Elbfischerei





Es gab in der Stadt Meißen Fischer, welche sich auch noch in den 1920er Jahren vom Fischfang auf der Elber ernährten. Das Leben der Fischer war hart, die Arbeit mühsam und schwer. Der sächsische Heimatforscher Emil Zöllner hat sich viel mit der Elbfischerei befasst und darüber oft publiziert.
Die Elbfischer
Es gab 1924 in Meißen noch insgesamt 19 registrierte „Fischermeister“, die mit ihren eigenen Booten und Netzen auf der Elbe fischten. Gefischt wurde dabei saisonbedingt, nach Aal, Lachs, Karpfen, Hecht, Stör, Rotaugen, Barben, Zärten, Schleien und nach Lummeln. Dabei waren die Schonzeiten genau einzuhalten. Die Fischer wohnten vorwiegend in Elbnähe. In den alten Adressbüchern von Meißen sind die Kleinbetriebe der Fischermeister im Fährgäßchen, in der Uferstraße, der Fischergasse, der Obergasse, am Martinsplatz, aber auch in der Siebeneichener Straße aufgeführt.
Fast alle Fischermeister waren in der Fischerei-Innung von Meißen organisiert. Im Jahre 1926 stieg die Anzahl der Meißner Fischermeister auf 20 Mitglieder an, doch schon im Jahre 1939 waren es nur noch neun Mitglieder. Der Fischer-Beruf war wie an anderen Orten an der Elbe bereits am Aussterben. Im Adressbuch von Meißen aus dem Jahre 1950 gab es nur noch einen einzigen registrierten Fischermeister. Es war Alfred Megner aus der Siebeneichner Straße 16. Zudem hatte Meißen im Jahre 1926 mit Gottlieb Gustav Crackau, Lindenplatz 5, noch einen letzten Bootsbauer, der noch Fischerboote baute.
Die Elbfischerei
Bereits mit den ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühling begann die Schonzeit für viele Fischarten. Es durfte in dieser Zeit nur nach Aalen oder Lachsen gefischt werden. Bei der Jagd auf Aale verwendeten die Elbfischer Reusen, die entweder aus Holzstäben oder aus Bindfäden bestanden. Die hölzernen Reusen hatten dabei die Form einer Flasche, die man oben am Halse mit einem Stöpsel verschließen konnte, aber keinen Boden hatte. Damit sie sinken wurden sie mit Ziegelsteinen beschwert. An gestrickten „Garnsäcken entlang, die wiederum an Holzstäben befestigt waren, schwamm der Aal in die flaschenförmigen Reuse. Besonders in der Weihnachtszeit und um Pfingsten wurden viele Aale in der Elbe gefangen. Solch eine Reuse ist in der Dauerausstellung im Stadtmuseum Meißen noch als Original zu sehen.
Schonzeit
In der Schonzeit hatten die Fischer meist viel Arbeit mit dem Handwerkszeug. Man teerte die Boote und bemalte sie neu. Der wichtige Regenmantel und die Wasserstiefel mussten ebenfalls geölt und ausgebessert werden. Die Netze, es gab verschiedene, wurden ebenfalls ausgebessert.
Sommer
Im Sommer blühte die Fischerei auf, denn die warmen Sonnenstrahlen erwärmten das Wasser und die Fische, die auch Schuppenwild genannt wurden, reiften als Ernte heran. Das spezielle Gefäß worin man den Fang heimbrachte war das „Hetfass“, welches an einer Leine befestigt am Boot mitgeführt wurde und das kleine Löcher hatte. So war der Fang immer gut vom Elbewasser umspült. Das Nachtfischen brachte den Vorteil, dass die Fischer dann keinem Lastkahn auszuweichen hatten. Man konnte ohne Bedenken die Breite der Elbe nutzen ohne Angst zu haben, dass die Netze beschädigt werden. Es gab in der Nacht auch keinen Raddampfer, der mit seinem lauten Stampfen die Fische aufschreckte und mit den Ruderschlägen den Fluss aufwühlte. Am frühen Morgen legten die Boote an den Landungsstegen vor ihren Häusern an. Nun mussten die Netze gereinigt werden und dann wurden sie hochgezogen, damit sie trockneten. So hingen dann die Netze wie riesige Fahnen, Meter für Meter. Der Fischer selbst konnte nun einige Stunden schlafen, erst am Nachmittag war er wieder mit seinen Netzen beschäftigt, denn auszubessern gab es immer etwas.
Nun begann die Arbeit der Fischerfrauen. Sie musterten den Fang mit flinken Augen und schnell war der Fang aufgeteilt. Die kleinen Fische wurden ausgenommen, gewürzt und gekocht und in Essigmarinade eingelegt. Große Fische kamen in grüne Fässer auf einen Handwagen. Damit ging es dann auf den Markt oder einer anderen Stelle der Stadt. Sogar auf der Neugasse wurden frische Fische angeboten. Was man während der Markt-Zeit nicht verkaufte, wurde anschließend in den anliegenden Häusern angeboten. Es waren mühsame Wege für die Fischerfrauen, immer ging es dann treppauf, treppab, von Straße zu Straße, oft sogar auch über Land von Dorf zu Dorf.
Lachszüge
Lachse wurden in großen Netzen gefangen. Ein Fischer hielt das eine Ende des Netzes auf dem Lande fest. Der andere Fischer ruderte das Boot, worin der Rest von den Netzen lag, in Richtung Mitte vom Elbstrom. Das Netz spannte sich dadurch aus. War es ganz ausgespannt, dann ließ man das Boot stromab gleiten und das Netz strich dabei sanft über den Grund dahin. Nur wenige Meter, dann wurde das Boot wieder in Richtung Land gerudert. Das Netz beschrieb dadurch einen halbkreisförmigen Bogen. Nachdem das Boot nun am Ufer festgemacht war, wurde das Netz eingeholt. Zehn bis dreißig Pfund Gewicht pro Lachs waren nicht unüblich.
Bei dieser Fangmethode war es wichtig, einen möglichst glatten Grund vorzufinden, damit sich das Netz nicht verheddert und beschädigt wird. Das Netz musste also gut am Grund „gezogen“ werden können. Die Fischer bezeichneten diese Stellen der Elbe als „Lachszüge“ und an solchen Stellen waren am Ufer viele kleine Bretterbuden aufgebaut, die man im Sommer oft gleich als Unterkunft nutzte. Die einzelnen Fischermeister und deren Gehilfen fischten dort nach einer genau festgelegten Reihenfolge. Hatte eine Gruppe ihren „Zug“ getan, zog sie sich in die Bretterbuden zurück, bis sie wieder an der Reihe war, sei es bei Tage, sei es bei Nacht. Trotzdem erfolgte der Fischfang, bei anderen Fischarten, auf der Elbe bei Meißen in der Hauptsache als Nachtbetrieb. Am Abend hängte man sich mit der Erlaubnis der Schiffer an das Ende eines Schleppzuges und ließ sich mit den Booten stromauf schleppe. Meist musste aber stromauf gerudert werden oder bei Wind konnte man die Segel setzen. War der Standort erreicht, ruderte man an Land und der Fang konnte beginnen.
Herbst und Winter
Im beteiligten sich die Fischer am Abfischen der Elbehäfen, denn gerade dort war das Wasser noch recht warm. Auch in den ersten Wintertagen ruhten die Fischer nicht und fischten auf der Elbe, solange sie offen war und es keine Eisschollen gab. Treiben die ersten Eisschollen auf der Elbe, dann beginnt der Fischer, wie er damals oft sagte mit dem „Winterschlaf“. Die Geldbeutel waren gerade in dieser Zeit sehr leicht. War die Elbe zugefroren, dann wurden kleine Löcher in die Eisdecke geschlagen und es wurde geangelt.
Fischerfeste
Im Winter, aber auch im Sommer gab es Fischerfeste bei denen die Boote mit Tannengrün geschmückt waren und die Fischerei für einige Zeit ruhte. Die Meißner Fischerinnung beteiligte sich an solchen Festen auch in anderen Orten an der Elbe.[1][2]
Literatur
- Emil Zöllner: Elbvolk, F. Brandstetter Verlag Leipzig, 1934. 2. Auflage 1940.
- Emil Zöllner: Mein Elbebuch, Meinhold & Söhne, Dresden, 1936.
- Emil Zöllner: Sonne und Wolken über dem Strom, Bastei Verlag Dresden, 1937.
- Reiner Graff: Mit Schrick und Aalreuse - Die Meißner Flößer und Fischer auf der Elbe, Vortrag in der Feierhalle vom Krematorium Meißen, am 8. September 2019, Eigenverlag, 2019.