Ausgrabungen auf dem Burghof 1960






Die Ausgrabungen auf dem Burghof 1960 knüpften sich den Ausgrabungen auf dem Burgberg 1959 an. Auch diese Forschungen dienten der Ergründung der ältesten Besiedlungs- und Befestigungsspuren auf dem Meißner Burghof. Es ging darum das Geschichtsbild von Meißen, das für Jahrhunderte einer der wichtigsten Mittelpunkte Sachsens und des ältesten deutschen Staatsgebietes war, weiter aufzuhellen. Die Ausgrabungen wurden von Mitarbeitern des damaligen Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden vorgenommen und begannen bereits im Sommer 1960.
Vorgeschichtliche Erkenntnisse
Nachdem 1910 bei Renovierungsarbeiten im Meißner Dom nicht nur die Grundrisse der Vorläufer des jetzigen Gebäudes, sondern auch Reste einer früheren Besiedlung aufgefunden wurden und 1914 bei Umpflasterarbeiten im Bereiche des ehemaligen Burggrafenhofes am heutigen Burgkeller gut erhaltene Teile eines Bohlenweges freigelegt und Anfang Februar 1958 vor dem Domkeller wiederum im Boden erstaunlich gut konservierte Reste hölzerner Wohn- und wahrscheinlich auch Verteidigungsbauten angeschnitten worden waren, ergab sich für das Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden die Aufgabe zur systematischen Untersuchung.
Bisher hatte man bereits zwei kürzere Grabungskampagnen 1959 und im Sommer 1960 durchgeführt. Deren Ziel war es die Aufdeckung eines Teiles der besiedelten Innenfläche der Burg zwischen Burgkeller und Dom durchzuführen. Im Jahre 1960 und 1961 erfolgte nun die Freilegung eines Teiles des Burghofes zwischen Albrechtsburg und Dom.
Ausgrabungen 1960/61
Die Planungen zur Ausgrabung waren damals vom erhöhten Verkehr auf dem Burgberg abhängig. Zudem kam, dass die älteren Befestigungsanlagen fast sämtlich überbaut waren. Die zu untersuchenden Bauten wurden dabei unter dem Platze zugekehrten Seiten der Wohn- und Gasthäuser und den damaligen Behördengebäuden vermutet. Weiterhin noch an der Innenflanke der Albrechtsburg und den mittleren bis äußeren Bereichen des Ostchores des Doms. Den massivsten Teil vermutete man allerdings zwischen des Westteil des Kornhauses und dem Burgkeller. Der Eingang war ebenfalls unter dem Burgkeller zu erwarten. Es war weiterhin davon auszugehen, dass bereits am Ausgang der Bronze- und in der ältesten Eisenzeit, etwa 1000 bis 500 v. Z., eine Siedlung dort existiert hat. Es lagen bereits aus dem Dominneren, vom Gelände vor dem gotischen Bauwerk und vom Burghof vor der Albrechtsburg genügend Zeugnisse vor. In erster Linie handelte es sich dabei um reichlich keramische Reste wie Schalen, Terrinen, hohe Töpfe, Pfosten ehemaliger Hausbauten und zugehörige Herd-, Vorrats- und Abfallgruben.
Zufahrtsstraße aus Holz
Die planmäßigen Untersuchungen erforderten zunächst einen etwa 40 m langen und 2,50 m breiten Suchgraben im Gelände zwischen Dom und Burgkeller. Die Erhaltungsbedingungen für Holz lagen hier außerordentlich günstig. Man fand eine bis zu mehr als 4 m unterlagernde Tonschicht, welche das Gebiet feucht gehalten hatte und das Vermodern der Bauhölzer verhinderte. Die mistigen Kulturschichten hatten die eingelagerten Balken und Bohlen erhalten. Die Untersuchungsgräben mussten teilweise bis 3,30 m, im Durchschnitt aber bis 2,50 oder 2,60 m Tiefe geführt werden. Die bereits bei den Grabungen 1959 vorgefundene hölzerne Zufahrtsstraße lag nun in vier Schichten vor. Sie wurde damit dreimal erneuert. Zudem wurden dazwischen starke Füllschichten angetroffen. Es wurde festgestellt, dass zwischen der ältesten und jüngsten Anlage eine Höhendifferenz von mehr als einem Meter vorlag. Die Gesamtbreite der frühmittelalterlichen hölzernen Zufahrtsstraße betrug nach Aussage des Grabungsbefundes etwa 3,20 m. Der Unterbau des ältesten Bohlenweges besteht aus einem regelrechten zwei bis dreistöckigen Rost aus Fichtenstämmen, von denen die Längshölzer in Abständen von weniger als 1,50 m in der Mitte und an den Seiten verliefen. Die aufgelegten kräftigen Fahrbohlen bestanden aus gespalteten Eichenstämmen und wiesen Stärken bis zu 12 cm auf. Die nichtbefahrenen Ränder waren durch Holzpfähle im Untergrund befestigt und zusätzlich mit Längshölzer an den Seiten abgegrenzt.
Die entsprechenden Holzbearbeitung erfolgte im Bereiche der Fahrbahn, welches die Werkabfälle in größeren Anhäufungen von Spänen, abgeschlagenem Astwerk, Zweigen und anderen Holzabfällen verrieten. Auch die verwendeten Holznägel wurden offenbar direkt vor Ort weiterbearbeitet. Die Holzabfälle haben dabei auch zur Festigung des Untergrundes gedient. Im ältesten Bauabschnitt konnten außerdem neben den Längshölzern vorgefundene Unterzüge und Gräben als Ableitungskanäle für Wasser gedeutet werden. Man fand sogar noch Spuren der einst vorgenommenen Reparaturen am Bohlenbelag.
Häuserreihen
Zu beiden Seiten der Zufahrtsstraße fanden sich noch Reste hölzerner Rechteckbauten aus dem 10. bis 12. Jahrhundert. Es zeigte sich, dass auch die Böden der Behausungen mehrfach aufgehöht worden waren, und dass man dabei auch den Bodenbelag erneuert und die Herdstellen erhöht hatte. Zu jedem Holzhaus gehört eine Grube. Die Wände wurden vorwiegend aus Rundhölzern aufgebaut, die an den Ecken noch blockbauartig verzapft waren. Senkrechte Pfosten befanden sich an den Ecken, in der Mitte der Wände und am Eingang. Die Grundhölzer waren dabei noch durch eingeschlagene Pflöcke gesichert. Der Fußbodenbelag war überraschenderweise in vielen Fällen recht gut erhalten. Er besteht aus einen mehrfach erneuerten Bretterboden, zudem man noch in einem Haus eine Flechtmatte vorfand. Im Fußbodenbelag fand man neben einer normalen humosen und etwas misthaltigen Kulturschicht, noch deutliche Reste von Stroh und Grasbelag.
Die Fußböden waren auch an den Eingängen an der Straßenseite noch gut erhalten. Die Tiefe der Bauten betrug von der Straße überall 4,20 m, sodass Vorder- und Rückfront aller Häuser in einer Richtung lagen. Dagegen sind die Breiten der Gebäude, die sämtlich mit den Giebel zu Straße gestanden haben recht unterschiedlich. Sie schwanken zwischen 2,60 m und 4,20 m. Auf der nördlichen Straßenseite konnten fünf Gebäude nachgewiesen werden und auf der Gegenseite der Straße deuteten sich ebenfalls Häuserreihen an, welche allerdings infolge der Verkehrsbedingungen nicht untersucht wurden.
Fazit
Über den Aufbau der Befestigungsanlage fehlen aus der Grabungssaison weiter jegliche Anhaltspunkte, obwohl Helmuth Gröger in seinem Werk Tausend Jahre Meißen auf Seite 12 von einem „Mauerturm“ berichtet und er erwähnt darin auch an der Ostseite des Domes, unter dem Ostchor, einen „Wall mächtiger Steinblöcke ..., über denen hinweg ein nach außen geneigter Gürtel von Pfosten und Stämmen ragte“. Ein südwestlich vor der Fürstenkapelle gelegener Steinturm konnte jedoch bei den Ausgrabungen nachgewiesen werden. Die Ausdehnung dieses Bauwerkes konnte durch mehrere Kontrollschnitte ebenfalls festgelegt werden. Dieser Turm wurde spätestens um 1300 abgebrochen, weil er vermutlich beim Bau des gotischen Domes im Wege gestanden hat.
Fundstücke
Aus dem Bereich der älteren Anlagen gehören zu den interessantesten Funden die beinernen Messergriffbeläge mit dem typisch eingravierten Ornamenten und ein Schreibgriffel mit einer geometrischen Verzierung. Über dem Federeinsatz und unter dem dreifachen Zickzack des oberen Endes finden sich stilisierte Menschendarstellungen, die mit den Köpfen einander zugewandt und durch Strichelungen verbunden sind. Weitere Funde waren größere Mengen von Haustier- und Wildbretknochen als Küchenabfälle der damaligen Zeit. Es wurden auch kleinere Mengen Getreide und dazu reichlich Keramik gefunden. Nach Vergleichen gehören diese Stücke in das fortgeschrittene 10. und 11. Jahrhundert. Sie stammen einwandfrei von sorbischen Handwerkern. Als Verzierung treten mit dem mehrzinkigen Kamm eingeritzte Wellenlinien, Kammstempel und zum Teil auch Gurtungen auf, wie sie im gesamten Gebiet der weiteren Umgebung Meißens häufig anzutreffen sind.
Die Ausgrabungsergebnisse wurden als ein Anfang und ein vorsichtiges Abtasten für weitere ausgedehnten Untersuchungen angesehen. Die Ausgrabungen hätten gezeigt, dass die historischen Fakten durch die archäologischen Hinterlassenschaften in ihrer Aussage erweitert werden können. Aus dem Fundmaterial kann man deutlich den Unterschied zwischen eingesessener Bevölkerung und neu eingedrungenen Eroberern ablesen.[1]
Literatur
- Dr. Werner Coblenz: Meißner Heimat – 1. Sonderheft 1961, Herausgeber: Rat des Kreises Meißen und Kulturbund.
Fotohinweis
Die Fotos und der Burgberg-Plan wurden zum Zweck der besseren Dokumentation bearbeitet. Alle Fotos vom Landesmuseum für Vorgeschichte in Dresden 1959 bzw. 1961. Der Burgberg-Plan und die Rekonstruktionsskizze der Holzstraße und der Häuserreihen stammen von Arthur Pietzsch, Landesmuseum für Vorgeschichte, Dresden, 1961.
Einzelnachweise
- ↑ Dr. Werner Coblenz: Zur Frühgeschichte der Meissner Burg – Die Ausgrabungen im Meißner Burghof 1959/60, in Meißner Heimat, 1. Sonderheft, 1961, S. 3 bis 31.