Handwerksbetrieb Rudolf Fiedler

Medaillenstempel aus der Pfeifferzeit. (Beispielfoto)
Auszug aus dem Adressbuch der Stadt Meißen 1950.

Der Handwerksbetrieb Rudolf Fiedler in Meißen war eine Gravieranstalt in der Altstadt in der Martinstraße Nr. 4. Die Firma war zudem ein Ausbildungsbetrieb. Der Graveur Emil Grille sowie der Inhaber vom späteren Handwerksbetrieb Herbert Schellbach wurden dort zum Graveur ausgebildet.

Die Handwerksfirmen von Rudolf Fiedler, Emil Grille und Herbert Schellbach wurden von der Porzellanmanufaktur Meißen mit dem Schneiden der Stahlstempel für die Herstellung von Porzellanmedaillen beauftragt, da man in der Manufaktur ab 1947 diese wichtigen Arbeiten nicht mehr selbst ausführt hat. Zudem hatte die Firma Rudolf Fiedler noch Schmuckgravuren sowie Monogramm- und Schildergravuren ausgeführt. Die Firma R. Fiedler gehörte mit zu den Meißner Unternehmen, welche als Graveure und Stempelschneider gearbeitet haben. Rudolf Fiedler arbeitete dabei eng mit den Stempelschneider der Prägestätte in Muldenhütten bei Freiberg Friedrich Wilhelm Hörnlein und den Meißner Porzellankünstlern Emil Paul Börner, Fritz Simon und Manfred Wünsche zusammen. Viele Stahl-Stempelpaare waren damals notwendig um die in der Porzellanmanufaktur eingehenden Aufträge zügig abzuarbeiten.

Hintergründe

Für Münzen und Medaillen die in größeren Auflagen gefertigt werden sollen, verwendet man in der Porzellanmanufaktur Stahlstempel welche, die Porzellanmasse prägen. Dazu benötigt man einen Ober- und einen Unterstempel für die beiden Medaillen-Motive. Steht ein Motiv endgültig fest, dann wird von einem Graveur das Negativbild in den Stahl des Ober- und Unterstempels graviert. Diese Arbeiten wurden nicht immer in der Manufaktur ausgeführt, sondern man hatte meistens damit die entsprechenden Meißner Handwerksbetriebe beauftragt. Die gelieferten Stahlstempel wurden später in eine Friktionspresse eingebaut, justiert und leicht geölt. Danach konnte ein sogenannter lederharter „Pressling“ aus Porzellanmasse eingelegt und durch Pressdruck geprägt werden.

Werke (Auszug)

Der Handwerksbetrieb Rudolf Fiedler lieferte die gravierten Stahl-Stempelpaare für Medaillen und Plaketten in Biskuitporzellan und Böttger-Steinzeug in verschiedenen Formen und Größen. Es entstanden daraus beispielsweise die Medaillen:

  • Kreiserntefest, Gedenkmedaille vom Kreisverband der VdgB (Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe) in Biskuitporzellan und Böttger-Steinzeug mit der Silhouette des Burgberges und Dom. Auf dem Revers ein Traktor, 1949. Die Medaille gibt es auch mit Dekor.
  • Böttger-Medaille, Gedenkmedaille der Porzellanmanufaktur Meißen in Böttger-Steinzeug und Biskuitporzellan mit einem Böttger-Portrait und auf dem Revers der Burgberg mit Albrechtsburg und Dom, 1949.
  • Bachfeier Weimar 1950, Gedenkmedaille in Biskuitporzellan und in Böttger-Steinzeug mit dem Portrait von J. S. Bach, 1950.
  • VEB Farbenfabrik Wolfen – Warenzeichen „Primal“, Wettbewerbsmedaille in Böttger-Steinzeug, 1953. Eine ähnliche Medaille wurde als Ehrengabe bei „Schau- und Wettbewerbs-Frisieren“ ausgegeben. Insgesamt 4.005 Exemplare mit und ohne Dekor.
  • 800 Jahrfeier Cottbus 1956. Ausgabe in Böttger-Steinzeug vom Rat der Stadt Cottbus, 1956. Stadtwappen und der Spremberger Turm, 10.000 Exemplare ohne Dekor.[1]

Literatur

  • Autorenkollektiv: Medaillen aus Meissener Porzellan, Band 1947-1961 und Band 1970-1974, transpress VEB Verlag für Verkehrswesen Berlin, 1979 und 1988.

Einzelnachweise

  1. Autorenkollektiv: Medaillen aus Meissener Porzellan, Band 1947-1961, transpress VEB Verlag für Verkehrswesen Berlin, 1988, S. 197, 309, 310 und 389.