Übung der Freiwilligen Feuerwehr Meißen (1886)

Am 10. August 1886 fand eine gemeinschaftliche Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehr Meißen und der Feuerwehr der Deutschen Jutespinnerei und Weberei an der Franziskanerkirche am Heinrichsplatz statt.
Inspektion und Übungsablauf
Abends um 6 Uhr (18:00) rückten beide Feuerwehren mit ihren sämtlichen Geräten auf dem Marktplatz auf. Zunächst wurden sie durch den Bürgermeister Schiffner inspiziert und sollten anschließend weiterhin vor demselben Proben ihrer Fertigkeit ablegen. Dazu fanden zuerst Schulübungen an den Spritzen auf dem Marktplatze statt.
Danach marschierten sämtliche Mannschaften unter Zurücklassung der Geräte nach dem Steigerhaus an der Neumarktschule. Dort fanden Schulübungen der „Steigerzüge“ beider Feuerwehren sowie Übungen mit Simsbock und Rettungsschlauch statt. Die Übungen erfolgten in bester Weise. Nach Beendigung derselben wurde Alarm zum Sturmangriff geschlagen.
Die Übung am Heinrichsplatz
Folgende Situation wurde damals angenommen.
„Der Blitz hat in das Dach der Franziskanerkirche geschlagen, und “gezündet“, sodass auch die anstoßenden Grundstücke und die am Kreuzgang befindlichen Gebäude gefährdet sind.“
Im Laufschritt ging es nach dem Markte und von dort rückten die Mannschaften mit den Geräten nach den verschiedenen Stellungen ab. Die Meißner Landspritze bezog Stellung am Heinrichsbrunnen und gab sofort Wasser mittels auf der völlig ausgezogenen Schiebeleiter (a) in die Höhe und auf vier Dachleitern (d) weitergehenden Schlauchleitung bis auf den First der Franziskanerkirche. Gleichzeitig gab die durch Zubringer 1 gespeiste Spritze der Jutespinnerei-Feuerwehr, welche mit ihrer Stützenleiter (c) am „Haus von Kretzschmar“ stand, auf dieses und das Kirchdach Wasser.
Von der Spritze Nr. 2, durch Hydrant und Zubringer 1 gespeist, ging die Schlauchleitung ebenfalls auf der Schiebeleiter (a) empor auf das Dach. Der Rohrführer der durch Brunnen und Zubringer 2 gespeisten Spritze 1 stand auf der Meißner Stützenleiter (b), während der von Nr. 4 auf einer Anstellleiter die Galerie erstiegen hatte. Um den höchsten Punkt des Brandobjektes, das Türmchen der Kirche, erfolgreich bestreichen zu können, wurden die Landspritze und Spritze Nr. 2 in der Weise gekoppelt, dass beide Leitungen in einem Schlauche sich vereinigten und dieser mit besonders weitem Strahlrohre einem Rohrführer zugeführt. Der Zweck wurde zwar erreicht, doch der ungeheure Druck drehte das Gewinde eines ganz neu eingebundenen Schlauches heraus. Da die Übung in vorher bestimmter Weise insofern beendet war, war die Auswechslung des Schlauches nicht mehr nötig.
Auswertung und Kleinbrand
Nach Bergung sämtlicher Geräte marschierten beide Feuerwehren nach der Gaststätte „Sonne“, woselbst in einer Ansprache vom Feuerwehrdirektor Hofmann dem mit anwesenden Herrn Bürgermeister ein dreimalige „Hurrah“, begeistert von den beiden Mannschaften erwidert, gebracht wurde.
Der Bürgermeister Schiffner sprach seinen Dank für die Ovation sowie den heutigen Leistungen der freiwilligen Feuerwehren aus und betonte, dass dieselbe die gute Disziplin, welche sie heute besitze, auch in Zukunft bewahren möge, dann könne sie auch zum Wohle der Stadt Meißen gedeihen und mit diesem Wunsche lasse er dieselbe hoch leben.
Einen würdigen Schluss fand alles Vorhergehende, indem ein noch in der Nacht 11 Uhr (23:00) entstandenes „Kleinfeuer“ in der Stadt noch zur rechten Zeit von Mannschaften der freiwilligen Feuerwehr Meißen gelöscht wurde.[1]
Literatur
- Sächsische Feuerwehr-Zeitung, Verlag H. Simon in Cölln-Elbe, 1. Jahrgang, Nr. 7, vom 15. August 1886.
Einzelnachweise
- ↑ Sächsische Feuerwehr-Zeitung, Verlag H. Simon in Cölln-Elbe, 1. Jahrgang, Nr. 7, vom 15. August 1886 S. 52.