Aktion Einkellerungskartoffeln

Kartoffeln.
Falsch gelagerte Kartoffeln.

Die Aktion Einkellerungskartoffeln, war bis zur Mitte der 1980er Jahre eine jährlich wiederkehrende Aktion, welche meist im Monat September begann und im Oktober abgeschlossen war. Dabei wurden vorher bestellte Speisekartoffeln in 50 kg Säcke direkt an die einzelnen Haushalte der Stadt Meißen ausgeliefert.

Einkellerungskartoffeln

Im Allgemeinen wurden schon immer in den Kellern der Stadt unterschiedlichen Mengen an Speisekartoffeln im Herbst zur Versorgung in der Winterzeit eingelagert. Dazu mussten die Keller geeignet sein und entsprechend vorbereitet werden. Erst ab den 1980er Jahren war überall in der Stadt eine Versorgung mit Kartoffeln in Netzen verpackt, ganzjährig gewährleistet. Im Stadtgebiet wurde ab Mitte der 1980er Jahre nach und nach die jährliche Belieferung der Haushalte mit Speisekartoffeln eingestellt.

Organisation

Mit der Organisation und Durchführung der Aktion Einkellerungskartoffeln hatte der Rat des Kreises, Abteilung Handel und Versorgung, den VEB Großhandel Obst, Gemüse und Speisekartoffeln Meißen (OGS-Meißen) beauftragt. Beim OGS-Meißen gab es dazu im Stadtteil Cölln den Betriebsteil „Speisekartoffeln und Einkellerungskartoffeln“ an der Hafenstraße Nr. 36. Dieser Betriebsteil war auch für die Versorgung von Weihnachtsbäumen in der Vorweihnachtszeit im gesamten Stadtgebiet verantwortlich. Ab den 1970er Jahren gab es zur Versorgung der Bevölkerung mit Speisekartoffeln in Netzen bereits eine entsprechende Abpackanlage am Dieraer Weg, deren Kapazität allerdings noch nicht ausreichte. Erst ab Mitte der 1980er Jahre war eine ganzjährige stabile Versorgung mit Kartoffeln in Netzen gewährleistet.

Durchführung

In den Obst- und Gemüsegeschäften der Stadt wurde die Kundschaft bereits im Spätsommer aufgerufen, bei Bedarf, die gewünschten Mengen an Einkellerungskartoffeln vorzubestellen. Die Geschäfte nahmen dazu die Bestellungen an. Den Liefertermin bekam man später per Postkarte mitgeteilt. Ausgeliefert wurden die Kartoffeln grundsätzlich in 50 kg-Säcken.

Belieferung der Haushalte

Am Liefertag ging unmittelbar vor der Anlieferung ein Kassierer von Haushalt zu Haushalt und kassierte das sogenannte „Kartoffelgeld“. Die vorbestellte Kartoffelmenge wurde nach der Anlieferung noch von den Familien Kartoffel für Kartoffel „ausgelesen“. Schadhafte Früchte mussten vor dem Transport in den Kellern unbedingt ausgesondert werden. Es war stets eine mühsame aber auch unterhaltsame Arbeit, die man im Kreise der Nachbarn gern zum Plausch nutzte. Die ausgelesenen schadhaften Kartoffeln wurden meist schon am nächsten Tag für einen „Kartoffelkuchen“ oder „Glidscher“ aufgebraucht.

Die Lagerung der Kartoffeln war vor allem dort problematisch, wo es feuchte oder zu warme Keller gab. Grundsätzlich mussten die eingelagerten Kartoffeln in den Wintermonaten noch mehrmals verlesen werden.