Winzerjahr und Winzersprache

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Weinlese.
Weinberg Kapitelberg.
Ein Weinbrunnen zum Fest.
Am Ratsweinberg.
Weinlese am Ratsweinberg.

Winzerjahr und Winzersprache gehören zu den Besonderheiten im Alltag eines Winzers. Viele alte Bedeutungen und weitere spezielle Bezeichnungen blieben im Laufe der Zeit im Elbtal in der Region Meißen erhalten. Zum Winzerjahr gehören ebenfalls überlieferte Sprichwörter, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

Frühjahr

Wenn der Wein blüht, erfüllt den Berg ein zarter, feiner Duft, welcher an den der „Reseda“ oder den der Lindenblüte erinnert. Wenn Ende April/Anfang Mai die Knospen springen und die Blätter sich entfalten, liegt über den Weinbergen ein feiner gelbgrüner Schein. Der Meißner Winzer spricht dann vom „Leuchten des Weinberges“. In dieser Zeit muss ständig der Wachstum der Reben vom Winzer überwacht werden. Unfruchtbare Triebe – in der Winzersprache als „Fußtriebe“ und „Wassergeschosse“ bezeichnet – müssen nun „ausgebrochen“ werden. Bekämpft werden muss ebenfalls der „Rebenmeltau“, welcher die Blätter und Früchte mit einer weißen Schicht überzieht. Die Blätter verdorren sonst und die Beerenzerplatzen und faulen. Ein weiterer Schädling ist der „falsche Meltau“ (Peronospora), ein Pilz, der im Inneren der Blätter lebt. Der ärgste Feind ist allerdings die „Reblaus“.

Deren außerordentlich schnelle Verbreitung in den Jahren 1886 bis 1889 führte zum nahezu völligen Erliegen des Weinbaues in der Elblandschaft. Der Winzer benutzte oder benutzt dagegen, je nach Fläche, meistens noch den „Rückenspritzer“ oder dem „Handschwefler“. Heute werden vorwiegend „Druckspritzer“ verwendet.

Koch- und Brat-Monate

Im August bis September, wenn die Triebe noch hinaufwachsen, beginnt das „Gipfeln“, das „Verhauen“ und das „Kappen“ der höchsten Triebe. Sogenannte „Achseltriebe“ und „Geiztriebe“ werden ausgebrochen. Die Arbeit wird bei den Winzern kurz „Geizen“ genannt. Der Monat August „kocht“ und der Monat September „brät“ die Reben. Der Winzer spricht dabei vom „Koch- und Brat-Monat“. In dieser Zeit waren und sind auch die meisten Weinberpfade und -treppen gesperrt.

Weinlese im Oktober und November

Wenn die vollen Trauben herabhängen und sich leicht von der Rebe entfernen lassen, beginnt die Erntezeit, die auch „Weinlese“ genannt wird. Zur Ernte benutzt man die „Rebschere“ oder eine „Traubenschere“, die kleiner ist. Früher benutzte man ein scharfes „Weinmesser“ oder die „Hippe“. Nach den Abschneiden kommen die Trauben in das „Lesebüttchen“, eine flache Holzwanne mit zwei Griffen und breitem Boden. In der „Tragebutte“ werden die Früchte dann die steilen Hänge und vielen Treppen hinuntergetragen. Bis zu 50 kg können dann die Tragebutten wiegen. Oft zwanzigmal und mehr muss der Winzer mit der Tragebutte am Tag bergauf und bergab gehen, meistens gestützt auf einen festen Stock. Ein alter Winzerspruch lautet: “Weinberge bringen oft Not und geben selten Brot“

Am Weinbergstor stand einst der Pferdewagen, der sogenannte „Lesewagen“ mit Bottichen. Dort kamen die Weintrauben hinein. Waren die Bottiche gefüllt fuhr man damit zur Kelterei. Es gab einen uralten Brauch. Hinter dem letzten „Lesewagen“ trugen zwei Winzer eine große Traube an einer Stange auf den Schultern. Diese riesige Traube bestand aus einzelnen Trauben, die an einem Gestell befestigt waren. Die Traube wurde bei den Winzern „die letzte große Traube“, die „große Traube“ oder auch „Kalebs-Traube“ genannt. „Josua“ und „Kaleb“ gehörten zu den zwölf Kundschaftern des Moses; sie wurden vorausgeschickt, um die Verhältnisse im Lande Kanaan zu erkunden. “Sie schnitten daselbst einen Reben ab mit e i n e r Weintraube und ließen sie zween auf einem Stecken tragen ...“ Die Kalebs-Traube war in der Region Meißen lange Zeit ein beliebtes Volkskunst-Motiv für Blaudruck, Kreuzstich und weitere Stickereien. Den Abschluss bildete stets ein Erntefest mit freiem Essen und Trinken, mit Musik und Tanz für die Weinleser und Helfer. Früher bildeten die „Winzerzüge“ durch die Stadt den Glanzpunkt aller Lesefeste. Noch heute gibt es in der Stadt Meißen das traditionelle Weinfest.

Das Winzerjahr hat 13 Monate

Für die Winzer ist damit das „Winzerjahr“ und die Arbeit in den Weinbergen noch nicht zu Ende. Ein alter Winzer-Spruch besagt: “Ein Winzerjahr hat 13 Monate.“ Der Weinberg muss für das kommende Jahr vorbereitet werden. Ein weiterer Spruch lautet: “Ein Tropfen Wein kostet einen Tropfen Winzerschweiß.“ Die harte Arbeit im Weinberg bringt erst den Genuss des „eingefangenen flüssigen Sonnenscheines“, der „des Menschen Herz erfreut“.[1][2]

Literatur

  • Albert Zirkler: Bausteine zur Winzersprache. In: Meißner Heimat, Heft November 1960.
  • Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5.

Einzelnachweise

  1. Albert Zirkler: Bausteine zur Winzersprache. In: Meißner Heimat, Heft November 1960, S. 13 bis 15.
  2. Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5, S. 360 und 361.