Das kleinste Porzellan-Service der Welt

Ein Porzellan-Service auf der Hand.
Das kleinste Porzellanservice der Welt (Ausschnitt 1).
Das kleinste Porzellanservice der Welt (Ausschnitt 2).

Das kleinste Porzellan-Service der Welt war um 1910 eine keramische Sensation aus Meißen. Der Modelleur und Porzellankünstler Otto Kretschmar schuf ein 142-teiliges Porzellanservice, welches auf der Fläche einer Frauenhand bequem Platz hatte. Die Porzellangegenstände hatten lediglich ein Tausendstel des Rauminhalts ihrer großen Vorbilder aus einer „großen“ Porzellanfabrik aufzuweisen und wurden mit verschiedenem Dekor hergestellt. Der Meißner Künstler O. Kretschmar betrieb damit in dieser Zeit auch die kleinste Porzellanfabrik der Welt.

Wie viele Service von O. Kretschmar hergestellt und verkauft wurden ist nicht bekannt. Im Jahre 1949 gab es laut einer Pressemeldung noch zwölf komplette Service, die sich alle im Privatbesitz vom O. Kretschmar befanden.

Geschichte

Der Modelleur Otto Kretschmar führte um 1912 an einigen Adressen in Meißen ein Atelier für kunstgeschichtliches Modellieren und Formgießen. O. Kretschmar hatte damals sein Geschäft und die Werkstatt im Stadtteil Cölln im Wohnhaus Hafenstraße Nr. 26. Er selbst wohnte im Wohnhaus Hafenstraße Nr. 4.[1]

Auftrag und Hilfsmittel

Um 1910 hatte der Modelleur den Privatauftrag angenommen, das kleinste Service der Welt, in Nachbildung der Erzeugnisse der Porzellanmanufaktur Meißen, zu schaffen. Es handelte sich um ein „Speise-, Kaffee- und Waschservice aus Porzellan für 12 Personen.

Die Arbeiten daran beschäftigten O. Kretschmar bis 1913. Er schuf sich dazu zunächst noch in der Wohnung eine Miniaturfabrik. Es wurde gedrechselt und geschnitzt. Es mussten Formen gegossen und Maschinen wie eine Töpferscheibe aufgebaut werden. Als hauseigene „Schlemmerei“ für die Porzellanmasse diente ein Sektkühler. Um das Porzellanmehl möglichst fein zu sieben, baute O. Kretschmar mit einem Freund ein selbstverfertigtes Sieb. Das Sieb hatte 2.700 Maschen pro Quadratzentimeter. In Ruhelage drang kein Tröpfchen Wasser hindurch, und trotzdem wurde das Porzellanmehl damit gesiebt.

Die besondere Porzellanmasse

In technischen und chemischen Überlegungen schuf O. Kretschmar eine Porzellan-Rezeptur, das der Festigkeit des Porzellans ungeahnte Qualitäten gab, welche damals die Fachwelt in Erstaunen versetzt haben soll. Die Zusammensetzung der eigenhändig geschaffenen „Masse“ blieb bis 1949 unbekannt. Seine Erzeugnisse wurden später auf Antrag in der Porzellanmanufaktur im Triebischtal bei 1.640 Grad gebrannt. Mit der Qualität war man sehr zufrieden. Nach Pressebericht, soll es sich auch nur um eine Ausschussquote von weniger als 0,5 Prozent gehandelt haben.

Ein Service mit 142 Teilen

Perfektion auf der gesamten Linie, so stellte man damals fest. Es fehlte keiner Kanne der durchbrochene Schnabel, keiner Tasse der geteilte Henkel, keinem Deckel die kaum sichtbare Rose. Die Bemalung war ohne Makel und ohne Fehl. Das Meisterwerk sollte einst sogar einen Platz im „Grünen Gewölbe“ bekommen, was vermutlich aber nicht geschah. Das Service dekoriert mit Indisch-Malerei und Goldrand kostete 47.432 Mark.

Verbleib

Zum Verbleib der angeblich noch 1949 vorhandene zwölf kompletten Service ranken sich heute zahlreiche Versionen und Geschichten. Fakt ist jedoch, dass 1929 ein Service oder auch nur Teile davon, im Besitz vom Meißner Gastwirt vom Elbschlösschen Georg Grundig waren.[2] Die Meißner Firma Brück & Sohn hatte um 1929 Ansichtskarten mit Ausschnitten vom Service gefertigt. Die Rückseiten der Ansichtskarten sind mit entsprechender Werbung „Georg Grundig, Meißen, Elbschlösschen“ versehen.

Als das Interview und anschließend der Artikel in den Zeitungen erschien, war Otto Kretschmar bereits schwer erkrankt. Er war damals davon überzeugt, dass sein Name bald in Vergessenheit gerät, jedoch sein Werk wird wohl unvergessen bleiben. Man wird auch noch in späteren Tagen davon sprechen.[3]

Literatur

  • Adressbücher Meissen, Ausgabe 1912, 1914 und 1950.
  • Pressemeldung: Das kleinste Service der Welt – Besuch bei einem alten Meister der Porzellankunst. In. Neue Zeit, Tageszeitung Nr. 209, Mittwoch 7. September 1949.

Einzelnachweise

  1. ↑ Adressbuch der Stadt Meißen und der Vororte Maisatal und Lercha, Ausgabe 1914, Häuserbuch, S. 73.
  2. ↑ Adressbuch der Stadt Meißen und der Vororte Maisatal und Lercha, Ausgabe 1924, S. 165.
  3. ↑ Pressemeldung: Das kleinste Service der Welt – Besuch bei einem alten Meister der Porzellankunst. In. Neue Zeit, Tageszeitung Nr. 209, Mittwoch 7. September 1949, S. 4.