Ausgrabungen auf dem Burgberg 1959



Die Ausgrabungen auf dem Burgberg 1959 dienten der Ergründung der ältesten Besiedlungs- und Befestigungsspuren auf dem Meißner Burgberg. Es ging darum das Geschichtsbild von Meißen, das für Jahrhunderte einer der wichtigsten Mittelpunkte Sachsens und des ältesten deutschen Staatsgebietes war, weiter aufzuhellen. Die Ausgrabungen wurden von Mitarbeitern des damaligen Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden vorgenommen und begannen am 17. August 1959. Kurze Zeit danach war der Beginn der Ausgrabungen auf dem Burghof 1960.
Vorgeschichtliche Ereignisse
Bekannt war aus der Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg, daß Heinrich I. nach der Bezwingung der Slawenfeste Gana im Jahre 929 über dem linken Elbufer auf einem hohen bewaldeten Fels, eingezwängt zwischen Triebisch und Meisa, die Burg Meißen erbauen ließ. Die Burg sollte die neugewonnene deutsche Macht im Sorbengau Daleminzien sichern. Zur weltlichen Macht kam später unter Kaiser Otto I. durch die Gründung des Bistums Meißen im Jahre 968, noch die geistliche Herrschaft hinzu. Der Sitz des Bischofs befand sich von Anbeginn auf dem Burgberg. Mit der Einsetzung eines Burggrafen verkörperte der Burgberg auch bald die dreifache Macht.
Seit der Gründung der Burg wurden Spuren bekannt und es wurden besonders Tonwaren sorbischer Art vorgefunden. Die Funde belegen damit, dass sich die deutschen Herrscher im slawisch besiedelten Umland in der Nutzung von Gebrauchsgütern der slawischen Herstellung bedienten. Zudem gehörten auch sogenannte slawische Freie und Dienstmannen zur Burgbesatzung und zum Gefolge des Burgherren. Bereits im Jahre 1910 konnten bei Renovierungsarbeiten im Meißner Dom die Reste einer Besiedlung aus der ältesten Eisenzeit freigelegt werden. Allerdings gab es danach keine weiteren Forschungen mehr. Auch 1914 war man bei einer planmäßigen Umpflasterung am einstigen Burggrafenhof, in der Nähe vom heutigen Burgkeller, auf Holzreste gestoßen, welche man als Bohlenweg gedeutet hatte. Am 7. Februar 1958 meldete das Meißner Hochstift dem Dresdner Landesmuseum, dass man bei der Verlegung eines Kanalisationsrohres vor dem Domkeller, gut erhaltene Reste hölzerner Bauten vorgefunden hatte.
Ausgrabungen 1959
Die damaligen Ausgrabungen sollten nun die bisher gemachten rein zufälligen Beobachtungen untermauern. Außerdem versprach man sich neue Erkenntnisse und eventuell auch Fundmaterial im Zusammenhang mit der Besiedlung der Innenburg. Eine Freilegung von größeren Flächen wurde zu Beginn allerdings ausgeschlossen. Zudem waren die bereits verlegten Versorgungskanäle wie Kanalisation, Wasserleitung, Gas, Kabel und Stromnetz zu beachten.
Historische Schichten
Man senkte zunächst einen etwa 40 m langen und ca. 2,50 m breiten und 3 m tiefen Suchgraben ein. Dabei fand man durch den tonigen und misthaltigen Boden außerordentlich guterhaltene Holzreste, welche auch bauliche Einzelheiten erkennen ließen. Der bereits 1914 vermutete Bohlenweg wurde dabei in seiner gesamten Breite aufgedeckt. Es konnte nun festgestellt werden, dass der Bohlenweg in seiner Geschichte mindestens dreimal erneuert worden war. Bei der genauen Untersuchung vom Fundmaterial, konnte man nun auch die Zeitspannen festlegen und die einzelnen Bauperioden (Bohlenwegerneuerungen) voneinander trennen.
Die Unterzüge der Wege stammten aus dem 10. und 11. Jahrhundert. Sie bestanden dabei meist aus langen Fichtenhölzern und die aufgelegten kräftigen Fahrbohlen bestanden aus Eichenstämmen. Die einst darauf verkehrenden Fahrzeuge konnten Anhand der vorhandenen Fahrspuren ebenfalls näher bestimmt werden. Demnach hatten die Fahrzeuge eine Achsbreite von reichlich 1,50 m. Die Bohlenwege waren im Durchschnitt ca. 3 m breit und hatten an den Seiten Längshölzer als Abgrenzung. Die Hölzer waren durch senkrechte und schräge Hölzer verkeilt, dazu gab es eine Holznagelung. Es wurde vermutet, dass zu beiden Seiten des Weges hölzerne Rechteckbauten gestanden haben.
An der südwestlichen Seite der Fürstenkapelle konnten die Reste eines massiven steinernen Turmes freigelegt werden. Es konnte davon ausgegangen werden, dass der Turm eine quadratische Form, 12 m Seitenlänge aufzuweisen hatte und über eine Mauerstärke von 2,60 m verfügte. Gründung und Mauerstärke wiesen darauf hin, dass der Turm eine mächtige Höhe hatte. Vermutlich handelte es sich um ein Verteidigungswerk im Inneren der Burg, das zur Bekämpfung eingedrungener Feinde diente. Wahrscheinlich hatte man den Turm im 11. Jahrhundert oder auch im 12. Jahrhundert errichtet und um 1300 hatte man ihn wieder abgebrochen. Außerdem fand man etwa 20 m vor dem Turm eine sich quer über den Burghof ziehende eingetiefte Mauer, dessen Funktion sowie Zeitstellung jedoch nicht geklärt werden konnte.
Moderne Schichten
Zu den sogenannten „modernen“ Schichten gehören die Funde einer hölzernen Wasserleitung, einer exakt gesäumten und gepflasterten Abflussrinne sowie ein gemörtelter Kanal. Diese Anlagen konnten schließlich zum Ende des Mittelalters eingeordnet werden.
Fazit
Im Ergebnis sprach man von wichtigen Ausgrabungen auf dem Meißner Burgberg, weil der Spaten hier in Zeiten historisches Licht zu bringen suchte, für die bereits erste geschichtliche Nachrichten vorlagen. Interessant und verlockend waren daher die Arbeiten durch den günstigen Erhaltungszustand der organischen und anorganischen Reste wie Knochen, Holz, Metall und Ton.[1][2][3]
Literatur
- Rat des Kreises Meißen und Kulturbund: Meißner Heimat, Heft Dezember 1959.
- Dr. Werner Coblenz: Meißner Heimat – 1. Sonderheft 1961, Herausgeber: Rat des Kreises Meißen und Kulturbund.
- Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5.
Fotohinweis
Die Fotos und der Burgberg-Plan wurden zum Zweck der besseren Dokumentation bearbeitet. Alle Fotos vom Landesmuseum für Vorgeschichte in Dresden 1959 bzw. 1961. Der Burgberg-Plan stammt von Arthur Pietzsch, Landesmuseum für Vorgeschichte, Dresden, 1961.
Einzelnachweise
- ↑ Dr. Werner Coblenz: Ausgrabungen auf dem Meißner Burgberg, in Meißner Heimat, Heft Dezember 1959, S. 5 bis 8.
- ↑ Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5, S. 45 bis 51.
- ↑ Dr. Werner Coblenz: Zur Frühgeschichte der Meissner Burg – Die Ausgrabungen im Meißner Burghof 1959/60, in Meißner Heimat, 1. Sonderheft, 1961, S. 3 bis 31.