Die blauen Schwerter – Meissen in der DDR (Buch)

Buchtitel Die blauen Schwerter-Meissen in der DDR 2025.

Die Publikation Die blauen Schwerter – Meissen in der DDR (Buch) ist ein Sachbuch von Julia Weber und Sebastian Bank. Die einzelnen Aufsätze wurden noch von weiteren Autoren wie beispielsweise Thomas Flierl, Daniel Fischer und Christian Lechelt geschrieben. Das Buch erschien 2025. Es handelt sich um eine Publikation zur gleichnamigen Ausstellung Die blauen Schwerter. Meissen in der DDR, welche vom 20. September 2025 bis zum 22. Februar 2026 im Japanischen Palais in Dresden zu sehen war. Es war eine Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Das Buch umfasst mehrere Abhandlungen zu den Themen:

  • Porzellan und Politik
  • Das neue Schaffen
  • Devisen, Devisen, Devisen
  • Manufakturgeschichte(n)

In der gestalteten Ausstellung sowie im Buch sollte über Leben und Alltag der 40-jährigen Geschichte der DDR berichtet werden, damit diese Geschichte nicht vergessen wird. Ein weiterer Schwerpunkt war das Arbeiten und Leben in und mit der Porzellanmanufaktur Meißen im zweiten deutschen Staat DDR. Es ging den Autoren darum, die Erinnerungen an jüngere Generationen weiterzugeben. So jedenfalls steht es im Geleitwort, verfasst von Dr. Bernd Ebert, welcher, wie er selbst angibt, in West-Berlin aufwuchs und lebte.

Daten zum Buch

  • Staatliche Kunstsammlungen Dresden und Ch.Links Verlag, Berlin
  • Redaktion: Julia Weber, Sebastian Bank
  • ISBN 978-3-96289-238-8
  • Druck und Verarbeitung: Druckerei Thieme Meißen
  • Umfang: 280 Seiten
  • Ausgabejahr 1. Auflage: 2025

Buchbesprechung und Kritik

Die Bewertung ostdeutschen Lebens, hier speziell die Arbeit in der Porzellanmanufaktur Meißen, liegt oft daneben. Heute leider keine Seltenheit, wenn Leute ihr Wissen über die DDR, aus Zeitungsberichten oder Büchern aus dem „Westen“ den Vorzug geben und nicht aus persönlichem Erleben berichten können oder auch gar nicht wollen. Es ist daher auch kein Wunder, dass dann die einzelnen Autoren vorwiegend aus den alten Bundesländern stammen und nun als Historiker und Kenner der DDR auftreten. Schon allein diese Tatsache, war dem Gesamtprojekt kaum dienlich, denn es reihen sich dem Leser immer wieder Fehler, unbelegte Behauptungen oder sogar Unkenntnis auf. Beispiele finden sich im Buch leider genug. Ermüdend ist schon allein die Tatsache, dass man fast in jeder Abhandlung, die Hinweise über die „devisenschwache DDR“ findet. Auch die Feststellung, dass man praktisch in der DDR mit allen Mitteln nach „Valuta“ gierte, wird zum Standardsatz und wiederholt sich fast schon pathologisch und wirkt monoton. Nach 35 Jahren Deutscher Einheit hätte man durchaus mehr Objektivität erwarten können.

Zudem muss man konstatieren, dass sich kaum ein „echter“ DDR-Zeitzeuge unter der Vielzahl der Autoren befindet. Die Frage „Wozu das Buch?“ drängt sich dem Ost-Leser praktisch auf. Anhand von vier Beispielen soll das Buch betrachtet werden.

Beispiel Nr. 1

Kapitel „Neue Serviceformen von Emil Paul Börner“, Seite 59 bis 61: Der Autor Christian Lechelt verurteilt den Porzellankünstler E. P. Börner gleich zu Beginn seiner recht kurzen Ausführung zum Sympathisanten des Dritten Reichs und bezeichnet ihn als „Opportunisten“ und erfolglosen „Intriganten“ der Manufaktur Meißen. Entsprechende Belege oder gar Quellen bleibt er schuldig. Haltlose Anschuldigungen finden sich ebenfalls in seiner Dissertation über Börner, welche der Autor als Quelle angibt. Darin räumte Ch. Lechelt an vielen Stellen ein, dass es zu den Anschuldigungen gar keine entsprechenden Belege gibt. Anlass zur Kritik gibt auch die Feststellung: „Ihm gelangen die ersten stimmbaren Porzellanglocken ...“. Wahr ist dagegen, dass es E. P. Börner gemeinsam mit Max Hermann Dietze und Ernst Fritz Gottschling im Jahre 1927 gelungen war stimmbare Porzellanglocken herzustellen. Nochmals greift der Autor in die dunkelste Kiste Deutschlands um den Manufakturisten zu beschuldigen. E. P. Börner musste nach dem Wissen vom Autor Ch. Lechelt, im Jahre 1938 die Porzellanmanufaktur Meißen als „Persona non grata“ verlassen. Die Faktenlage liegt tatsächlich ganz anders. Bereits am 1. April 1937 erhielt Börner eine Professur an der Dresdner Akademie für Kunstgewerbe mit Lehrtätigkeit. Er verließ daher 1938 die Porzellanmanufaktur im Triebischtal um sich ganz der Lehrtätigkeit zu widmen. Im Jahre 1942 bekam E. P. Börner dann noch eine zweite Professur mit Lehrtätigkeit an der Kunsthochschule Dresden übertragen. Vom Verlassen als „Persona non grata“ kann daher wohl kaum die Rede sein. (Der Verfasser vom Beitrag Christian Lechelt wurde in Wolfenbüttel geboren. Er schrieb 2013 die Promotion an der Universität Hamburg zum Thema „Emil Paul Börner“ und bekam dafür den Doktortitel. Ch. Lechelt ist seit 2016 Leiter des Museums Schloss Fürstenberg in Niedersachsen.)

Beispiel Nr. 2

Kapitel „Eine Meissener Madonna für den Papst“, Seite 76 bis 79: Die Autorin Julia Weber berichtet auf drei Seiten über die Madonnenfigur mit Kind aus Meißner Porzellan, welche beim Staatsbesuch von Erich Honecker 1985 im Vatikan, Papst Johannes Paul II. als Geschenk überreicht wurde. Ausgiebig erläutert die Autorin im Aufsatz angebliche Herstellungs-Probleme, welche angeblich durch „fehlende Devisen“ zustande kamen. Die Madonna konnte damals nach ihrer Meinung erst als Staatsgeschenk hergestellt werden, nachdem man sie mit Valuta bezahlt hatte. Da E. Honecker aber offenbar keine Valutamark hatte, musste Alexander Schalck-Golodkowski, Leiter des Bereichs Kommerzielle Koordinierung im DDR-Ministerium für Außenhandel persönlich einspringen und in D-Mark bezahlen. Erst jetzt konnte man die Madonna in der Porzellanmanufaktur herstellen.

Wahrheit oder nur Boulevardzeitungshorizont? Quellen liefert die Autorin nicht. Es werden dazu einige Artikel aus westdeutschen Gazetten von einst benannt, welche den Honecker-Besuch 1985 in Italien und im Vatikan besonders im Fokus hatten. (Die Verfasserin vom Beitrag Julia Weber wurde in Wertingen geboren und arbeitete unter anderen in Dortmund und München. Sie ist seit 2016 die Direktorin der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.)

Beispiel Nr. 3

Kapitel „Mit neuen Produkten für den neuen Markt – Meissen und die Kunst und Antiquitäten GmbH“, Seite 188 bis 193: Dieser Aufsatz liest sich wie ein Krimi. Er ist zwar spannend erzählt, jedoch hat man den Eindruck, alles schon hundertmal gelesen zu haben. Die Rollen sind auch hier klar verteilt, denn die Schuldigen sind wieder einmal in der DDR zuhause gewesen. Es wurde Verkauft, Verschleppt, Versteigert und Verhökert, trotzdem wird offenbar vergessen, dass zum Deal immer ZWEI gehören. Es wird im Aufsatz wieder einmal über die zahlreichen Depots in Mühlenbeck der Kunst und Antiquitäten GmbH erzählt und so ganz am Rande wird auf Seite 192 der tatsächliche Milliardenkredit an die DDR von 1983, zum „Millionenkredit“. Selbstverständlich ist die Autorin in der Lage die wahren Täter von einst zu benennen. Die Benannten wurden jedoch niemals Verurteilt und auch noch nach 35 Jahren Deutsche Einheit spricht keiner von Hehlerware und schon gar nicht über die späteren Käufer westlich der Elbe. Wenigstens wird dazu angemerkt, dass so manche Rollen in der diesbezüglichen deutsch-deutschen Geschäftslandschaft noch nicht gänzlich aufgearbeitet sind. Für die östliche Elbseite dagegen sind die moralischen Urteile seit Jahrzehnten gesprochen und werden nun ständig wiederholt. Doch sei es wie es sei. Als Insiderin der „DDR-Meißen-Szene“ kann man die ehemalige Dresdnerin jedenfalls nicht bezeichnen. Auf Seite 188 stellt die Autorin über den Verkauf von Meißner Porzellan in der DDR fest: „Mangelhafte Ware verblieb in der DDR und wurde in den Verkaufsstellen in Meißen und Berlin angeboten – sofern sie ausreichend zur Verfügung stand.“ Ein Irrtum, denn in der Meißner Porzellan-Verkaufsstelle am Marktplatz in Meißen, sowie in den Verkaufsräumen in Berlin, Unter den Linden, gab es am Eingang ein Schild mit dem Hinweis: „Verkauf nur gegen frei konvertierbare Währung!“. Mangelhafte Ware gab es dort nicht! Auch diese Frage hätte jeder Berliner oder Meißner, der dort in dieser Zeit lebte, spontan beantworten können. Nur gefragt hat man sie nicht. (Die Autorin Marlen Topp wurde 1981 in Dresden geboren. Sie ist seit 2017 als Mitarbeiterin der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern u. a. für den Schwerpunkt „Kulturgutentzug aus der SBZ und der DDR“ zuständig.)

Beispiel Nr. 4

Kapitel „Meissener Medaillen aus Böttgersteinzeug und Porzellan“, Seite 251 bis 255: Die Fachautorin und heutige Direktorin des Münzkabinetts Dresden und zugleich Interimsdirektorin der Ethnographischen Sammlung Dresden, Sylvia Karges, hat sich den bei unzähligen Sammlern auf der ganzen Welt begehrten Münzen und Medaillen aus Meißner Feinsteinzeug und Porzellan angenommen. Aber nicht nur deren angenommen, sondern sie auch im Buch indirekt als überflüssigen Talmi und Massenprodukt abgestuft. Damit stellt sie sich jedoch selbst in die numismatische Ecke. Gleiches gilt für die Qualität und Kompetenz ihres Beitrages im vorliegenden Buch. Über die Medaillenherstellung aus Böttgersteinzeug und Biskuitporzellan in der DDR, behauptet sie auf Seite 251: „Demgegenüber war die Quantität der Medaillenproduktion in der DDR überwältigend ... Ihrem Charakter nach sind die Medaillen eindeutig dem Auszeichnungssystem der DDR zuzuordnen und bilden somit einen sichtbaren Teil der sozialistischen Lebensrealität bis 1990.“

So werden dann auch die beliebten Zutrittsplaketten zum Meißner Weinfest von ihr mit dem DDR-Abzeichen zum „Aktivisten“ in den gleichen schmutzigen Eimer geworfen und umweltfreundlich entsorgt. Und dass alles aus dem Munde einer numismatischen Koryphäe. Aber damit nicht genug, denn die Autorin schweift recht schnell von den Meißner Medaillen ab und verfängt sich in einer langen Schwafelei über den Ordenhersteller der DDR „PRÄWEMA“ sowie deren Metalllegierungen. Dort gab es jedoch gar keine Abzeichen und Orden aus Meißner Porzellan. Spätestens jetzt sollte der letzte Leser bemerkt haben, wohin die Reise der Autorin gehen soll.

Die erste große Zeit der Medaillenherstellung an der Porzellanmanufaktur Meißen in den 1920er Jahren und auch noch danach, wird dann gar nicht erst beachtet, denn der Autorin geht es ja um die DDR. So fehlt auch logischerweise die Feststellung, dass es an der Manufaktur Meißen bereits eine quantitativ ähnliche Herstellung gegeben hatte und wenn man es so betrachten möchte, die Medaillenproduktion bis 1990 eine Art Renaissance war. Es fehlt natürlich auch ein Hinweis auf den ersten Katalog über Porzellanmünzen- und Medaillen, 1923 zusammengestellt von Ernst Otto Horn aus Meißen. Horn führte darin alle damals bekannten Exemplare auf und benötigte bereits zur Auflistung über 40 Seiten. Doch egal. Die Autorin weist lieber wiederholt den Leser auf die großen Auflagenhöhen der Porzellanmedaillen in der DDR hin und bekräftigt alles nochmals mit ihrer vorgenommenen Einordnung in das „Auszeichnungssystem der DDR“. Sie verrät jedoch nicht, dass es sich dabei ausschließlich um Auftragswerke, also vom Auftraggeber bestellte Medaillen, handelte. Porzellanmedaillen aus der Manufaktur Meißen wurden keinesfalls in der DDR-Zeit hergestellt und dann „verordnet“ an Frau und Mann gebracht. Sie mussten auch nicht als „Überplanbestand“ eingelagert werden! Doch viel lieber rechnet man dem Leser die Gesamtauflage aller hergestellten Medaillen zusammen, um das bereits ausgesprochene Urteil „Massenware“ nochmals zu unterstreichen.

Fazit

Mancher der das Gesamtwerk aufmerksam gelesen hat, wird sich sicherlich fragen: Um was ging es eigentlich den Autoren? Wollten sie tatsächlich gemeinsam eine Begleitpublikation zur Ausstellung „Die blauen Schwerter – Meissen in der DDR“ verfassen und über Leben und Alltag der DDR, sowie den Manufakturisten aus Meißen berichten? Wohl kaum! Die Publikation zeigt leider, dass es den Autoren an einer objektiven und sachlichen Recherche gänzlich fehlte. An zu vielen Stellen triftet man von geschichtlichen Fakten ab und das eigentliche Sachbuch wird zur persönlichen „Abrechnung“ mit der DDR.