Verlag von A. Hohmann, Plauen i.V., 1872.
- Wilhelm Krause: Hinaus zum Spiel, Verlag der Plahn’schen Buchhandlung, Berlin, 1893.
- Zeitschrift Der sächsische Erzähler, 81. Jahrgang, Nr. 83, 10. April 1926.