Floß-Modellskizze von Emil Zöllner um 1910.
Ein Wiedendreher bei der Arbeit.
Der Floßbau mit Wieden beginnt.
Ein Schrick wird gesetzt um das Floß zu "stellen".
Auf dem Elbfloß wird gekocht.

Die Elbflößerei wurde eine lange Zeit auf der Elbe stromabwärts betrieben. Transportiert wurden vorwiegend Baumstämme aus den böhmischen Wäldern. Dazu wurden die Baumstämme aus den Wäldern zur Elbe gebracht und dort zu „Floßtafeln“ mit „Wieden“ zusammengebunden. Transportiert wurden die Baumstämme stromabwärts bis nach Hamburg. In der Stadt Meißen gab es ebenfalls einige Fabriken, zum Beispiel die Bauunternehmer-Firma Otto & Schlosser, denen Holz auf dieser Art angeliefert wurde. Der Heimatforscher und Volkskundler Emil Zöllner hat sich viel mit der Elbfischerei sowie der Elbflößerei befasst und darüber publiziert. Die Flößerei auf der Elbe wurde mit dem Ausbau der Eisenbahn schließlich immer weniger.[1]

Die Wieden

Wieden sind junge Fichtenstämme von maximal drei Meter Länge, die beim Auslichten der Wälder anfallen. Die Stämme wurden durch die „Wiedendreher“ in einer speziellen Vorrichtung eingedreht. Durch das Harz im Stamm entsteht beim Eindrehen eine seilartige und wasserfeste Art von Schnur, die auch sehr elastisch ist. Die Wieden wurden zunächst getrocknet und später zum Floßbau wieder eingeweicht. Der Wiedendreher, war dabei ein eigenständiger Beruf. Mit Wieden können die Baumstämme ganz ohne Ketten und Eisenklammern zum Floß zusammengebunden werden. Die gedrehten Fichtenstämme sind, werden sie nicht zerhackt, fast unverwüstlich. Sie sind wasserfest, flexibel, halten große Zugkräfte aus und sind 100 Prozent Natur!

Floßbau

War eine Bestellung nebst Bezahlung für Baumstämme, zum Beispiel im böhmischen Herrnskretschen eingegangen, machte sich eine Mannschaft, meist bestehend aus sechs Männern an die Arbeit und band die einzelnen Stämme zu Floßtafeln zusammen. Sollte das Holz nach Meißen gehen, war man bis zu vier Tage unterwegs. Das bedeutete, dass man auf dem Floß auch wohnte und kochte. Eine Flößerbude war dazu ebenfalls als Unterkunft auf dem Floß vorhanden. Der Floßbau war genau vorgeschrieben. Jeder in einer Tafel eingebaute Stamm hatte seinen festen Platz und war genau nach Länge und Durchmesser in den Floßpapieren registriert. Das war wichtig denn es erleichterte die notwendige Zollabfertigung.

Bau der Tafel 1

Beim Bau wurden die längsten Holzstämme an den Außenseiten der Tafeln platziert und dienten dort als „Streichbäume“. Den Namen bekamen die Stämme, weil diese außen an eventuellen Hindernissen im Uferbereich „entlangstreichen“ konnten und die inneren Stämme der Tafel dabei schützten. Die Streichbäume hatten hinten immer ein gewisses Spiel und von oben sah eine Tafel immer aus wie ein nach hinten geöffneter Fächer. Vorn waren die Stämme mit einem dünnen quer aufgelegten Stamm, die „Kliste“, eng verbunden. Es gab kein Durchbohren oder ein anderes Verletzen der Holzstämme. Grundsätzlich wurde alles mit den nun wieder eingeweichten Wieden zusammengebunden. Ganz vorn gab es noch zwei bis drei „Pätschen“ aus Holz. Die Pätschen patschten beim Rudern und Steuern im gleichmäßigen Takt das Wasser. Vorn an der rechten Pätsche arbeitete der verantwortliche Steuermann, an den anderen Pätschen waren die weiteren Floßleute tätig. Auf der hinteren, also letzten Tafel gab es meist nur eine Pätsche und diese hatte die gleiche steuernde Funktion. Das Floß führte auf der ersten Tafel die sächsische Flagge in weiß grün, wenn es auf dem sächsischen Teil der Elbe unterwegs war. Die Tafel 1 wurde mit Wieden eng mit der Tafel 2 verbunden.

Bau der Tafel 2

An der Tafel 2 war auch die Brems- und Haltevorrichtung (zwei Schricke) vom Floß eingebaut. Diese Vorrichtung bestand aus zwei zugespitzten Stämmen, die auf Widerlagern ruhten und dann zwischen den Floßstämmen hindurch schräg auf den Grund der Elbe gestoßen werden konnten. Auf diese Art konnte man auch ohne Anker anhalten und war vor einer unbemerkten Weiterfahrt gesichert. Zusätzlich diente die zweite Tafel auch noch als kleine Feuerstelle für die an den Pätschen tätigen Floßleute. Hier konnte man Speisen, Kaffee oder Tee im Topf warmhalten. Die kleinen Feuerstellen wurden aus Erde und Steinen direkt auf den Holzstämmen gebaut. Die zweite Tafel war auch der Platz für die gesetzlich vorgeschriebene Erkennungsmarke, ein weithin sichtbares Schild aus Planen-Stoff, auf dem auf beiden Seiten in roten Buchstaben der Besitzer und in schwarzen Buchstaben der Floßführer standen. Es war damit eine Art Nummernschild auf der Elbe, alles musste vom Ufer her gut sichtbar sein. Diese Tafel wurde dann eng mit der Tafel 3 verbunden.

Bau der Tafel 3

Auf die Tafel 3 hat man die „Flößerbude“ gebaut. Sie war die Unterkunft während der Reise bis zum Ziel. Die Bude wurde gegen den Fahrtwind mit einem langen Dach aufgebaut und an den Bretterwänden mit Sitzmöglichkeiten ausgestattet. Anschließend hat man alles nach unten mit Brettern wasserdicht gemacht und den gesamten Raum mit Heu ausgelegt. Es gab keine schließende Tür, sondern nur eine Zeltplane, die man zubinden konnte.

Jeder Flößer brachte je nach Länge der Fahrt, sein persönliches Essen selbst mit an Bord. Dazu noch zusätzlich einige Lebensmittel die bei den am Abend abgehaltenen gemeinsamen Essen für alle aufgebraucht wurden. Das waren meist Brot, Fett, Wurst, Tabak, gemahlener Kaffee und etwas Schnaps. Dazu noch einige Blechgefäße, Tasse, Teller und Besteck. Eimer für Trinkwasser gehörten auch noch dazu. Vor der Bude befand sich meist auf der Backbordseite, also links in Fahrtrichtung, die große Kochstelle, die ebenfalls auf einem Grund von Steinen und Erde errichtet war. An der Bude selbst war außen Gerät wie Sägen, Bootshaken, Seile und Beile aufgehängt, meistens auch eine große Bratpfanne. Diese Tafel wurde dann eng mit der Tafel 4 verbunden.

Bau der Tafel 4

Die vierte Tafel war ähnlich wie die Tafel 2 gebaut, es gab dort auch wieder zwei Schricke zum Bremsen und die Feuerstelle für den auf der fünften Tafel am Ruder stehenden Flößer. Diese Tafel wurde dann mit der Tafel 5 verbunden.

Bau der Tafel 5

Auf der meist letzten Tafel 5 befand sich die hintere Pätsche, also die Schwanzflosse vom Floß. Bis zu zwei Flößer standen dort. Beide sorgten dafür, dass in der Strömung der hintere Teil vom Floss nicht zu weit ausschwenkte. Hier lag auch eine schwere meterlange Eisenkette zum „Abbremsen“ bereit. Die Kette wurde bei Bedarf in die Elbe gelassen und somit die Fahrt vom Floß stromab verlangsamt oder sogar angehalten.

Floßfahrt nach Meißen

Nachdem der böhmische Zollbeamte an Bord war, um die vorher eingereichten Ladepapiere mit der Floßladung zu vergleichen konnte die Fahrt stromabwärts nach Meißen beginnen. Wichtig ist den Leuten stets die kleine Feuerstelle, wo Tee oder Kaffee warmgehalten wird oder die Glut, die kleine Zigarre entzündet. Die kleine Feuerstelle half auch, sich bei kaltem Wetter, kurz die Hände zu wärmen. Ein Motto der Elbflößer damals war: „Ein kleines Feuer ist eine kleine Heimat“. War ruhiges Wetter, reichten nur einige leichte Schläge mit den Pätschen um das Gefährt auf dem rechten Wege zu halten. Aber bei Wind und Sturm musste man viel Kraft aufbringen um die Tafeln vom Ufer fern zu halten. War der Sturm zu heftig, mussten die Schricke gesetzt und pausiert werden. Die Flößer mußten damit „stellen“.

Gefährlich waren die Fahrten bei Hochwasser, äußerst ungemütlich waren sie bei Regen und Schnee, bei Hagel und Gewitter. War Nebel, dann musste man besonders auf die Pfeiler der Brücken achten. Man sagte damals unter den Flößern: „Nebel in der Landschaft und im Kopfe sind ganz gefährlich!“

Bei Mondschein und in der Zeit der hellen Nächte im Mai und Juni wurde oft die ganze Nacht hindurch gefahren. Nur in einer stockfinsteren Nacht wurde „gestellt“. Dann musste vorne und hinten ein Licht aufgezogen sein, als Warnzeichen. Ein frommer Brauch war es viel Arbeiten an Bord mit den Worten „Mit Gott“ zu begleiten. So wurde der Anker oder der Schrick mit einem „Hol auf, mit Gott“ begleitet. Die Nächte auf dem Floß sind kurz, schon im Morgengrauen geht es weiter dem Ziel entgegen. So vergehen die Tage und Nächte auf der Elbe, bis sich das Floß seinem Bestimmungsort nähert.

Ankunft und Auswaschen

Am Elbkai Meißen wird ein Floß "ausgewaschen".

Man wusste am Zielort ungefähr wann das Floß eintrifft und man hielt danach Ausschau. In der Firma oder auf einem Holzplatz gab es einen „Auffänger“. Der Auffänger hielt Ausschau ob in der Biegung hinter der Eisenbahnbrücke ein Floß auftaucht. War ein Floß in Sicht, dann ruderte er mit einem Boot dem Floß ein Stück entgegen. Auf dem Floß wurde nun die schwere Eisenkette am Floß befestigt und ins Wasser gelassen. Je mehr Kette auf dem Elbgrund nachgeschleift wurde, umso mehr verringerte sich die Geschwindigkeit vom Floß. Der Auffänger im Boot beobachtete die abnehmende Geschwindigkeit und zeitgleich die Uferstelle an dem das Floß auf den Meter genau im Strom der Elbe stehen bleiben sollte. Das war immer eine Meisterleistung mit wenig technischen Mitteln und wurde gern von den Meißnern von den beiden Brücken beobachtet. Nun konnte das „Auswaschen“ vom Floß, somit das Auflösen und das stammweise ans Land bringen beginnen. Beim Auswaschen vom Floß kam dabei die Tafel mit der Flößerbude als letzte an die Reihe.

Die Flößer fuhren nach dem Auswaschen der Stämme meist mit dem Zug wieder in ihre Heimatorte. Das Leben der Elbflößer war damit stets ein ständiges Stromab – Landauf.[2]

Literatur

  • Richard Pollack: Schifffahrts-Kalender für das Elbe-Gebiet 1884 und 1886, Selbstverlag, Teplitz.
  • Emil Zöllner: Elbvolk, F. Brandstetter Verlag Leipzig, 1934. 2. Auflage 1940.
  • Emil Zöllner: Mein Elbebuch, Meinhold & Söhne, Dresden, 1936.
  • Reiner Graff: Mit Schrick und Aalreuse-Die Meißner Flößer und Fischer auf der Elbe, Vortrag vom 8. September 2019 in der Feierhalle vom Krematorium Meißen, Eigenverlag, 2019.

Einzelnachweise

  1. Richard Pollack: Schifffahrts-Kalender für das Elbe-Gebiet 1884 und 1886, Selbstverlag, Teplitz, S. 77-87, S. 94-102, S. 117.
  2. Emil Zöllner: Mein Elbebuch, Meinhold & Söhne, Dresden, 1936, S. 37 bis 48.