Friedrich Wilhelm Hörnlein



Friedrich Wilhelm Hörnlein (* 16. August 1873 in Suhl; † umgekommen bei den Luftangriffen in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 in Dresden) war ein Maler, Bildhauer, Stempelschneider, Modelleur und Medailleur. Der Künstler F. W, Hörnlein zählte ab 1918 mit zu den Stempelschneidern und Medailleuren der Porzellanmanufaktur Meißen. Er schnitt zum Beispiel die Stahlstempel für das sogenannte „Meißner Porzellangeld“ (1920 und 1921) und für viele weitere Porzellanmedaillen. Dazu arbeitete er lange Zeit direkt in der extra eingerichteten „Münzabteilung“ der Manufaktur in Meißen.[1]
Leben und Werk
Nach seiner Lehre in der Kunst-Gravieranstalt Robert Fritz in Suhl bildet er sich in Lüdenscheid, Elberfeld und Wien weiter aus. Im Jahre 1894 kommt F. W. Hörnlein nach Dresden. Er besucht von 1896-1898 die Kunstgewerbeschule in Dresden und studiert anschließend bis 1905 an der Akademie der Bildenden Künste. In dieser Zeit werden ihm bereits mehrere Auszeichnungen verliehen.
Nach dem Studium widmet er sich zunächst der Portrait- und Landschaftsmalerei und beteiligt sich mit Erfolg an ausgelobten Wettbewerben für Plaketten, Medaillen und Kleinplastiken. 1911 folgt er einer Berufung an die Königlich Sächsische Münze in Muldenhütten bei Freiberg. Dort arbeitet er fortan als Medailleur und Stempelschneider. Sein Werk umfasst ca. 300 Medaillen auf bedeutende Persönlichkeiten, Zeitereignissen, Ausstellungen und Jubiläen. Friedrich Wilhelm Hörnlein schuf beispielsweise 1917 die Stempel für die seltenste deutsche Drei-Mark-Reichsmünze „Friedrich der Weise“.
Meißner Porzellangeld
Wegen der großen Knappheit von Metallgeld in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg um 1920, suchte die Reichsregierung nach Alternativen. Als damals das Finanzministerium im Deutsche Reich noch zusätzlich in Erwägung zog, keramisches Notgeld in ganz Deutschland herauszugeben, kam auch der damalige Direktor der Manufaktur Max Adolf Pfeiffer auf die Idee, eigene Notmünzen aus braunem Feinsteinzeug, dem Böttger-Steinzeug und weißem Biskuitporzellan zu fertigen. Neben dem Porzellangeld (Notgeld) für Sachsen folgten noch weitere Aufträge von vielen Städten, Gemeinden und Firmen aus ganz Deutschland. Daher schickte man den erfahrenen Medailleur und Stempelschneider F. W. Hörnlein für einige Zeit nach Meißen um dort die Manufakturisten zu beraten und zu unterstützen.[2][3]
Münz- und Medaillenkunst
Es entstehen die heute noch bei Sammlern äußerst begehrten Porzellanmedaillen „Johann Wolfgang von Goethe“ (1921), „Friedrich von Schiller“ (1922) und die Gedenkstücke zur Tausendjahrfeier der Stadt Meißen im Jahre 1929. Entworfen werden die meisten Stücke vom Porzellankünstler Emil Paul Börner. Beispielsweise wurden folgende Entwürfe geprägt:
- 100. Jahrestag der Schlacht bei Leipzig, 3-Mark-Silbergedenkmünze, Königreich Sachsen, 1909.
- Friedrich August III. (König von Sachsen). Silber-Gedenkmünzen zu 2-, 3- und 5-Mark in Silber sowie 20-Mark in Gold, 1916. F. W. Hörnlein liefert für alle Münzen den Entwurf sowie das Modell und schneidet die Prägestempel.
- 1000 Jahre Burg und Stadt Meissen, Silber-Gedenkmünze zu 3- und 5-Reichsmark, 1929. Für die beiden Münzen liefert F. W. Hörnlein Entwurf und Modell und schneidet die Prägestempel.
- Gerhard Hauptmann zum 70. Geburtstag, Medaille aus Böttger-Steinzeug, 1948. Die Medaille wird im Jahre 1949 nochmals nachgeprägt. (Die Stempel wurden bereits vor 1945 geschnitten.)
- Goethe-und-Schiller-National-Denkmal, Medaille aus Böttger-Steinzeug, 1948. (Die Stempel wurden bereits vor 1945 geschnitten.)
Friedrich Wilhelm Hörnlein wohnte in Dresden und ist bei den verheerenden Luftangriffen auf die Stadt in der Nacht vom 13./14. Februar 1945 umgekommen.
Literatur
- Heinz Fengler, Gerhard Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon „Numismatik“, VEB Verlag für Verkehrswesen Berlin, 1976.
- Autorenkollektiv: Medaillen aus Meissener Porzellan, Band 1947-1961, transpress VEB Verlag für Verkehrswesen Berlin, 1988.
- Numiscontrol/Reiner Graff: Mit Meißner Porzellan die Straßenbahn bezahlen. In: Numis-Post Schweiz, Heft 09/2017, Bad Ragaz, Schweiz.
- Numiscontrol/Reiner Graff: Mit einem „Schaff er mir Gold, Böttger“ fing alles an und später sollte man sogar mit Porzellan bezahlen können. In: moneytrend, Heft 04/2018, Wien, Österreich.
Einzelnachweise
- ↑ Heinz Fengler, Gerhard Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon „Numismatik“, VEB Verlag für Verkehrswesen Berlin, 1976, S. 152.
- ↑ Heinz Fengler, Gerhard Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon „Numismatik“, VEB Verlag für Verkehrswesen Berlin, 1976, S. 152.
- ↑ Autorenkollektiv: Medaillen aus Meissener Porzellan, Band 1947-1961, transpress VEB Verlag für Verkehrswesen Berlin, 1988, S. 451.