Johanneskirche
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Die Johanneskirche ist eine Pfarrkirche der ev.- luth. Johannesgemeinde in Cölln, mit Vorbrücke, Niederspaar, Oberspaar, Niederfähre und Zaschendorf. Die Kirche wurde im neugotischen Stil und in Anlehnung an die Frühgotik nach dem Entwurf des Architekten Theodor Quentin aus Pirna errichtet. Ausgeführt wurde der Bau vom Architekten Hans Klinke aus Cölln. Die Orgel stammt von der Dresdner Orgelbaufirma „Gebrüder Jehmlich“ und besitzt ein neugotisches Prospekt. Das erste Läuten der alten Glocken im neuen Kirchturm war am 23. September 1897. Die Johanneskirche wurde am 24. Oktober 1898 geweiht.[1]
Geschichte
Am 17. Juni 1895 erfolgte der erste Spatenstich zum Bau der heutigen einschiffigen, gewölbten Basilika mit Querhaus. Die Grundsteinlegung war am 26. September 1895 und die Hebefeier konnte schon ein Jahr später (1896) stattfinden. Die Vollendung des Kirchturms mit dem Aufsetzen der Kreuzblume (ca. 4000 kg) war am 2. Juli 1897. Der Turm mit Spitzhelm hat eine Höhe von 64,5 Meter. Die Gliederung des Baukörpers wurde nach außen hin durch die Verwendung verschiedener Baustoffe akzentuiert. Es wurde vorwiegend Meißner Granit, Postelwitzer- und Cottaer Sandstein verwendet. Mit dem Bau der Johanneskirche ist auch der unmittelbar an der Kirche gelegene Johannespark gestaltet worden. Zum Außenbereich der Gartenanlagen gehört ebenfalls das Tor vom Alten Johannesfriedhof an der Johannesstraße.
Der Kirchenbau
Der Name Johanneskirche geht auf das Gleichnis des Johannes-Evangeliums vom Weinstock und den Reben zurück („Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben.“). Der Weinbau ist ebenfalls das Hauptmotiv für den Schmuck der Kirche. Es gibt damit einen direkten Bezug auf die Weinbaugemeinde Cölln. Zudem sollte der Kirchenbau auch einen Bezug zur keramischen Industrie haben, denn in der Zeit vom Bau der Kirche bestand in Cölln bereits eine ausgeprägte, blühende und auch höchsten Kunstansprüchen gerecht werdende keramische Industrie.
Dachreiter, Meininger Schiefer und Blitzableiter
Ursprünglich gab es einmal auf dem östlichen Dachrande über dem Altarraum ein vergoldetes schmiedeeisernes Kreuz, welches mit einem Blätterwerk in Kupfer getrieben umgeben war. Zudem erhob sich in der Mitte des Kirchenschiffs ein schlanker hölzerner Dachreiter mit Wetterhahn, der sehr dekorativ war jedoch heute nicht mehr vorhanden ist. Das Dach selbst war einst mit „Meininger Schiefer“ bedeckt und der graue Untergrund wurde dabei von einem matt-farbigen Muster angenehm unterbrochen. Auf alten Fotos ist diese zusätzliche Dachdekoration noch erlebbar.
Ein Blitzableiter-System umspannte bereits nach Fertigstellung der Johanneskirche das gesamte Bauwerk und war über die Cöllner Wasserleitung geerdet. Dabei war die Kreuzblume vom Turm mit einer doppelten Leitung versehen. Eine Leitung verlief außen hinab und die andere verlief im Inneren an der 16 m langen Ankerstange der Kreuzblume. Der gesamte Glockenstuhl und sämtliche Dachrinnen waren vor Blitzschlag gesichert. Die Wasserleitung war dazu bis zur zweiten Galerie des Turmes emporgeführt und konnte bei Feuergefahr den gesamten Dachstuhl unter Wasser setzen.[2]
Innenausbau
Im Kirchenschiff gibt es 544 und auf den Emporen 286 Sitzplätze. Von allen Sitzplätzen sind Kanzel und Altar einsehbar. Durch das Fehlen eines Chores wurde der Altarplatz ein Teil der eindrucksvollen Halle und hebt sich vom Triumphbogen ab. Es handelt sich am Triumphbogen zwischen Kirchenschiff und Chorraum um ein Fresko-Gemälde von Sascha Schneider (1870-1927), welcher in Meißen ein Atelier hatte. Das Gemälde wurde am 27. August 1899 vollendet und stellt das Jüngste Gericht dar. Das Fresko-Gemälde erregte allerdings wegen seiner für die damalige Zeit modernen Auffassung, beträchtliches Aufsehen. Der Entwurf musste von S. Schneider auf Verlangen des Kirchenvorstandes mehrfach verändert werden. Beispielsweise wurde damals die weitgehende Verhüllung der menschlichen Körper gefordert.[3] Daher kam es auch zu Verzögerungen und die Weihe des Triumphbogens erfolgte erst am 27. August 1899, nachdem am 25. August 1899 die Vertreter von Kirche und Behörden die Malereien abgenommen hatten.[4]
Meißner Keramik
Meißner Keramik prägt ebenfalls den Kirchenbau. Das beeindruckende Fliesenbild im Tympanon des Westportals sowie der Altar und die Kanzel belegen noch heute die künstlerische und technische Leistungsfähigkeit der einstigen Cöllner-Keramik-Industrie. Es handelt sich um beeindruckende Exponate der Baukeramik, der Zierkeramik und der Wandfliesenbranche. Die Entwurfszeichnungen zum Altar und Kanzel stammen ebenfalls von Theodor Quentin. Dabei wurde der Altar mit dem Altarbild und der Kreuzigungsgruppe in der „Sächsischen Ofen- und Chamottewarenfabrik vorm. Ernst Teichert“ (SOMAG) hergestellt. Der Altar besteht vollständig aus schwach gelblichem Steingut. Die Kanzel wurde von der Familie Teichert und Hönicke aus Cölln bzw. Zaschendorf gestiftet. Die keramische Steingut-Verkleidung der Kanzel hatte man in der Ernst Teichert-Ofenfabrik hergestellt und später mit Aufglasurfarben und Majolikafarben gestaltet. Im Jahre 1926 war am 31. Oktober die Weihe der neuen fünf Glocken für die Johanneskirche, welche in der Glockenbaufirma „Pietzel & Co.“ in Dresden gegossen wurden.[5]
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Die Johanneskirche um 1901.
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Werbeanzeige der Firma F. W. Grosse aus Meißen um 1900.
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Der Altar aus Keramik.
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Werbeanzeige vom Turmuhrenbauer O. Fischer aus Meißen um 1903.
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Die Kanzel aus Keramik.
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Die Johanneskirche um 1912.
Fresko „Triumph des Kreuzes im Weltgericht“
Im Oktober 1898 war der Triumphbogen zunächst noch eine große leere Fläche und es fehlte das Fresco von S. Schneider. Die Kartons zum Gemälde standen damals jedoch kurz vor der Vollendung. Sascha Schneider weilte in dieser Zeit in Florenz und es war geplant, dass die Arbeiten am Fresko erst im Sommer 1899 beginnen sollten.[6]
Der dem Betrachter am meisten ins Auge fallende innere Kirchenteil ist heute das einst aus dem Mitteln des Sächsischen Kunstfond vom Königlichen Ministerium des Innern gestiftete Freskogemälde am Triumphbogen. Es handelt sich um ein Werk von Sascha Schneider, welches über die kirchlichen Kreise hinaus bekannt geworden ist. Der vor einem leuchtenden Kreuz mit zur Seite erhobenen Armen stehende Jesus wird hier nicht als Leidender oder gar Sterbender, sondern als Lebendiger, als Erhöhter und als gnädiger Heiland dargestellt. Das Bild ist dabei ganz im Sinne des Johannesevangeliums eine Auslegung des Spruches, der darüber mit goldener Schrift in die Kirche leuchtet:
„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“
Das Gemälde stellt somit weniger das Endgericht, als das zu allen Zeiten gegenwärtige, vor dem Kreuze Christi durch die eigene Stellung der Menschen vollzogene Weltgericht dar. Man sieht links vom Betrachter, rechts vom Herrn, wie die Gläubigen aus den Gräbern auferstehen und von einem leichten Lufthauch in die Höhe getragen werden. Dort werden sie jubilierend von festlich geschmückten Engeln empfangen. Rechts vom Betrachter und links vom Herrn, sind die Ungläubigen dargestellt, von denen sich noch einige wehren. Sie werden jedoch von den aus der Offenbarung bekannten Vorläufern des Endgerichts, Tod, Krieg, Pest und Hunger, von Jesus fort, in die Tiefe hinabgestürzt.
Durch das nach der Mitte immer dunklere Himmelblau, lässt die Gestalt von Jesus noch zusätzlich plastisch hervortreten. Ein auf der Wölbung unterhalb vom Gemälde aufgemaltes goldenes Sternennetz gibt eine hervorragende Überleitung vom Triumphbogen zum Altarplatz. Das gesamte Bild wirkt trotz seiner Größe nicht als erdrückendes Gemälde, es fügt sich eher in die schöne Harmonie des Ganzen ein. Die Gesamtwirkung wird an den Seiten noch zusätzlich durch die beiden in Zementguss ausgeführten Reliefs, ebenfalls von Sascha Schneider, verstärkt. Beide Reliefs bilden dabei die Basis des Triumphbogens. Dargestellt sind Szenen aus der Offenbarung Johannes. Es sind Engel, welche das lichtumflossene Lamm anbeten. Die beiden Reliefs wurden im Jahre 1950 durch den Schneider-Schüler Emil Paul Börner restauriert. Eine weitere Restaurierung erfolgte 1986.[7]
Die Jehmlich-Orgel
Das Orgelwerk stammt von der Firma „Dresdner Hoforgelbauer Gebrüder Jehmlich“ und war das erste Werk der Firma nach ihrem Umzug nach Dresden. Außer dem Portal enthielt die Orgel ein doppeltes Manual, 31 klingende Stimmen sowie Crescendo- und Decrescendo-Schweller. Die Orgel wurde noch um 1900 statt von einen Balkentreter, von einen Wasserkraft-Motor in Bewegung gesetzt, welchen die Cöllner Wasserleitung betrieb. Der Wind konnte aber auch jederzeit mit Menschenkraft zugeführt werden. Das äußerst dekorativ gestaltete Holzgehäuse, welches noch immer erlebbar ist, war eine Arbeit vom Meißner Holzbildhauer F. W. Grosse aus dem Triebischtal am Bismarckplatz Nr. 5. Aus dessen Werkstatt stammt auch die Bekrönung der Orgel mit den drei Engelgestalten und die prächtigen Intarsien-Arbeiten. Die seitlichen Figuren stellen zwei posaunende Engel dar und in der Mitte befindet sich ein singender Engel, der eine Spruchrolle mit der Inschrift „gloria in excelsis“ in den Händen hält.[8]
Uhrenanlage und Glocken
Der Raum mit der Uhrenanlage im Turm hatte die Inschrift „Zeit ist Gnade“. Das Uhrwerk wurde vom Meißner Großuhrenmacher Fischer (Otto Fischer, Thurmuhrenbau und Schlosserei, Theaterplatz Nr. 9) hergestellt. Ursprünglich waren die Zifferblätter in dunkelblauer Farbe mit goldenen Ziffern ausgeführt. Das Uhrwerk wird noch heute per Hand aufgezogen und läuft dann ca. 30 Stunden. Früher gab die Uhr in Doppelschlag der kleinen und mittleren Glocke, die Viertelstunden und im tiefen Schlag mit der großen Glocke die vollen Stunden an.[9] Heute ist das Schlagwerk nicht mehr vorhanden.
Es gab einst drei Glocken in der Glockenstube. Alle kamen von der Urbanskirche und wurden bereits während der Bauarbeiten zur Johanneskirche überführt. Es handelte sich um ein Des-Dur-Geläut, gegossen in der Glockengießerei Bierling aus Dresden. Die Urbanskirche besitzt seitdem keine Glocken. Das erste Läuten der Glocken in der Johanneskirche fand am 24. September 1897 statt. Das Geläut fiel später dem Ersten Weltkrieg zum Opfer und wurde erneuert. Das zweite Geläut kam am 31. Oktober 1926 in den Kirchturm und bestand aus fünf Glocken. Gegossen wurden die Glocken bei der Firma Pietzel & Co. aus Dresden.[10] Dieses Geläut fiel bald darauf dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer.
Erst 1955 bekam die Johanneskirche ein neues Geläut. Es handelte sich dabei um ein Geläut aus vier Eisenhartgussglocken, gegossen von der Glockengießerei Schilling & Lattermann in Morgenröthe-Rautenkranz. Es befindet sich noch heute in der Glockenstube. Beim Läuten der Glocken 1, 2 und 3 erklingt ein „e-Moll-Akkord“. Beim Läuten der Glocken 1, 2 und 4 erklingt „C-Dur“. Das volle Geläut ergibt den spannungsvollen Klang mit einem auf dem „e“ aufgebauten „C-Dur-Septakkord.[11]
Nach einer rund zehnjährigen Sanierung und Restaurierung der Fresken, der Orgel sowie der Außenanlagen konnte der Kirchenbau im Oktober 2023 wiedereröffnet werden. Aus Anlass der Wiedereröffnung hatte man eine Festwoche veranstaltet und es wurde die Festschrift 125 Jahre Johanneskirche Meißen-Cölln von der Ev-Luth. Johanneskirchgemeinde Meißen-Cölln herausgegeben.
Literatur
- Festschrift: Die neue Johanneskirche in Cölln an der Elbe – Festschrift zum 24. Oktober 1898, Selbstverlag des Kirchenvorstandes, 1898.
- Gerhard Hickmann: Johannes-Gemeinde. In: Meissen und seine Kirchen, Verlag von Arwed Strauch Leipzig, ohne Jahr.
- Rolf Günther, Klaus Hoffmann: Sascha Schneider & Karl May. Eine Künstlerfreundschaft., Schriftenreihe des Karl-May-Museums, Nr. 1, Karl-May-Stiftung Radebeul (Herausgeber), 1989.
- Günter Naumann: Meißner Geschichte in Daten 929-1993. Kreissparkasse Meißen, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 1993.
- Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5.
- Karl May: Briefwechsel mit Sascha Schneider, Band 93, Karl May Verlag Bamberg-Radebeul, 2009.
- Verschiedene Autoren: Festschrift 125 Jahre Johanneskirche Meißen-Cölln, Ev-Luth. Johanneskirchgemeinde Meißen-Cölln (Herausgeber), 2023.
Einzelnachweise
- ↑ Günter Naumann: Meißner Geschichte in Daten 929-1993. Kreissparkasse Meißen, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 1993, S. 152 und 183.
- ↑ Festschrift: Die neue Johanneskirche in Cölln an der Elbe – Festschrift zum 24. Oktober 1898, Selbstverlag des Kirchenvorstandes, 1898, S. 12 bis 14.
- ↑ Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5, S. 148.
- ↑ Vergleiche dazu Meldungen im Meißner Tageblatt vom 26. August 1899 und vom 17. September 1899.
- ↑ Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5, S. 146 bis 149.
- ↑ Festschrift: Die neue Johanneskirche in Cölln an der Elbe – Festschrift zum 24. Oktober 1898, Selbstverlag des Kirchenvorstandes, 1898, S. 23.
- ↑ Rolf Günther, Klaus Hoffmann: Sascha Schneider & Karl May. Eine Künstlerfreundschaft., Schriftenreihe des Karl-May-Museums, Nr. 1, Karl-May-Stiftung Radebeul (Herausgeber), 1989, S. 15.
- ↑ Festschrift: Die neue Johanneskirche in Cölln an der Elbe – Festschrift zum 24. Oktober 1898, Selbstverlag des Kirchenvorstandes, 1898, S. 16.
- ↑ Festschrift: Die neue Johanneskirche in Cölln an der Elbe – Festschrift zum 24. Oktober 1898, Selbstverlag des Kirchenvorstandes, 1898, S. 12.
- ↑ Günter Naumann: Meißner Geschichte in Daten 929-1993. Kreissparkasse Meißen, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 1993, S. 183.
- ↑ Verschiedene Autoren: Festschrift 125 Jahre Johanneskirche Meißen-Cölln, Ev-Luth. Johanneskirchgemeinde Meißen-Cölln (Herausgeber), 2023, Kapitel „Uhrwerk und Glocken“, S. 54, 55.