Übung der Freiwilligen Feuerwehr Meißen am Hirschhaus (1900)

Rathaus und neu erbautes Hirschhaus um 1902.

Am 13. November 1900 fand auf dem Markt in Meißen die Schluss-Gesamtübung der Freiwilligen Feuerwehr statt. Als Übungsgegenstand war das sich gerade im Abriss befindliche Hotel zum Hirsch (heute Hirschhaus Markt Nr. 2) gewählt worden.

Übungsablauf

Es wurde angenommen, dass in den hinteren Räumen des ehemaligen Hotels ein Feuer ausgebrochen war, welches sich schnell ausgebreitet hatte. Im Haus hatte man den Brand mit „Rothfeuer“ (rote Fackeln) markiert und dann die Feuerwehr alarmiert. Es rückte daraufhin die gesamte Meißner Feuerwehr mit dem gesamten Gerätepark auf dem Marktplatze an.

In großer Schnelligkeit wurde in der Mitte der Gebäudefront ein Gang mit Hakenleitern hergestellt, auf dem kurz darauf die ersten Feuerwehrleute in die einzelnen Etagen kletterten. Nun wurden ebenso schnell die Schiebe- und Stützenleitern aufgestellt und mit Strahlrohrführern besetzt. Da angenommen wurde, dass sich in den Hotelzimmern noch Personen befinden, konnten die Löscharbeiten noch nicht beginnen. Durch einen vorzeitigen Löschangriff hätte es durch das viele Wasser leicht zu Deckeneinstürzen kommen können, daher wartete man ab und konzentrierte sich auf die Rettung der Menschen im Gebäude. Nachdem eine genügende Anzahl von „Steigern“ über den Hakenleitergang in das oberste Stockwerk eingestiegen war, wurde auf der Marktseite das Rettungstuch aufgespannt und auf der Elbstraßenseite der Rettungsschlauch in die Höhe gezogen und befestigt. Anschließend konnten die ersten Personen aus dem Haus gerettet werden.

Die Rettung der Personen erfolgte recht schnell, zumal auf dem Rettungstuch öfters gleich zwei Personen abrutschen konnten. Es dauerte nur wenige Augenblicke und es waren mehr als dreißig Personen aus dem vermeintlich brennenden Haus befördert worden. Inzwischen waren aus dem 1. Stock mehrere Erwachsene und auch Kinder in das aufgespannte Sprungtuch hinabgesprungen. Weiterhin kam ein „Rollenzug“ zum Einsatz, welcher Gepäckstücke aus den oberen Etagen zügig und sicher zur Erde brachte. Sämtliche Rettungsarbeiten wurden ruhig und gewissenhaft ausgeführt, alles verlief ohne einen Unfall.

Inzwischen war ein sogenannter „Simsbock“ in die oberste Etage befördert und dort am Fenster befestigt worden. Auf dem Simsbock konnte nun eine Leiter gestellt und damit die Verbindung zum Dach hergestellt werden. Mittels Leinen hatte man zudem eine Anzahl von Hakenleitern in die Höhe gezogen und dann damit auf dem steilen Dach einen langen Leitergang hergestellt. Nachdem die Rettung der Personen abgeschlossen war, konnte der Wasserangriff beginnen. Es gaben zunächst die auf dem Dach postierten Strahlrohrführer Wasser und darauf folgten die Strahlrohrführer, welche auf den Schiebe- und Stützenleitern auf dem Marktplatze postiert waren. Es wurde nun zugleich aus sieben Schlauchleitungen Wasser gegeben.

Man merkte damals an, dass sich allein schon der große Druck der städtischen Wasserleitung in bester Weise zeigte. Wasserstrahlen, die vom Marktplatz auf das Gebäude gerichtet waren, stiegen dabei noch hoch über das Dach vom ehemaligen Hotel hinaus. Im Ganzen wurden für den Löschangriff nur drei Hydranten benutzt. Kurz darauf wurde die Übung beendet.

Ende der Übung

Zahlreiche Mannschaften der freiwilligen Feuerwehren von Cölln und Fischergasse waren in Uniform erschienen und hatten vor dem Rathaus Aufstellung genommen. Der Übung wohnten damals auch mehrere Stadträte und Stadtverordnete und eine nach mehreren Hunderten zählende Menschenmenge bei. Die Übung begann demnach zehn Minuten nach acht Uhr (20:10) und dreiviertel neun Uhr (20:45) war sie beendet.

Um die Übung besser beobachten zu können, war der gesamte Marktplatz mit Pech- und Magnesiumfackeln beleuchtet. Im Gasthof zum „Schlachthof“ folgte noch anschließend ein geselliges Beisammensein.[1]

Literatur

  • Sächsische Feuerwehr-Zeitung, Verlag H. Simon in Cölln-Elbe.

Einzelnachweise

  1. Sächsische Feuerwehr-Zeitung, Verlag H. Simon in Cölln-Elbe, Jahrgang 1900, S. 370, 405 und 406.