Lernen und Leben an der Fürstenschule im Jahre 1929

Die Fürsten- und Landesschule um 1930.
Im Cönakel gab es Tischgemeinschaften.

Das Lernen und Leben an der Fürstenschule im Jahre 1929, war, neben dem normalen Schulbetrieb auch von der Tausendjahrfeier der Stadt Meißen geprägt. Es gab an der Fürstenschule in dieser Zeit auch einige Veränderungen, welche direkte Auswirkungen auf die Schulgemeinschaft hatten.

Die Quarta als Vorklasse

Nach den Osterfeiertagen 1929 hatte man in der Fürstenschule eine „Quarta“ (7. Klase) als Vorklasse eingerichtet, die nun auch leistungsstarke Quintaner (6. Klasse) aus den höheren Schulen Sachsens, ob mit oder ohne Kenntnisse in Latein, aufnahm. Diese Schüler konnten in der eingerichteten Quarta ihre Grundkenntnisse in Latein erwerben oder auch weiter festigen. Sie konnten damit den Anschluss an den traditionellen humanistischen Lehrplan ab Untertertia erreichen. Mit der Umgestaltung hatte die Fürstenschule wieder eine Zukunft als humanistisches Gymnasium. Zeitgleich wurde sie auch wieder zur „Landesschule“.

Lernen und Leben an der Fürstenschule

Im Jahre 1929 gab es an der Fürstenschule insgesamt 140 Stellen. Davon waren 105 Stellen sogenannte Freistellen. Von den 105 Freistellen wurden 40 Stellen vom Staat, 18 von adligen Familien, 45 von Städten und 2 von Rittergütern vergeben. Die restlichen 35 Stellen wurden als „Koststellen“ bezeichnet für die Schulgeld zu zahlen war. Um 1929 betrug das jährliche Schulgeld 320 bis 390 Reichsmark.

Die Schulgemeinschaft der Fürstenschule wohnte 1929 in zehn Stuben. In jeder Stube waren zwei Tischgemeinschaften untergebracht. Die Tischgemeinschaften wurden dabei auf freiwilliger Grundlage gebildet: Der „Obere“ eines jeden Tisches wirbt, die „Unteren“ jedoch bewerben sich. Schüler welche neu eingetreten waren wurden allerdings einer Tischgemeinschaft zugeordnet. In den Stuben- und Tischgemeinschaften herrschte eine strenge und hierarchische Ordnung mit Pflichten und Rechten. Damit sollte den Afranern die frühzeitige Entwicklung von Führungseigenschaften und Gemeinschaftssinn vermittelt werden. Diese Art der Schüler-Selbstverwaltung wurde durch die Tisch- und Stubengemeinschaften und einen Schüler-Inspektorenwesen getragen. Die Schüler-Inspektoren wurden dabei von der Oberprima und der Unterprima vorgeschlagen und um die Weihnachtszeit vom Lehrerkollegium für ein Jahr bestätigt.

Winde-Inspektoren und Famuli

Im Jahre 1929 gibt es an der Fürstenschule 12 bis 15 Inspektoren, welche auch über eine gewisse Strafgewalt verfügten. Es handelte sich dabei beispielsweise um die Haus-, Zwinger-, Schlafsaal-, Burg-, Turn-, Tanz-, Reise-, und Winde-Inspektoren. Die sogenannten Winde-Inspektoren hatten beim Schulfest der Fürsten- und Landesschule St. Afra eine besondere Aufgabe. Sie hatten das Winden und Aufziehen der Girlanden („Die Wurst“) selbstständig zu organisieren und zu überwachen.[1] Der Burginspektor war dagegen für die Aufsicht in der „Krankenburg“, der Krankenstube, verantwortlich und war in der Krankenpflege ausgebildet.

Zudem wurde die Lehrerschaft durch die „Famuli“ unterstützt. Die Famuli waren fachlich gute Schüler, welche bestimmte Pflichten hatten, aber auch einige Sondervollmachten besaßen. Die Fürstenschüler oder auch „Afraner“ genannt, waren im Stadtbild an ihren dunkelgrünen Schülermützen zu erkennen.[2]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Bernhard Hausen: Von Afranischen Festen. In. Der Meißner Weihnachtsmann, Fritz Pfeiffer Verlag der Truhe Meißen 1933, S. 33 bis 41.
  2. Günter Naumann: Meißner Geschichte in Daten 929-1993. Kreissparkasse Meißen, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 1993, S. 186-187.