Übung der Freiwilligen Feuerwehr Meißen an der Frauenkirche (1899)

Turm der Frauenkirche mit Feuerleiter.
Werbeanzeige für Feuerwehr-Ausziehleiter 1898 .

Eine Großübung hielt die Freiwillige Feuerwehr Meißen am 18. April 1899 abends um ½ 6 Uhr (17:30) am Turm der Frauenkirche ab. Erprobt und geprüft wurde dabei die neu an der Nordwestseite angebrachte Eisenleiter am Turm der Frauenkirche. Mit dieser Leiter war ein langgehegter Wunsch entsprochen worden. Die Feuergefährlichkeit im Turm war durch die vielen engen, dunklen Holztreppen, sowie die vielen Holzbalken schon immer gegeben. Da der Türmer mit seiner Familie dazu oben an der Galerie in 50 Metern Höhe auch noch seine Wohnung hatte, wäre die Rettung der Türmer-Familie bei ausbrechenden Feuer, fast unmöglich gewesen.

Die Feuerleiter an der Fassade

Bereits im Jahre 1892 hatte Branddirektor Hofmann in dieser Hinsicht beantrag, am Turm der Frauenkirche eine Leiter anzubringen. Aus verschiedenen Gründen hatte man den Antrag allerdings immer wieder abgelehnt. Erst nachdem die Dresdner Kreuzkirche am 16. Februar 1897 ausgebrannt war und es dem dortigen Türmer geglückt war, am Blitzableiter vom Turm herabzuklettern, fand ein neuer Antrag für eine Leiter an der Frauenkirche Gehör. Die Feuerleiter wurde daher im Jahre 1899 am Turm der Frauenkirche angebaut. Die Leiter begann acht Meter über dem Erdboden, hatte 143 Stufen und reichte bis zur Galerie.

Die Übung am Turm der Frauenkirche

An dieser Leiter fand dann am Abend des 18. April 1899 die Übung statt. Zunächst hatten einige Kameraden im Inneren den Turm bestiegen und zwei Sicherungsleinen von der Galerie herabgelassen, um die aufsteigenden Kameraden noch zusätzlich zu sichern. Danach wurde eine kleine Schiebeleiter an den Turm gebracht und es stieg der „Steigerzugführer“ Lau bis an den unteren Teil der eisernen Leiter hinauf. Die Schiebeleiter wurde darauf entfernt und ein Sprungtuch, was von 16 Mann gehalten wurde, aufgespannt. Steigerzugführer Lau stieg an der eisernen Feuerleiter, ohne die Leinen zu gebrauchen, hinauf und war in 1½ Minuten oben an der Galerie.

Nun wurde unten eine Leiter vom System Otto & Schlosser, Meissen“ angelegt und kurz danach noch eine Anstellleiter um zu probieren, welche am besten für die erste Etappe vom Aufstieg geeignet ist. Es wurde festgestellt, dass die erste verwendete Schiebeleiter, dazu die geeignetste war. Die Schiebeleiter wurde daher zur Übung weiterverwendet.

Von den „Steigern“ stiegen nun die Kameraden Dübel, Kumpfe, Süß, Schütze, Seibt, Keil, Franz und Zeißig den Turm hinauf. Sie mussten jedoch dabei die Sicherheitsleinen anlegen, während unten das Sprungtuch gehalten wurde. Steigerzugführer Lau und auch der Steiger Süß unternahmen den Auf- und Abstieg zweimal, da nun auch die Kameraden der Jutefeuerwehr mit Hauptmann Bischoff eingetroffen waren.

Inzwischen wurde von den auf der Galerie befindlichen Mannschaften ein Schlauch emporgezogen. Das war recht schwere Arbeit, da der Schlauch, je höher er kam, umso schwerer wurde. Vom Hydranten am Lutherplatz wurde nun Wasser gegeben. Der Strahl ging bei dem gewaltigen Hochdruck, den die neue Wasserleitung besitzt, voll und kräftig von der Galerie über die 10 Meter hohe Kuppel hinweg. Zudem konnte auch noch bequem das Kirchendach vom Turm aus mit Wasser bestrichen werden.

Ende der Übung und damaliges Fazit

Die in allen Teilen vorzüglich verlaufene Übung war abends um 7 Uhr (19:00) beendet und hatte gezeigt, dass die freiwillige Feuerwehr zu ihrem reichhaltigen Gerätepark, wieder Dank dem Entgegenkommen der Stadtvertretung, ein notwendiges, dem Zwecke der Menschenliebe dienendes Rettungsmittel erhalten hat, auf das sie stolz sein darf. Ist doch nur wenigen Feuerwehren ein so reichhaltiges Feuerlösch- und Rettungsmaterial, wie es Meißen besitzt, beschieden.

Nach der Übung vereinigte ein Trunk Bier die Kameraden im „Felsenkeller“. Es sprachen dabei der Branddirektor Hofmann und Hauptmann Bischoff zu dem Mannschaften:

"In aller Zeit stets treu bereit für die Gemeinde Sicherheit! Möchten auch alle anderen Wehren ein gleiches Entgegenkommen seitens ihrer Gemeindevertretung finden, wie wir in Meißen."[1]

Literatur

  • Sächsische Feuerwehr-Zeitung, Verlag H. Simon in Cölln-Elbe.

Einzelnachweise

  1. Sächsische Feuerwehr-Zeitung, Verlag H. Simon in Cölln-Elbe, Jahrgang 1899, S. 141.