Der Galoppschuster
Ein Holzpantoffelmacher, welcher den Namen „Banig“ trug und der seine Werkstatt am Baderberg hatte, war um 1900 in der Stadt, besonders bei den Kindern wohl bekannt. Er bekam seinen Namen durch die Meißner Bürger, weil er auf den Straßen der Stadt nur im Laufschritt anzutreffen war.
Die Sage
Ein plötzlich einsetzendes Freudengeheul der Meißner Gassenkinder setzte ein und kurz darauf sollten sogar alle Erwachsenen stehenbleiben. „Ga-lopp, Ga-lopp, Ga-lopp“, ertönte es aus dem Hinterhalt und aus den Hauseingängen, ja sogar aus den geöffneten Fenstern war dieses „Ga-lopp“ zu hören. Gleichzeitig vernahm man ein lautes klapperndes Getrampel auf der Straße. Ein schon älterer mittelgroßer Mann mit blauer Schürze, die Brille auf der Nasenspitze und einen Holzpantoffel drohend nach den Rufern erhoben in der Hand, raste den Baderberg hinauf. „Der Galoppschuster Banig“. Er war ein Holzpantoffelmacher, den man nur rennend in den Meißner Gassen sah. Seine Geschwindigkeit wuchs im Laufe des Tages und mit dem Genuss von konsumierten geistigen Erfrischungen. Das laute klappern der eigenen Holzpantoffeln kündigte ihn an, wenn er einmal wieder etwas repariert oder hergestellt hatte und nun an seine Kunden auslieferte. Im Galopp natürlich.
Am Sonntag soll der Galoppschuster ebenfalls stets in guter Stimmung gewesen sein, denn da putzte er sich heraus und war meist schon kurz nach dem Kirchgang reichlich angetrunken. Im Frack und Zylinder und den Tragekorb mit Holzpantoffeln auf dem Rücken, bot er wahrlich ein ergötzliches Bild, wenn er seine Ware am Markt feilhielt. Laut wetterte er dann zum Spaß der Kinder, auf die evangelischen oder katholischen Mitbürger von Meißen, je nachdem wie er gerade sein Bekenntnis gewechselt hatte. Wo er wohnte und wo genau sein Geschäft war, ist leider nicht überliefert. Doch der Name „Galoppschuster“ blieb in zahlreichen Legenden noch bis heute bekannt.[1]
Literatur
- Benno Zeidler: Kleine Parade von Meißner Originalen, Sonderausgabe Tausend Jahre Meißen, Dresdner Nachrichten, 1. Juni 1929.
Einzelnachweise
- ↑ Benno Zeidler: Kleine Parade von Meißner Originalen, Sonderausgabe Tausend Jahre Meißen, Dresdner Nachrichten, 1. Juni 1929.