Werbegrafik der Fabrik Biesolt & Locke um 1900.
Werbeanzeige der Fabrik Biesolt & Locke von 1910.

Das Unternehmen Biesolt & Locke war eine Nähmaschinenfabrik am Neumarkt in Meißen. Die Fabrik bestand von 1869 bis 1914 und stellte Nähmaschinen nach amerikanischen System her. In der Nacht vom 21. April auf den 22. April 1914 brannte die gesamte Fabrikanlage ab und wurde nicht wieder errichtet.

Geschichte

Nach einer Ausbildung zum Maschinenschlosser in Chemnitz gingen die beiden späteren Gründer der Nähmaschinenfabrik in Meißen, Maximilian Reinhold Biesolt (1843-1914) und Julius Hermann Locke (1843-1925), zunächst nach Frankreich und England um sich dort spezielle Kenntnisse der Feinmechanik sowie dem Maschinenbau anzueignen. Am 4. November 1869 gründeten beide die Nähmaschinenfabrik Biesolt & Locke am Neumarkt. Die Anfänge waren relativ bescheiden, denn zunächst gab dort es nur sechs Arbeiter. Im Jahre 1913 waren es bereits über 600 Arbeiter und dazu gab es 60 technische oder kaufmännische Beamte. Gearbeitet wurde an ca. 600 Arbeitsmaschinen. Bereits 1876 konnte in der Fabrik der Dampfbetrieb eingeführt werden.

Im Jahre 1893 wurden bei Biesolt & Locke bereits jährlich ca. 25 000 Nähmaschinen gebaut und 1913 waren es jährlich ca. 60 000 Stück. Viele Modelle erhielten auf Weltausstellungen oder Gewerbeausstellungen erste Preise. Immer wieder gelang es dem Unternehmen auch neue Systeme zügig umzusetzen. So wurden in der Fabrik Langschiff-, Schwingschiff-, Rundgreifer-, Zentralspulen- und Ringschiff-System-Maschinen, in 20 verschiedenen Größen sowie in ca. 150 verschiedenen Ausstattungen gefertigt. Die Nähmaschinen waren begehrt und wurden weltweit exportiert. Für die einzelnen Modelle wurden mehrseitige Gebrauchsanweisungen in 26 Sprachen gedruckt. Firmeneigene Vertreter gab es in ganz Europa. Den Übersee-Export hatte man über die deutschen, englischen, holländischen und belgischen Seehäfen abgewickelt.[1]

Zuletzt hatte die Fabrik mit 800 Mitarbeitern eine tägliche Herstellung von etwa 200 Nähmaschinen.

Nach dem Verlust der Gebäude durch das verheerende Feuer wurde offenbar eine gewisse Zeit noch an anderen Stellen weitermontiert. Eine Werbeschrift vom 15. Juni 1914 gibt darüber Auskunft, dass der Versand von fertig montierten „Afra-Nähmaschinen“ wieder angelaufen ist. Man gab außerdem bekannt, dass an anderen Orten die Montage von Nähmaschinen weitergeht. Insgesamt vier Afrana-Typen sind demnach noch immer im Angebot.[2] Ob es sich dabei nur um Restbestände handelte bleibt ungeklärt.

Produkte

Zunächst hatte man nur sogenannte Familien-Nähmaschinen, die über einer Handkurbel angetrieben wurden hergestellt. Später gab es diese Maschinen auch mit Fußbetrieb. Besonders beliebt war damals die Handnähmaschine „Meissen“. Der spätere damals in Deutschland sehr verbreitete Typ „Afrana“ wurde gleich in 18 verschiedenen Modellen angeboten. Für die Textilindustrie waren noch Copsenmaschinen (Weberei) und Sacknähmaschinen mit dem Namen „NORNE“, „FRIGGA“ und „RHEA“ im Programm. [3]

Schutzmarke

Eine extra 1893 entworfene Schutzmarke zeigt ein kleines Wappen oben links mit den gekreuzten Kurschwertern. Dazu ein aufgestelltes Nähmaschinen-Schiffchen in langer Bauform und den Markmeißnischen Löwen. Diese Schutzmarke zierte ab 1893 jede Nähmaschine von Biesolt & Locke.

Grabstätte

Die beiden monumentalen Grabstätten von M. R. Biesolt und J. H. Locke blieben erhalten und befinden sich auf dem Stadtfriedhof.

Literatur

  • Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen, Sax-Verlag, 2009, ISBN: 978-3-86729-013-5.

Einzelnachweise

  1. Verschiedene Werbeanzeigen und Werbetexte aus Tageszeitungen der Firma Biesolt & Locke zwischen 1900-1913.
  2. Werbebrief der Firma Biesolt & Locke vom 15. Juni 1914.
  3. Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen, Sax-Verlag, 2009, S. 218, ISBN: 978-3-86729-013-5.