Rathaus
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Das Rathaus befindet sich am Markt Nr. 1 in der Altstadt von Meißen. Das spätgotische Gebäude nimmt dabei fast die gesamte Nordseite des Marktes ein. Trotz seiner Schlichtheit ist es ein monumentales und architektonisch sehr wirkungsvolles Gebäude der Stadt Meißen. Der Eindruck wird noch zusätzlich durch die drei Zwerchhäuser mit ihren blendbogengegliederten gotischen Spitzgiebeln und durch das mit Spitzbibern gedeckte steile Dach verstärkt.





Das spätgotische Portal gehört der Erbauungszeit des Rathauses an. Der Austritt über dem Portal stammt aus dem Neubarock und wurde erst um 1910 angebaut. Ursprünglich waren über dem Eingangsportal das städtische und das kurfürstliche Wappen gemeinsam angebracht. Das heute dort angebrachte Meißner Stadtwappen ziert das Gebäude seit dem 1. August 1865. Geschaffen wurde das Stadtwappen vom Meißner Bildhauer Otto Paul Krondl. Auf dem Wappen wurde leider heraldisch unkorrekt der Turm ohne Turmknopf dargestellt. Eine vom Meißner Kunstschlosser E. Mann angefertigte Sonnenuhr wurde im Oktober 1969 an die Fassade angebracht. Der Entwurf für die Sonnenuhr ist von Herbert Aschmann. Bereits im Jahre 1910 hatte man die alte Sonnenuhr entfernt und bis 1969 nicht wieder ergänzt.
Geschichte
Der Vorläufer des heutigen Rathauses war ein kleineres Bauwerk auf dem Areal des heutigen Hausgrundstücks Markt Nr. 7. Nach der Chronik des „Fabricius“ ist das heutige Rathaus 1479 erbaut worden. Mit dem Bau hatte man offenbar schon 1472 begonnen, denn ab 1473 finden sich dafür Ausgaben auf alten Stadtrechnungen. Allerdings war das Rathausgebäude auch 1481 noch nicht fertig. Das Holz für den Dachstuhl wurde zwischen 1473 und 1479 gefällt. Beim Bau wurde auch ein älteres Grundstück, welches an der Ecke Markt/Burgstraße stand in den Rathausbau mit einbezogen. Sämtliche Bauausführungen hatten damals Meißner Handwerker übernommen.
Das Gebäude
Das Rathaus befindet sich auf einer Grundfläche von 21,5 m x 38 m und ist fast vollständig unterkellert. Das Erdgeschoss umfasste ursprünglich eine große Halle. Im Südwestteil neben dem Eingangsbereich gab es noch zwei weitere Räume. Im Obergeschoss gab es das sogenannte „steinerne Kämmerlein“, welches wohl nur für Archivzwecke genutzt wurde. Der größte Raum diente als Ratssitzungszimmer. Der „große Saal“ ist 19 m breit. Auf der Marktseite ist der große Sall 27,5 m lang und auf der Hofseite sind es 35 m. Im Erdgeschoss waren einst die „Brotbänke“, die „Salzkammer“, die „Ratswaage“, der „Ratskeller“ und die 1699 angeschaffte Feuerspritze untergebracht. Zudem gab es dort noch das sogenannte „Lochgefängnis“ für Untersuchungshäftlinge und die Folterkammer.
Der Ratskeller wird im Jahre 1475 erstmals erwähnt. Der Ratskeller hatte das Recht auch „fremde Biere“ auszuschenken. Die fremden Biere kamen damals beispielsweise aus Torgau, Wurzen oder auch aus Freiberg. Ratsherren, Kirch- und Schuldiener erhielten im Ratskeller, sonntags ihren „freien“ Tischtrunk.
Im großen Ratssaal gab es vor allem Informationsveranstaltungen des Rates wie beispielsweise das Einschwören der Bürger auf die Ortssatzungen und auf die Grundsätze der Steuerveranlagungen. Zudem wurde der Saal für Festlichkeiten des Rates genutzt. Der Rat unterhielt damals eine eigene Küche im Rathaus. Neben dem Eingang vom Rathaus war ein „Halseisen“, der „Pranger“ und an einer Kette eine „eiserne Elle“ sowie zwei flaschenförmige Steine angebracht. Beispielsweise wurden „zänkische Frauen“ mit diesen beiden um den Hals gehängten Steinen zur Schau gestellt.
Veränderungen am Rathaus
Die ersten größeren Veränderungen am Gebäude gab es 1875. Im Obergeschoss wurde ein breiter Mittelbalkon angebracht und am mittleren Zwerchhaus hatte man ein Türmchen aufgesetzt. In den Jahren 1910/12 hatte man Balkon und Türmchen wieder entfernt.[1] In der Zeit 1938/40 gab es umfangreiche Umbauten im Eingangs- und Treppenbereich.
Ab 1990
Ein Brand im Rathaus am 15. September 1993 war der Anlass für eine durchgreifende Rekonstruktion. Dabei wurde der große Saal wiederhergestellt und auch die ursprüngliche Raumnutzung verändert. Der wiederhergestellte große Saal wurde angepasst und sollte nun wieder für 200 Personen ausgelegt sein. Eine Sanierung des Dachstuhls fand ab September 1996 statt. Abgeschlossen waren die Arbeiten am Dachstuhl im September 1998. Auf der Hofseite wurde ein moderner Treppenturm als Notausgang angefügt. Die Sanierungsarbeiten im Gebäude mussten allerdings wegen fehlender finanzieller Mittel unterbrochen werden. Nach einer Spendenaktion wurden die Arbeiten ab August 2006 wieder aufgenommen.
Im Erdgeschoss hatte man inzwischen ein Trauungs-Zimmer fertiggestellt, welches am 7. Juli 2007 mit einer dort stattfindenden Eheschließung eröffnet wurde. Während der Sanierungsarbeiten ab 2004 wurden die Räumlichkeiten teilweise in andere städtische Gebäude verlegt.
In der Vorweihnachtszeit wird traditionell auch das Rathausgebäude als „Adventskalender“ in den Meißner Weihnachtsmarkt mit einbezogen.
Kritik
Im Rahmen der Sanierung hatte man im Jahre 2007 in der Rathaus-Eingangshalle ein kunsthistorisches Wandbild dauerhaft abgedeckt. Geschaffen wurde das Wandbild 1949 vom Meißner Maler, Grafiker und Zeichner Rudolf Bergander (1909-1970). Anschließend hatte man das Bild im Rathaus angebracht. Das Bild soll die Macht der Arbeiter und Bauern symbolisieren, welche von der Arbeiterklasse im Bündnis mit der Intelligenz geführt wurde. Das Wandbild ist dabei eine farbintensive Darstellung von mehreren Personen in verschiedenen Szenarien. Es gibt dabei beispielsweise eine Szene von der Arbeit auf dem Feld und es ist ein runder Tisch zu sehen, an dem debattiert wird. Ein direkter Bezug zur Stadt Meißen soll jedoch nicht bestehen. Obwohl das Bild aktuell nicht erlebbar ist, soll das Wandbild nach Auskunft vom Presseamt der Stadt Meißen 2018 und vom Stadtarchitekten Georg Krause, jederzeit aus der Einhausung mit Anstand wieder hervorholbar sein.[2]
R. Bergander war ein Schüler von Otto Dix und Vertreter des sozialistischen Realismus. Er war seit 1951 Professor und später Rektor an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden.[3]
Literatur
- Helmuth Gröger: Tausend Jahre Meißen. C. E. Klinkicht & Sohn, Druck: Druckerei Klinkicht & Sohn, Meißen 1929 (online).
- Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5.
- Sächsische Zeitung (SZ), 5. Juli 2018.
Einzelnachweise
- ↑ Helmuth Gröger: Tausend Jahre Meißen. C. E. Klinkicht & Sohn, Druck: Druckerei Klinkicht & Sohn, Meißen 1929, S. 196, 312, 337, 342 bis 345, 347, 365, 463, 497, 628, 637 und 676 (online).
- ↑ Rätsel um DDR-Bild im Rathaus. In. Sächsische Zeitung, vom 5. Juli 2018.
- ↑ Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5, S. 273 bis 275.