Die Stadtsparkasse Meißen im Ersten Weltkrieg und nach der Inflation

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Gutschein über 1 Billion Mark. Ausgegeben durch den Stadtrat zu Meißen 1923.
Gutschein der Meißner Schamotte- und Tonwaren-Fabrik 1923.

Die verbliebenen Mitarbeiter der Stadtsparkasse Meißen hatten im Ersten Weltkrieg und auch in den darauffolgenden Jahren eine harte Arbeit zu leisten. Besonders während der Inflation hatten die Beamten und Mitarbeiter, meist unter persönlichen Opfern stets ihr Bestes in den Diensten der Kunden zu leisten. Aber auch danach mussten im Rahmen der Aufwertung von Alt-Sparguthaben vielfach Höchstleistungen vollbracht werden.

Hintergründe

Der Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 brachte auch für die Stadtsparkasse Meißen eine Fülle von neuen Aufgaben. Oftmals war die Arbeit nur noch Mithilfe von Hilfskräften zu bewältigen, da man auch Mitarbeiter der Stadtsparkasse eingezogen hatte.

Erster Weltkrieg

Die Stadtsparkasse Meißen wurde in dieser Zeit auch als „Zeichnungsstelle für Kriegsanleihen“ herangezogen. Es wurden zwischen 1914 und 1918 allein in Meißen insgesamt 7.729.300 Mark gezeichnet. Zudem wurden in dieser Zeit 50.000 Mark auf die sogenannten „Kriegssparkonten“ der Stadtsparkasse eingezahlt, welche die Kriegsteilnehmer aus dem Feld in den Heimatort überwiesen hatten. Diese Gelder durften erst zwei Jahre nach dem Kriegsende abgehoben werden und mussten mit 5 % verzinst werden.

Inflation

Die Zeiten der Hochinflation war geprägt von Notgeldausgaben und Gutscheinen. Viele Meißner Firmen zahlten den wöchentlichen Lohn nur noch in Gutscheinen aus. Hatte ein Dollar Anfang des Jahres 1922 noch 45 Mark gekostet, waren es im Juni schon 75 Mark, im August 270 Mark und im Dezember 1.807 Mark. Allerdings war das Ende noch lange nicht erreicht. Die Brotpreise waren schließlich Ende November 1923 auf 201 Milliarden Mark für ein Brot gestiegen. Am 19. November 123 wurde beispielsweise vom Stadtrat zu Meißen ein Gutschein über „Eine Billion Mark“ ausgegeben, welcher nach Aufdruck, an allen städtischen Kassen eingelöst wurde. Vom Feuerbestattungsverein Meißen ist bekannt, dass man auch sogenannte „Roggenscheine“ (Roggengeld) ausgegeben hatte. Diese Ausgaben waren damals schon nicht mehr an einer Währung, sondern an einer bestimmten Menge Roggen verbrieft.

Mit dem sich andeutenden Ende der Inflation nahm auch die Stadtsparkasse Meißen am 15. Oktober 1923 den „Goldsparmark-Verkehr“ auf.

Nach der Inflation

Die gesamten Einlagen der Stadtsparkasse von 1.038 Billionen Papiermark hatten am Ender der Hyperinflation nur noch einen Wert von 1.038 Goldmark (Reichsmark). Die Einlagen erholten sich dabei nur langsam. Sie betrugen:

  • 1925: 586.511 RM (Reichsmark)
  • 1926: 1.504.460 RM
  • 1927: 2.882.675 RM

Bis zum Ende des Jahres 1927 konnte in dem Zusammenhang der Gesamtbetrag von 61.075 RM wieder an über 60 Jahre alte Sparer ausgezahlt werden.

Stadtsparkasse verkaufte Versicherungen

Bereits Anfang 1924 war die Stadtsparkasse Meißen dem „Verband der Öffentlichen Lebensversicherungsanstalten der Sparkassen im Freistaat Sachsen“ beigetreten und durfte nun auch Lebensversicherungen für Rechnung abschließen. Ab 1928 wurde der Umfang noch auf Unfall-, Haftpflicht-, Autokasko-, Transport- und Reisegepäck-Versicherungen ausgedehnt. Sie durfte nun auch die entsprechenden Versicherungsprämien einziehen. Beispielsweise gab es bei der Stadtsparkasse im Jahre 1926 insgesamt 110 Versicherungsabschlüsse mit der Versicherungssumme von 489.000 Goldmark.[1]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Günter Naumann: Meißner Geschichte in Daten 929-1993. Kreissparkasse Meißen, Druck: Druckerei Thieme, Meißen 1993, S. 170, 179 und 180.