Hannchen Fischer


Hannchen Fischer, geborene Gradus (1880-1936) war eine Meißner Altwarenhändlerin und Hausfrau. Sie war die Gattin vom Kaufmann Leopold Fischer (1878-1942), welcher an der Görnischen Gasse seit 1906 der Besitzer vom Pfandleih- und Altwarengeschäft Fischer in der Altstadt war. Der gemeinsame Sohn war Ludwig Fischer (später Lawrence Fisher).
Hannchen Fischer kümmerte sich vorwiegend um den familiären Haushalt, sie ist jedoch auch zeitweise im Altwarengeschäft tätig. Zunächst befindet sich das Geschäft noch im Haus Görnische Gasse Nr. 39. 1911 zieht die Familie in das Haus Görnische Gasse Nr. 2 um und im Jahre 1923 wird der Sohn Ludwig Fischer geboren. Auch nach dem Umzug in das Haus Görnische Gasse Nr. 2 betreibt man dort ein Pfandleih- und Altwarengeschäft.
Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme begann auch in Meißen die Entrechtung der jüdischen Bevölkerung. Öffentlich wurde zum Boykott jüdischer Geschäfte aufgerufen und es kam bereits zu massiven Übergriffen. So hatte man auch am Altwarengeschäft Fischer die Schaufensterscheiben mit Hetzschriften gegen Juden beklebt und die Familie wurde beleidigt und diskriminiert. Als Hannchen Fischer ihren Sohn Ludwig am Franziskaneum anmelden will, erklärt ihr dort der Rektor, dass er sich nicht sicher ist, ob er überhaupt noch Juden wie L. Fischer als Gymnasiast annehmen darf.
Hannchen Fischer wird angesichts der anhaltenden nationalsozialistischen Repressalien am 16. Dezember 1936 in den Suizid getrieben.[1][2]
Gedenken
Vor dem Grundstück Görnische Gasse Nr. 2 befinden sich seit 2024 drei Stolpersteine für, Hannchen Fischer, Leopold Fischer und Ludwig Fischer. Die Gedenksteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus (NS-Zeit) verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.
Literatur
- Gerhard Steinecke: Unser Meißen – 1929-2004. Meißner Tageblatt, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 2004, ISBN 978-3-929705-09-6.
Einzelnachweise
- ↑ Nach Auszügen aus einem Brief von Lawrence Fisher vom 23. September 2000 an den Autor Gerhard Steinecke.
- ↑ Gerhard Steinecke: Unser Meißen – 1929-2004. Meißner Tageblatt, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 2004, ISBN 978-3-929705-09-6, S. 58.