Plunderstücke (Beispielfoto).
Pflasterung an der Talstraße im Hintergrund die Bäckerei Schmieder.

Die Bäckerei Richter, war bis zum Ende der 1960er Jahre ein Bäckergeschäft mit einer Hausbäckerei für Christstollen im Meißner Stadtteil Triebischtal in der Nähe der Böttgerstraße. Das Bäckereigeschäft befand sich im Wohnhaus Talstraße Nr. 58 (vorher Haus Nr. 646 C 1) und wurde zuletzt vom Bäckermeister Hermann Richter geführt.

Das Unternehmen

Ein Bäckereibetrieb im Haus Talstraße Nr. 58 ist in den Meißner Adressbüchern von 1885 bis 1950 nachweisbar. Der Bäckermeister Ernst Schmieder hatte um 1880 noch eine Bäckerei an der Schützestraße. zog jedoch nach Fertigstellung des Hauses in der Talstraße Nr. 646 C 1 (heute Talstraße Nr. 58) um. Gegründet wurde dort die Bäckerei mit Weinschank von Bäckermeister Ernst Schmieder. Er betrieb die Bäckerei bis 1921 und übergab dann das Geschäft an seine Tochter Johanna Schmieder. Sie war die Inhaberin und ihr Bruder Otto Schmieder war zunächst noch der Bäckermeister. Der Bäckermeister Hermann Richter heiratete um 1929 Johanna Schmieder, übernimmt die Bäckerei als Inhaber und führt das Unternehmen bis in die 1960er Jahre.[1]

Bäckerei Richter

Das Wohnhaus diente ursprünglich auch als sogenannte „Ausspanne“ an der Straße durch das Triebischtal. Es gab dort Unterkunft sowie Räume zur Unterbringung von Pferden und Wagen der Reisenden auf der geräumigen Hofseite. Die Familie Ernst Schmieder hatte einst das Gebäude mit Seitenflügel erbaut. Im Vorderhaus betrieb man eine Konditorei und Bäckerei nebst Weinschank. Der Sohn Otto Schmieder übernahm später die Geschäfte zusammen mit seiner Schwester Johanna. Johanna Schmieder heiratete den dort angestellten Bäckermeister Hermann Richter und beide betrieben nun Weinschank und Bäckerei weiter. Otto Schmieder heiratete ebenfalls und zog nach Frankfurt am Main. Im hinteren Seitengebäude war die Backstube eingerichtet. Die ursprüngliche kleine Kelterei auf dem Hof wurde später zum „Waschhaus“ umgebaut. Es wurden vorwiegend Obstweine wie Apfelwein, Hagebuttenwein oder Birnenwein hergestellt. Im geräumigen Hauskeller hat man die Weinflaschen gelagert.

Produkte

Neben Brot, Brötchen, Semmeln und Meißner Zeilen, waren verschiedene Obstkuchen, Pfannkuchen, Meißner Honigscheiben und die Meißner Bäbe, sowie die bei den Kindern beliebten Kuchenränder im Angebot. Die Hausfrauen konnten beim Bäcker Richter auch ihre vorbereiteten Kuchen zum sogenannten „Abbacken“ in die Bäckerei bringen. Der Bäcker H. Richter war im Triebischtal auch als „Hutzelbäcker“ bekannt. Der Name stammte offenbar durch die im Geschäft angebotenen Brötchen und Semmeln, welche den Leuten vermutlich zu klein und zeitgleich „hutzelig“ erschienen. Seine angebotenen Kuchen, Plunderstücke sowie Streuselschnecken waren allerdings sehr beliebt.

Die Spezialität des Hauses war jedoch in der Vorweihnachtszeit die Hausbäckerei für Christstollen. Dazu wurden die Zutaten von den einzelnen Familien für die Stollen zum Bäcker Richter gebracht. In der Bäckerei wurden die Stollen zubereitet und gebacken. Danach konnte man die fertigen Stollen abholen.

Einen Bäckereibetrieb gab noch bis in die 1960er Jahre geführt. Danach wurde das Ladengeschäft umgebaut und für Wohnraumzwecke genutzt.

Literatur

  • Adreßbuch Meißen, Jahrgang 1880 bis 1950

Einzelnachweise

  1. ↑ Adressbuch der Stadt Meißen, 1885 bis 1950.