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Porzellan-Wandbild an der Fassade der Porzellanmanufaktur Meißen.
Porzellan-Wandbild im Bahnhof Dresden-Neustadt.Entwurf: Heinz Werner und Horst Bretschneider.

Heinz Werner (* 27. August 1928 in Coswig; † 18. September 2019 ebenda) war ein Grafiker, Porzellanmaler, Manufakturist und Porzellankünstler an der Porzellanmanufaktur Meißen. Seine umfangreichen Werke werden immer wieder von heiteren Szenen unterstrichen.

Heinz Werner besaß das Vergnügen am Phantasieren und die Lust am Fabulieren. Er beherrschte sämtliche künstlerischen Techniken und er entwarf rund 100 moderne Meißen-Dekore. Darunter befinden sich beispielsweise die sehr beliebten Dekore „1001 Nacht“, „Sommernachtstraum“, „Blaue Orchidee auf Ast“ und „Jägerlatein“.

Leben und Werk

Heinz Werner wurde 1928 als einziges Kind des kaufmännischen Angestellten Willy Werner und seiner Ehefrau Gertrud in Coswig bei Meißen geboren. Die ersten malerischen Versuche machte er wie jedes Kind bereits vor dem Schulbesuch. Die Volksschule besucht H. Werner von 1935-1943. Er besucht ab 1943 die Zeichenschule der Porzellanmanufaktur Meißen. Gleichzeitig beginnt er an der Manufaktur im Triebischtal eine Ausbildung zum Keramikmaler. Im Jahre 1948 schließt er seine Lehre mit dem Prädikat „Sehr gut“ ab und spezialisiert sich zum Vogel- und Wildmaler. Ab 1951 absolviert er zudem eine Qualifikation zum Lehrausbilder. In dieser Zeit beginnt auch seine Mitarbeit in einer Gruppe von Malern der Manufaktur, welche mit der Dekoration eines Porzellan-Wandbildes von Max Linger für Berlin am „Haus der Ministerien“ beschäftigt sind.

1953 heiratet H. Werner und 1956 wird sein Sohn Klaus geboren. Seine Berufung zum Dekorgestalter an der Manufaktur Meißen erfolgte 1957. Zusammen mit Ludwig Zepner und Peter Strang gründet er an der Manufaktur die Abteilung „Kollektiv Künstlerische Entwicklung“. Bereits 1958 wird H. Werner erstmals eigene Porzellanarbeiten auf der Leipziger Messe präsentieren. In dieser Zeit entwirft er das Servicedekor „Wildmalerei“. In der Zeit von 1959 bis 1962 ist er Gasthörer an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Zeitgleich ist er aber auch sehr schaffensreich und entwirft weitere Dekore für die Meißner Manufaktur. Von 1967 bis 1971 nimmt er ein Fernstudium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden im Fach Tafelmalerei bei Rudolf Bergander (1909-1970) und Jutta Damme (1929-2002) auf. 1971 bekommt er den Abschluss als Diplom-Maler und entwirft erneut einige Dekore für die Porzellanmanufaktur.

Ab 1970 widmet sich H. Werner nun auch der architektonischen Wandgestaltung aus Meißner Porzellan und bald wird er in Fachkreisen als „Nestor des modernen Meißner Wandbildes“ bezeichnet. Beispielsweise schuf er für das Hochzeitszimmer im neuen Rathaus der Stadt Coswig (Sachsen) eine dreiteilige Bildwand „Schwebendes Hochzeitspaar“ mit märchenhaften Szenen aus dem Morgenland und dem Schloss Moritzburg bei Dresden. Außerdem wird er später am Ende der 1990er Jahren an den Entwürfen zur riesigen Porzellan-Bildwand „Sachsens schönste Schlösser, Burgen und Gärten“ im Bahnhof Dresden-Neustadt beteiligt sein. Das Porzellanbild hat eine Gesamtfläche von 90 m² und entstand gemeinsam mit dem Porzellankünstler Horst Bretschneider.[1]

Ab dem 5. Januar 1979 hatte man H. Werner die Lehrbefähigung auf dem Gebiet der Dekorgestaltung für Gefäße an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung in Halle-Burg Giebichenstein zugesprochen und ab 1981 wurde er dort zum Honorarprofessor ernannt. Es folgen mehrere Dekor-Entwürfe und er unternimmt einige Studienreisen in das Ausland, welche ihn dabei bis nach Honkong führen. Am 1. April 1993 konnte H. Werner sein fünfzigjähriges Betriebsjubiläum an der Porzellanmanufaktur Meißen feiern.[2][3]

In seiner Freizeit ist er gern als Maler und Zeichner tätig. Mit großer Vorliebe malte er Aquarelle oder zeichnete mit Kreide, Bleistift und Tusche. Noch bis 1990 war H. Werner ein Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR und später des Künstlerbunds Dresden.

Heinz Werner verstarb im Jahre 2019 nach einem schaffensreichen Leben im Alter von 91 Jahren in Coswig.

Studienreisen

  • 1958: Moskau.
  • 1968: Studienreisen in die Sowjetunion und nach Finnland.
  • 1972: Studienreise nach Frankreich.
  • 1975: Studienreise nach Japan.
  • 1976 und 1977: Ungarn.
  • 1980: Studienreisen nach Indien und Japan.
  • 1981: Studienreise in die Schweiz.
  • 1984 und 1985: Reisen nach Japan.
  • 1985/1986/1987: Reisen in die Schweiz.
  • 1988: Studienreisen nach Österreich und der Schweiz.
  • 1990: Studienreise nach Hongkong.
  • 1991: Studienreisen nach Frankreich und Italien.
  • 1992: Studienreise nach Teneriffa.

Werke (Auszug)

  • Entwurf des Servicedekors Wildmalerei, 1958.
  • Wandbild Dame mit Hut, aus Handformschnittplatten, Unterglasur- und Lösungsfarben, 1958.
  • Entwurf des Servicedekors Wickenmuster, 1960.
  • Entwurf der Dekore Blühende Bäume und Blaue Rose, 1963.
  • Entwurf des Dekors Münchhausen, 1964.
  • Entwurf des Dekors 1001 Nacht (grafische Fassung), 1966.
  • Entwurf des Dekors Sommernachtstraum, 1969.
  • Entwurf des Dekors Platinwild, 1970.
  • Entwurf der Dekore Wasserwild, Jagdmalerei und Jägerlatein, 1973.
  • Entwurf des Dekors Mandelbäumchen, 1975.
  • Zwei Wandbilder aus Meißner Porzellan, Trinkende Tiere und Musizierende Tiere, 1975.
  • Entwurf der Dekore Windblume und Floral, 1982.[4]

Viele Arbeiten Werners befinden sich heute in bedeutenden Kunstsammlungen und Museen in Deutschland, Japan und den USA.

Beteiligung an Ausstellungen (Auszug)

  • Heinz Werner war von 1967 bis 1988 auf allen Deutschen Kunstausstellungen bzw. Kunstausstellungen der DDR in Dresden vertreten.
  • 1976: Meissen heute. Arbeiten des Künstlerkollektivs Ludwig Zepner, Peter Strang, Heinz Werner, Rudi Stolle und Volkmar Bretschneider. Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum.
  • 1980: Meissener Porzellan vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ausstellungen in Japan in den Städten Tokyo, Kyoto, Yokohama.
  • 1982: Johann Friedrich Böttger zu Ehren. Meissen – Frühzeit und Gegenwart. Das älteste aus Meissen. Das Neueste aus Meissen. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Porzellansammlung im Zwinger, Albertinum.
  • 1982/1983: Meissener Porzellan von 1710 bis zur Gegenwart Wien, Österreichisches Museum für angewandte Kunst. 1983 gibt es die Ausstellung auch in Köln.
  • 1984: Neues aus Meissen – der ältesten Porzellan-Manufaktur in Europa. Eine Ausstellung der Deutschen Demokratischen Republik. Ausstellung in Japan in den Städten Tokyo, Kobe, Matsuyama, Hiroshima, Kurosaki und Funabashi.
  • 1985: Personalausstellung mit dem japanischen Maler Yasuhiro Suita in Tokyo, Japan.
  • 1987: Meissen heute. Atelierkunst, Fellbach, Baden-Württemberg, BRD.
  • 1990: Personalausstellung in Honkong.
  • 1992: Meissener Konturen 1960 – 1990, Keramion, Ferchen bei Köln.

Ehrungen

  • 1965 und 1967: Kunstpreis des DTSB der DDR (gemeinsam im Kollektiv).
  • 1973: Kunstpreis der DDR (gemeinsam mit Rudi Stolle, Peter Strang und Ludwig Zepner).
  • 1975: Nationalpreis der DDR (gemeinsam im Kollektiv).
  • 1977: Orden Banner der Arbeit II. Klasse.
  • 1986: Theodor-Körner-Preis.
  • 2009: 31. März 2009, erfolgt die Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Coswig.

Literatur

  • Otto Walcha: Meissner Porzellan. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Dresden: Verlag der Kunst, 1986, 8. Aufl., ISBN 3-364-00012-3.
  • Uwe Beyer (Redaktion): Meissener Wandbilder. In: Meissener Manuskripte – Sonderheft I, Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH, 1992.
  • Uwe Beyer (Redaktion): VISIONEN – Heinz Werner – Dekore auf Meissener Porzellan. In: Meissener Manuskripte IV, Sonderheft IV, Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH, 1993.
  • Uwe Beyer (Redaktion): Wandbilder – Bildwände, Künstlerische Wandgestaltung in Meissener Porzellan. In: Meissener Manuskripte XVII, Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH, 2003.

Einzelnachweise

  1. Uwe Beyer (Redaktion): Meissener Wandbilder. In: Meissener Manuskripte – Sonderheft I, Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH, 1992, S. 8 bis 13.
  2. Uwe Beyer (Redaktion): VISIONEN – Heinz Werner – Dekore auf Meissener Porzellan. In: Meissener Manuskripte IV, Sonderheft IV, Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH, 1993 S. 5-63.
  3. Uwe Beyer (Redaktion): Wandbilder – Bildwände, Künstlerische Wandgestaltung in Meissener Porzellan. In: Meissener Manuskripte XVII, Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH, 2003, S. 8, 102-113, 126-128 und 160-161.
  4. Otto Walcha: Meissner Porzellan. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Dresden: Verlag der Kunst, 1986, 8. Aufl., S. 213, 247, 248, 252, 253, 256, 257 und 259.