Die vier geplanten Standorte der Porzellanmanufaktur 1857

Die Königliche Porzellanmanufaktur auf der Albrechtsburg.
Kaminuhr mit Vögel von J. J. Kaendler um 1746.
Die Königliche Porzellanmanufaktur im Triebischtal.

Die vier geplanten Standorte der Porzellanmanufaktur 1857 bewegten bereits um 1855 die Gemüter in Meißen und Umgebung. Lange Zeit war es völlig unklar, ob den die Königliche Porzellanmanufaktur, deren Platz in den Räumen der Albrechtsburg schon längst nicht mehr ausreichte, überhaupt in der Stadt bleiben wird. Viele neue Standort waren damals im Gespräch.

Am Ende blieb die Porzellanmanufaktur in Meißen und zog im Sommer 1864 in die neuen Fabrikgebäude im Triebischtal um. Allerdings waren vor der Verlegung der Manufaktur aus den Räumen der Albrechtsburg noch drei weitere Standorte im Gespräch.

Die geplante Verlegung von der Albrechtsburg

Bereits 1857 finden sich in der „Leipziger Zeitung“ einige Aufsätze von einem unbekannten Autor, welcher die Verlegung der Königlichen Porzellanmanufaktur dringend empfiehlt. Der Verfasser klagte darüber, dass man ohne Rücksicht auf die Architektur die Räume der Albrechtsburg umgestaltet hatte. Zuletzt hatte man noch eine Dampfmaschine im Untergeschoss der Burg untergebracht. Diese Maschine sollte das einstige Göpelwerk ersetzen und arbeitete nun mit acht Pferdestärken, deren Lärm weithin hörbar war. Mehr noch. Es erschütterte das gesamte Gebäude.

Hinter den Kulissen war ebenfalls schon länger geplant die Manufaktur vom Burgberg zu verlegen. Es gab dabei sogar konkrete Pläne die Manufaktur vollkommen aus Meißen herauszunehmen und in einer anderen Stadt unterzubringen. Diese Entscheidung wäre allerdings für die Stadt Meißen ein schwerer Schlag gewesen. Obwohl die Manufaktur damals nur rund 400 Angestellte zählte, so waren es doch mit ihren Familien fast 1.600 Personen, welche bald ein Fünftel der Einwohnerschaft darstellte.

König Johann von Sachsen in Meißen

Am 20. Oktober 1855 kam König Johann von Sachsen nach Meißen und verkündete, dass die Porzellanmanufaktur der Stadt Meißen bei einer Verlegung für alle Zeiten erhalten bleiben soll. Für die Manufakturisten und die Bürger der Stadt waren diese Worte eine große Beruhigung und brachten eine gewisse Erleichterung. König Johann trieb nun den Auszug weiter voran. Die Stadt Meißen bekam die Aufgabe geeignete Plätze vorzuschlagen und zur Verfügung zu stellen. Bald schon konnte man vier Orte in die engere Wahl ziehen. Zunächst war dabei auch eine Verlegung auf die rechte Elbuferseite im Gespräch. Allerdings hätte man damit dann doch der Stadt Meißen die neue Porzellanmanufaktur ganz entzogen. Die Nachbargemeinden Cölln, Niederfähre und Spaar waren in dieser Zeit noch alle selbstständig. Man musste mit derartiger Entscheidung also befürchten, dass Handwerker aller Klassen, Fleischer, Bäcker und andere Gewerke, schwere Verluste haben werden. Die Idee war damit schnell wieder vom Tisch.

Die vier geplanten Standorte

Bei der weiteren Standort-Suche in der Stadt konnte man bald vier Plätze für einen Neubau der Porzellanmanufaktur vorschlagen und in die engere Wahl ziehen.

Standort Holzhof am Fuße des Schlossberges

Zunächst sprach die Hochwassergefahr im Elbtal gegen einen Neubau. Man hätte das Gelände kostenintensiv höherlegen müssen. Zudem hätte man die angrenzenden Gärten und Grundstücke der Fischergasse ankaufen müssen, was offenbar als zu kostenintensiv angesehen wurde. Der Standort wurde schließlich wieder verworfen.

Platz an der Untergasse

Obwohl der vorhandene Platz an der „neuen Bürgerschule“ (Rote Schule) und dem Plossen geräumig genug war, bestand auch hier eine Hochwassergefahr durch Elbe und Triebisch. Für den Standort sprach lediglich die Elbnähe für den Transport. Der Standort wurde schließlich wieder verworfen.

Holzhof auf dem Neumarkt

Der geplante Standort wurde ebenfalls wieder verworfen. Ein Grund dafür war, dass das Gelände und der Holzhof dem Königreich Sachsen, und nicht der Stadt gehörte. Obwohl man davon ausging, dass sich die Gesamtkosten, durch die Einsparung der bisherigen hohen Transportkosten nach der Burg bald amortisieren, legte man den Plan zu den Akten.

Gelände an der Triebischaue im Triebischtal

Der Platz wurde bald zum Favoriten, denn schon die Geländefrage stand recht günstig. Der Platz an der Triebischaue gehörte der Stadt Meißen. Bald wurde bekannt, dass es sich beim Neubau der Porzellanmanufaktur mehr um einen zweckmäßigen als um einen architektonisch verzierten Neubau handeln werde. Auch für den Transport vom benötigten Holz für die Brennöfen gab es eine Idee, welche ebenfalls den Versand des Meißner Porzellans betraf.

Eine schiffbare Triebisch

Es war in der Planungsphase lange Zeit vorgesehen, die Triebisch für die eventuellen Standorte Neumarkt und Triebischtal schiffbar zu machen. Das benötigte Baumaterial und später auch das Brennholz sollten per Floß oder Lastkahn bis zur Manufaktur gebracht werden. Das Triebischbett hätte demnach von der Einmündung an der Elbe an der Karlsbrücke bis zur Talstraße verbreitert werden müssen. Vermutlich war es eine Frage der Kosten, denn das Projekt wurde zu den Akten gelegt und auch später nicht mehr hervorgeholt.

Im Jahre 1859 begannen die Bauarbeiten in der Triebischaue, welche 1863 fertiggestellt waren. Im Sommer 1864 begann man mit den Umzug von der Albrechtsburg in das Triebischtal.[1][2]

Literatur

  • Rat des Kreises Meißen und Kulturbund: Meißner Heimat, Heft September 1957.
  • Otto Walcha: Meißner Porzellan – Von den Anfängen bis zur Gegenwart, VEB Verlag der Kunst Dresden, Zweite Auflage, 1975.

Einzelnachweise

  1. Bernhard Hansen: Verlegung der Porzellanfabrik – aber wohin?, in Meißner Heimat, Heft September 1957, S. 13 und 14.
  2. Otto Walcha: Meißner Porzellan – Von den Anfängen bis zur Gegenwart, VEB Verlag der Kunst Dresden, Zweite Auflage, 1975, S. 191 bis 200, 461.