Die besonderen Boten der Stadtsparkasse

Werbeanzeige der Städtischen Sparkasse Meißen und der Stadtbank Meißen – Stadtgirokasse von 1926.

Eine recht ungewöhnliche Dienstleistung erbrachten ab 1913 Die besonderen Boten der Stadtsparkasse Meißen. Die Stadtsparkasse war in dieser Zeit im Rathaus untergebracht.

Ab diesem Jahr bestand für die Kunden der Stadtsparkasse Meißen die Möglichkeit die Spareinlagen direkt vom Wohnort abholen zu lassen. Dafür setzte die Stadtsparkasse besondere Boten ein. Ziel war es der Bequemlichkeit der potentiellen Sparer Rechnung zu tragen. Der Service wurde offenbar damals von der Kundschaft gern angenommen, was sich anhand der steigenden Einlagen belegen lässt.

Das Konzept war erfolgreich denn es wurden im Jahre 1914 von insgesamt 1.583 Sparern Einlagen von 57.110 Mark durch die Boten eingeholt. Im Jahre 1918 waren es bereits 124.102 Mark die von 2.382 Sparern abgeholt worden sind.

Weiterer Service

Ab 1913 bekam jedes in der Stadt Meißen geborene Kind von der Stadtsparkasse gratis ein Sparbuch mit 1 Mark Einlage geschenkt. Erst 1922 wird diese Art Stiftung mit der Übergabe eines künstlerisch gestalteten Gedenkblatt abgelöst. Verbunden war das Gedenkblatt mit einem Gutschein für 3 Mark. Der Gutschein wurde mit der Eröffnung eines Sparbuches bei der Stadtsparkasse und der Einzahlung einer weiteren Geldsumme eingelöst. Ziel war es die Kindeseltern zum Sparen für ihr Kind anzuregen.[1]

Hintergründe Stadtsparkasse

Die Stadtsparkasse Meißen verfolgte vordergründlich wirtschaftliche Ziele. Sie wurde bereits am 1. Januar 1837 durch die Stadt Meißen übernommen. Vorgänger war die „Sparkasse des privaten Meißner Sparkassen-Vereins“. Der fürsorgerische Gedanke blieb mit der Übernahme erhalten und spielte auch weiterhin eine große Rolle. So durfte beispielsweise der Gewinn, der nach Auffüllen des Reservefonds (4.000 Taler) verfügbar war, nur für gemeinnützige Zwecke verwendet werden. Mit der Sicherheitsrücklage für Kreditausfällen (Reservefond) begann man mit der Bildung von Eigenkapital. Damit konnte man das Haftungsrisiko der Stadt relativ geringhalten. Ab dem 1. Januar 1900 wurden „Zahlstellen“ im Stadtgebiet eröffnet und 1909 war die Aufnahme des Giroverkehrs. Später wurde die „Städtische Sparkasse Meißen und die „Stadtbank Meißen – Stadtgirokasse gegründet.[2]

Im Jahre 1913 erfolgte die Neueinrichtung des Sparkassenraumes. Zudem wurde mit einem Kostenaufwand von 8.901 Mark eine feuerfeste und einbruchssichere Stahlkammer mit vermietbaren Fächern gebaut. Der Kundschaft standen somit 150 Sparkassenfächer und 92 Normalfächer in den verschiedensten Größen zur Verfügung.[3]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Günter Naumann: Meißner Geschichte in Daten 929-1993. Kreissparkasse Meißen, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 1993, S. 168 und 169.
  2. Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5, S. 308 und 309.
  3. Günter Naumann: Meißner Geschichte in Daten 929-1993. Kreissparkasse Meißen, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 1993, S. 169.