Leopold Fischer


Leopold Fischer (1878-1942) war ein Meißner Kaufmann und betrieb ab 1906 ein Pfandleih- und Altwarengeschäft in der Altstadt von Meißen. Das Pfandleihgeschäft Fischer befand sich an der Görnischen Gasse. Zunächst befindet sich sein Geschäft noch im Haus Görnische Gasse Nr. 39. Um 1911 zieht der Kaufmann mit seiner Gattin Hannchen Fischer in das Haus Görnische Gasse Nr. 2 um. Auch an dieser Adresse ist er als Altwarenhändler und Pfandleiher tätig.
Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme begann auch in Meißen die Entrechtung der jüdischen Bevölkerung. Öffentlich wurde zum Boykott jüdischer Geschäfte aufgerufen und es kam bereits zu massiven Übergriffen. So wurden auch am Altwarengeschäft von L. Fischer die Schaufensterscheiben mit Hetzschriften gegen Juden beklebt und die Familie wurde beleidigt und diskriminiert.
Am 18. Dezember 1936 wurden Leopold Fischer und sein Sohn Ludwig Fischer (später Lawrence Fisher) grundlos verhaftet. Während man Ludwig Fischer im Rathaus einsperrt, wird der Vater Leopold Fischer in das Gefängnis auf dem Domplatz verschleppt und dort inhaftiert. Seine Gattin Hannchen Fischer wird angesichts der anhaltenden nationalsozialistischen Repressalien am 16. Dezember 1936 in den Suizid getrieben. Dem Sohn Ludwig Fischer gelingt noch im Januar 1939 die Flucht in die USA.[1][2]
Im Meißner Adressbuch aus dem Jahre 1939 ist zudem belegbar, dass man jüdische Einwohner der Stadt Meißen nicht mehr im Kapitel „Einwohnerverzeichnis“ aufgeführt hatte. Die jüdischen Einwohner wurden abgesondert und besonders gekennzeichnet auf der letzten Seite aufgelistet.[3] In diesem Adressbuch wird die Familie Leopold Fischer schon nicht mehr benannt und auch die Altwarenhandlung gibt es nicht mehr. Die Hausbesitzer-Spalte im Adressbuch von 1939 ist leer.[4]
Ludwig Fischer wurde nach seiner Festnahme unfreiwillig nach Dresden gebracht und dort weiter festgehalten. Im Jahre 1942 wird er nach Riga deportiert und im Ghetto Riga ermordet.
Gedenken
Vor dem Grundstück Görnische Gasse Nr. 2 befinden sich seit 2024 drei Stolpersteine für Leopold Fischer, Hannchen Fischer und Ludwig Fischer. Die Gedenksteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus (NS-Zeit) verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.
Literatur
- Gerhard Steinecke: Unser Meißen – 1929-2004. Meißner Tageblatt, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 2004, ISBN 978-3-929705-09-6.
Einzelnachweise
- ↑ Nach Auszügen aus einem Brief von Lawrence Fisher vom 23. September 2000 an den Autor Gerhard Steinecke.
- ↑ Gerhard Steinecke: Unser Meißen – 1929-2004. Meißner Tageblatt, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 2004, ISBN 978-3-929705-09-6, S. 58.
- ↑ Vergleiche dazu Adressbuch Meißen-Stadt, Ausgabe 1939, Einwohnerverzeichnis, S. 588.
- ↑ Adressbuch Meißen-Stadt, Ausgabe 1939, Häuserbuch S. 200.