Jüdisches Meißen – Jüdischer Friedhof

Jüdische Friedhöfe sind auf Ewigkeit angelegte heilige Orte der Identität und des kollektiven Gedächtnisses. Grabsteine mit hebräischen Inschriften halten als steinerne Zeugen das Andenken an die Verstorbenen wach. Der Besuch von Gräbern bedeutender Rabbiner oder Vorfahren sind ein fester Bestandteil des rituellen Gedenkens im Judentum. Der „Judenkirchhof“ im Jahnhallen-Areal war von vier Gräben umgeben. Wo genau die Bestattungen lagen, ist nicht bekannt. Zwar wurde 1951 das Skelett eines Mädchens geborgen, doch fehlt bei diesem archäologischen Fund noch eine sichere Datierung.

1349 gelangte der Jüdenberg als Viehweihe an den Rat der Stadt Meißen. Die Grabsteine wurden abtransportiert und als Baumaterial in Mauern, Kellern und Gebäuden zweckentfremdet. Seit den 1990er Jahren wurden elf lesbare Fragmente wiederentdeckt. Diese einzigartigen archäologischen Zeugnisse bieten wertvolle Einblicke in das jüdische Leben weit vor dessen erster Erwähnung in christlichen Urkunden.

Ein Grabstein, heute in der Marienhofstraße 1a, erinnert an Mose, Sohn des Mose, und stammt aus dem Jahr 1232. Es handelt sich um die älteste bekannte jüdische Inschrift in Sachsen. Ein Grabstein vermutlich vom Meißner Jüdenberg wurde im Kloster Altzella verbaut. Laut Inschrift ist er einem Sohn des Isaak gewidmet, der 1274 starb.