Erzgebirgische Hutzenstube

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Die Erzgebirgische Hutzenstube auf einer Ansichtskarte von Brück & Sohn (1928)
Gastwirt Heinrich Christian Karl König
Gastwirtin Louise Johanne König
Große Wäsche in der Hutzenstube

Die Erzgebirgische Hutzenstube war eine Gaststätte in der Dresdner Straße 59 in der Gemeinde Niederspaar in Meißen.

Geschichte

Am 29. September 1912 erwarb der Maurer, Restaurator, Stuckateur und Schuhmacher Heinrich Christian Karl König (* 1866 in Altenburg; † 22. Juni 1920 in Dresden) die Gaststätte „Erzgebirgische Hutzenstube“ in der Dresdner Straße 59. Ihre Heimatstadt Altenburg verließ die Familie König überstürzt; Ehefrau Louise Johanne König, geb. Schöneberg (* 7. Juni 1869; † 4. Juni 1926) reiste mit den Töchtern Elsa (* 1900) und Martha (* 1903) nach Meißen, während Heinrich sich zuerst mit seinem Sohn Karl (* 1894) nach Hamburg begab. Dort kaufte er Karl eine Schiffsfahrkarte nach Übersee, nur die Hinreise! Heinrich begleitete seinen Sohn bis auf den Anleger, verabschiedete sich von ihm und reiste dann in seine neue Heimatstadt Meißen. Was war in Altenburg vorgefallen? Hatte Karl tatsächlich ein Verhältnis mit seiner Lehrerin? Zur damaligen Zeit ein unvorstellbarer Tatbestand; Schmach und Schande über die Familie! Wollte ihn der Vater womöglich schützen, wovor auch immer? Das große Tuch des Stillschweigens darüber.

Die Jahre vergingen, die Mädchen wuchsen heran und die Gaststätte Hutzenstube lief gut. Arbeiter waren zu Fuß unterwegs und besuchten nach der Arbeit die Gaststätte. Zum Leidwesen der wartenden Ehefrauen, hatten ihre Männer doch den Tagelohn bei sich.

Im Jahr 1920 musste sich Heinrich König im Städtischen Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt einer Behandlung unterziehen. Am 22. Juni 1920 um 10:30 Uhr vormittags ließ er den Justizrat Paul Schöne in sein Krankenzimmer kommen. Bezeugt von Krankenschwester Henriette und Pflegerin Frieda, sagte er ihm: „Meine Frau und die Kinder Karl, Elsa und Martha sollen erben.“ Um 19:30 Uhr verstarb Heinrich König im Alter von 53 Jahren. Seine Witwe Louise König musste nun die Hutzenstube mit ihren Töchtern alleine weiterführen.

Zur Gaststätte gehörten auch Mietwohnungen und Einzelzimmer. Eines davon bewohnte der Postschaffner Alfred Schröder, der im Haus Dresdner Straße 100 geboren und aufgewachsen war, nur etwa 100 Meter von der Hutzenstube entfernt. Ca. 1922 wurden die zum damaligen Zeitpunkt 19-jährige Martha und der acht Jahre ältere Alfred ein Paar und heirateten. Schwester Elsa heiratete den universell begabten Elektroingenieur Fritz Kurzer und zog mit ihm in die Brauhausstraße 17, eine Wohnung der Meißner Stadtwerke.

Auf überlieferten Fotos ist Gastwirtin Louise Johanne König Louise die Last der Gastronomie anzusehen. Sie verpachtete die Hutzenstube an Oskar Hausmann und verstarb bereits am 4. Juni 1926, drei Tage vor ihrem 57. Geburtstag. Ihr prunkvoller Grabstein aus rotem Meißner Granit, den ihre Töchter für sie errichten ließen, wird bis heute von der Familie gepflegt.

Wer sich heute Fotos der Hutzenstube ansieht oder den ehemaligen Standort besucht, sieht den steilen Granitfels, der sich hinter dem Gebäude emporhebt. An einem regnerischen und stürmischen Abend las Vater Alfred dem kleinen Sohn Theo vor dem Zubettgehen eine Geschichte vor. Plötzlich polterte es laut, Granitsteine fielen nach unten, durchschlugen das Dach der Hutzenstube und landeten neben dem Bett der beiden. Alfred blieb gelassen: „Lass uns in ein anderes Bett gehen, ich bin mit dem Vorlesen noch nicht fertig. Das Dach reparieren wir morgen.“

Königs Sekundärfamilie: Fritz sen., Fritz jr., Martha, Elsa, Alfred, Werner. Fritz und Werner sind Elsas Söhne. Im Hintergrund das neue Häuschen.

Im Jahr 1936 verkauften die Geschwister König die Hutzenstube für 19.000 Goldmark an den bisherigen Pächter Oskar Hausmann. Elsas und Karls Anteile wurden in eine Hypothek umgewandelt und treuhänderisch von Fritz Kurzer verwaltet. Martha hingegen träumte von einem eigenen kleinen Häuschen und ließ sich ihren Anteil in bar auszahlen. Noch im selben Jahr begann am westlichen Stadtrand Meißens der Bau ihres Hauses. Für den Grunderwerb und die Anzahlung reichte das Geld, doch der Rest kostete noch einige Kraftanstrengungen. Ein Jahr später, noch vor Theos Schulanfang, stand der Umzug ins neue Heim an. Doch Theo wollte nicht umziehen, er wollte in der Hutzenstube bleiben und von seinem Fenster aus die auf der Elbe vorbeifahrenden Schiffe sehen. Sein Einspruch wurde jedoch abgelehnt und Klein-Theo musste die kommenden 83 Jahre im neu gebauten Haus leben.

In der darauffolgenden Zeit ging es mit der Hutzenstube bergab. Es kamen keine Arbeiter mehr vorbei; wo sie geblieben waren, weiß die Geschichte. Auch die Bausubstanz des Gebäudes wurde immer schlechter. Die Hochwasserschäden von 1890 waren immer noch nicht nachhaltig instand gesetzt worden. Gesellschaftsordnungen kamen und gingen. Im Jahr 1974 kam es zu einem weiteren Eigentümer- und Betreiberwechsel. Bis 1984 waren die beiden Hypothekendarlehen von 1936 noch nicht abbezahlt, danach verliert sich die Spur. Die Bausubstanz der Hutzenstube verfiel weiter und auch der Gastronomiebetrieb wurde eingestellt. Im Jahr 1995 betrat Theo wehmütig noch einmal seine geliebte Hutzenstube und zog den Schlüssel ab. Dann wurde das Gebäude abgerissen.

Der originale Haustürschlüssel der Hutzenstube


Wenn man heute an der Dresdner Straße 59 innehält, kann man noch das in Granit gemeißelte Kellergewölbe und die Farben des Obergeschosses erkennen (wo einst die Steine fielen).

  • Was geschah mit dem jungen Karl, kam er in Amerika an?
  • Was hat es mit dem (Apfel-?) Baum vor der Hutzenstube zu tun?

Lesen Sie in meinen weiteren Überlieferungen.