Der „Tausendjährige Kuchen“


Der „Tausendjährige Kuchen“ ist ein relativ einfacher Kuchen, der nur mit wenigen Zutaten gebacken wird und sehr lange frisch und haltbar ist. Als Triebmittel wird keine Hefe, sondern Backpulver verwendet. Das Rezept wurde in der Zeit um die Tausendjahrfeier der Stadt Meißen von einigen Bäckern im Triebischtal wieder aufgegriffen. Vermutlich ist die Kuchen-Rezeptur noch viel älter, da man bereits um 1893 Backpulver verwenden konnte. In einigen Kochbüchern aus der Zeit um 1929, sind ähnliche Rezepte sowie vergleichbare Bezeichnungen, wie zum Beispiel „Tausendjähriger Kuchen“ zu finden.[1]
Hintergründe Tausendjahrfeier
Die Festlichkeiten und offiziellen Veranstaltungen zur Tausendjahrfeier der Stadt Meißen konzentrierten sich 1929 vorwiegend auf die Zeit vom 1. Juni bis zum 9. Juni 1929. Doch bereits schon viele Jahre zuvor wurden die verschiedensten Aktivitäten in Hinsicht auf die Feier geplant und durchgeführt. In dieser Zeit gab es überall Aktivitäten, es wurde beispielsweise ein Werbefilm gedreht, ein Plakatwettbewerb ausgelobt und das 735 Seiten umfassende stadtgeschichtliche Werk „Tausend Jahre Meissen“ von Dr. Helmuth Gröger erschien in den Buchhandlungen der Stadt. Vermutlich wollten sich an den vielen Aktivitäten auch die Meißner Bäcker beteiligen und kreierten einen eigenen Kuchen zum Stadtjubiläum. Der Kuchen wurde gern von den Gästen gekauft und sogar in die Heimatorte mitgenommen.
Geschichte
Beim Abriss des Backofens der ehemaligen Bäckerei Hermann Richter im Hintergebäude vom Wohnhaus Talstraße Nr. 58 im Jahre 1972, wurde ein kleines Heft mit Kuchen-Rezepten gefunden. Darunter befand sich ebenfalls eine Rezeptur für den „Tausendjährigen Kuchen“. Es war vermerkt, dass der Kuchen nicht sofort gegessen werden sollte, da sich sein Aroma erst nach einigen Tagen voll entwickelt hat. Zudem bleibt der Kuchen, abgedeckt mit einem Leinentuch sehr lange frisch. Es war auch noch vermerkt, dass die Bäckerei den „Tausendjährigen Kuchen“ besonders gut im Jahre 1929 verkaufen konnte. Dazu wurde er noch dekorativ und zum Mitnehmen verpackt. Einige Meißner Bäcker zogen bald nach und hatten den Kuchen ebenfalls im Angebot. Ein geschickter Werbetrick brachte damit um 1929 den „Tausendjährigen Kuchen“ eine Renaissance. Er wurde zum „Tausendjahrfeier-Kuchen“. Später geriet offenbar das Rezept wieder in Vergessenheit.
Rezept
Für den Teig braucht man 250g Mehl, 250g Vollfettmargarine (min. 80 % Fett), 250g Zucker, 4 Eier, 1 Päckchen Backpulver, 50g geriebene süße Mandeln, 5g geriebene bittere Mandeln oder etwas Bittermandel-Aroma, 80g Rosinen, die geriebene Schale einer unbehandelten Zitrone und etwas Orangenschale einer unbehandelten Orange.
Zunächst Eigelb und Eiklar der beiden Eier trennen. Die zimmerwarme Margarine schaumig rühren, dazu die beiden Eigelb geben und kurz vermischen. Jetzt das Backpulver und das Mehl hinzugeben und den Teig gut abtreiben (schaumig Rühren) damit er eine krümelige Konsistenz erhält. Nun erst den Zucker löffelweise zugeben. Anschließend die Zitronenschale, die geriebenen Mandeln, die Rosinen und die Orangenschale unterrühren. Die vier Eiklar zu Schnee schlagen und dann vorsichtig unter den Teig ziehen.
Nun kann der Backofen auf 170 bis 180 Grad (Umluft 160 Grad) vorgeheizt werden. Den Teig in eine Napfkuchenform (Bäbe) geben und bei gleichmäßiger Hitze ca. 75 Minuten backen.
Vor dem Servieren wird der Tausendjährige Kuchen noch mit Puderzucker bestäubt oder er bekommt eine Glasur aus Zuckerguss.
Besonderheit
Der Kuchen schmeckt viel aromatischer, wenn er bereits einige Tag verpackt „ziehen“ konnte. Der Kuchen ist lange haltbar und hält sich sehr lange frisch.
Literatur
- Kuchenrezept der Bäckerei H. Richter, Talstraße Nr. 58 (Abschrift).
- Schichtʼs Kochbuch – Ausgewählte Rezepte, Band 1 – Mehlspeisen, ohne Verlagsangabe, 1929.
Einzelnachweise
- ↑ Vergleiche dazu: Schichtʼs Kochbuch – Ausgewählte Rezepte, Band 1 – Mehlspeisen, ohne Verlagsangabe, 1929, S. 27.