Ernst Fritz Gottschling

Stolpersteine am Dresdner Zwinger.
Porzellanglockenspiel in Meißen.
Porzellanglockenspiel am Dresdner Zwinger.

Ernst Fritz Gottschling (* 3. Oktober 1903 in Meißen; † 21. April 1945 auf einem Todesmarsch von der SS umgebracht) gehörte wie Max Hermann Dietze zum Meisteratelier von Emil Paul Börner in der Porzellanmanufaktur Meißen während der sogenannten Pfeifferzeit. Gottschling wohnte in der Clausmühle, Dobritz Nr. 12. Er war verheiratetet und hatte einen Sohn.

Ausbildung, Arbeit und Entlassung

Am 12. April 1920 beginnt er eine Lehre in der Porzellanmanufaktur Meißen als Blumenmaler. Danach arbeitet er ab 1. April 1925 als Indischmaler. Ernst Fritz Gottschling war ab 1927 an der Herstellung des ersten stimmbaren Porzellanglockenspiels der Welt, an der Frauenkirche in Meißen beteiligt und gehörte dem Meisteratelier von Professor E. P. Börner in der Porzellanmanufaktur an. Für das Glockenspiel im Dresdner Zwinger, welches am 6. Dezember 1933 eingeweiht wurde, war E. F. Gottschling ebenfalls mit Installationsarbeiten der Glocken beauftragt. Unterstützt wurde er damals von seinen Kollegen M. H. Dietze.

E. P. Börner wird 1933 von Wendelin Schmotz, dem Nachfolger von Generaldirektor Max Adolf Pfeiffer (Pfeifferzeit) angewiesen, E. F. Gottschling ab sofort mit Akkordarbeit zu beschäftigen, damit Gottschling und Dietze nicht mehr zusammenarbeiten können. Mehr noch, man will Gottschling sogar umerziehen. Am 25. September 1935 wird Ernst Fritz Gottschling aufgrund seiner Verbindung zu den Ernsten Bibelforschern von der Porzellanmanufaktur fristlos entlassen und blieb zunächst arbeitslos. Später arbeitete er bis zu seiner Verhaftung als Porzellanmaler im Triebischtal bei der Firma Alice Ehmann, Keramische Werkstätte, Am Triebischwehr 4.

Verhaftung

Am 3. März 1937 wird er verhaftet und kurz darauf von einem Sondergericht in Freiberg zu einem Jahr und sechs Monaten Haft verurteilt. Die Haft wird im Gefängnis Bautzen vollzogen. Er bleibt dort in Haft bis zum 6. September 1938. Am gleichen Tag wird Gottschling in Schutzhaft genommen und vorerst in Meißen inhaftiert.

Am 27. Oktober 1938 wird er von Meißen in das KZ Buchenwald gebracht. Er erhält dort die Häftlingsnummer „1178“ und ist zunächst im Block 11, später im Block 44 untergebracht. [1] Fortan muss er den violetten Winkel an der Häftlingskleidung tragen, der ihn sofort als Zeugen Jehovas (Ernste Bibelforscher) identifiziert.

Die Bitte an den Lagerkommandanten

Am 12. Februar 1939 wendet sich seine Ehefrau Elisabeth Gottschling geb. Riemer an den Lagerkommandanten von Buchenwald. Auf einer Postkarte bittet sie, da sie seit Oktober 1938 nichts mehr von ihrem Mann gehört hat, um ein Lebenszeichen. Dabei berichtet sie auch über den zehnjährigen Sohn, welcher so oft nach seinem Vater fragt. Außerdem bittet sie den Lagerkommandanten, dass ihr Mann doch die Erlaubnis bekommt, wenigstens einmal zu schreiben. Die Bitte bleibt unbeantwortet.[2]

E. F. Gottschling muss im KZ Buchenwald zunächst im Steinbruch arbeiten. Später wird er in der Bildhauerei im KZ Buchenwald eingesetzt. Bis 1945 wird er im KZ festgehalten. Am 21. April 1945 wird Ernst Fritz Gottschling auf einem Todesmarsch in Oberviechtach (Bayern) von der SS umgebracht. Nach vorliegender Aktenlage wird seine Leiche in Winklarn (Bayern) am 8. Mai 1945 begraben.[3]

Stolpersteine in Dresden

In Gedenken an Ernst Fritz Gottschling und seinen Kollegen Max Hermann Dietze wurden vor dem Dresdner Zwinger am Glockenspielpavillon zwei Stolpersteine verlegt.

Literatur

  • Adressbücher der Stadt Meißen mit dem Vorort Dobritz ab 1935.
  • Caren Marusch-Krohn: Meissener Porzellan 1918-1933 Die Pfeifferzeit, Edition Leipzig, 1993, ISBN 3-361-00402-0.
  • Jürgen Schärer: Auf den Punkt gebracht, Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen, Meißen 2000, ISBN 3-910063-28-4.
  • Gerhard Steinecke: Unser Meißen 1929-2004, Meißner Tageblatt Verlag, 2004, ISBN 3-929706-09-5.

Quellen und Belege

  • Die Quellen und Belege zum Schicksal von Ernst Fritz Gottschling im KZ Buchenwald stammen aus der Akte von GOTTSCHLING, FRITZ, geboren am 03.10.1903, Signatur: 01010503 001.159.394, von Arolsen Archives. Sie wurden zudem durch die Recherchen vom Journalisten Reiner Graff aus Hoppegarten ergänzt.
  • Arolsen Archives, Inhaftierungsdokumente von Ernst Fritz Gottschling, Konzentrationslager Buchenwald. Homepage Online-Archiv: https://arolsen-archives.org

Einzelnachweise

  1. Eigene Angaben von E. F. Gottschling, vom 2. Mai 1941 im KZ Buchenwald. Siehe dazu die Akte mit der Signatur: 01010503 001.159.394, von Arolsen Archives.
  2. Postkarte der Ehefrau vom 12. Februar 1939. Siehe dazu die Akte mit der Signatur: 01010503 001.159.394, von Arolsen Archives.
  3. Meldung (engl.) an das Standesamt von Winklarn am 25. Juni 1946. Siehe dazu die Akte mit der Signatur: 01010503 001.159.394, von Arolsen Archives.