Portal:Sagen und Geschichten
Über vierzig Sagen, ein Dutzend Stadtoriginale, Mundartwörter und amtliche Verbote aus der Kaiserzeit: Dieses Portal sammelt, was in Meißen erzählt statt urkundlich belegt wurde, und dazu die kleinen Alltagsgeschichten der Stadt.
Sagen um Bischof Benno
Kein Meißner taucht in den Sagen so oft auf wie Bischof Benno. Erzählt wird von Benno und dem Müller, von der Glocke von Zscheila, den Kirchenschlüsseln, den verstummten Fröschen, dem vergoldeten Wangenstreich und davon, wie er Wasser in Wein verwandelte. Zwei Sagen erklären Meißner Ortsnamen und Erwerbszweige: Benno und der Heilige Grund und Benno und der Meißner Weinbau. Nach ihm benannt ist auch der Aussichtsfelsen Die Bennokanzel bei Proschwitz.
Sagen um Burg, Dom und Stadt
Die älteste Erzählung der Stadt ist Das Gastmahl des Markgrafen Gero. Vom Domgespenst gibt es sogar eine schriftliche Nachricht: der Kreisamtmann hielt 1672 die Aussagen der Wachsoldaten fest, die an der Domkirche eine Gestalt im Mönchshabit gesehen haben wollten. Weitere Sagen erzählen vom Großen Fass zu Meißen, vom silbernen Grabmal, vom gestürzten Wappenschild, vom Reichstag zu Meißen, von der Gründung des Klosters Zum Heiligen Kreuz und von den Meißner Hungerrosen. Um die Stufenwege der Stadt drehen sich Kaiser Karl V. ritt die Roten Stufen hinauf und Der Ehebruch und die Schloßstufen. Vom Teufel und anderen unheimlichen Gästen berichten Der Meißner Glaser und der Teufel, Der Teufel holte zwei Chorknaben, Ein feuriger Drache zieht gen Meißen, Der Gast mit dem Geweih und Aus dem Brot floss Blut. Von Kirchenfürsten handeln Der letzte Bischof von Meißen und Das schreckliche Ende von Bischof Craft, von Gewalt und Unglück Der Geißler Konstantin zu Meißen, Der Wehr- und Waffenfeste Soldat, Die böse Verwechslung im Schlosse zu Meißen, Der verhängnisvolle Blitzstrahl und Getäuft und flugs ersäuft. Am Wasser spielen Der Mord am Waltersbrunnen, Im Waltersbrunnen ertrunken, Die ertrunkenen Mägde zu Zscheila, Eine unfreiwillige Elbefahrt 1501 und Der weite Weg von Vorbrücke nach Meißen.
Nicht Teil der Sammlung, aber ebenso Legende sind Die tapferen Weiber von Meißen, die am 13. September 1015 einen Angriff abgewehrt haben sollen, und Der dumme Junge von Meißen, auch als Sage vom Gänsejungen bekannt; der zur Tausendjahrfeier 1929 geplante Gänsejungen-Brunnen wurde allerdings nie gebaut. Sagenumwoben sind außerdem das Winzerhaus Scheechhäusel, die Steinkreuze und die verschwundenen Riesensteine.
Sagen aus dem Umland
Der Sagenschatz reicht über die Stadtgrenze: Entdeckung vom Silbererz in Scharfenberg, Der Fähnrich von Scharfenberg, Vergiftete Kirschen zu Hirschstein, Der Totenkopf zu Batzdorf, Der schöne Junker von Schleinitz, Der versteinerte Mensch von Diesbar sowie die beiden Karraß-Sagen Die Karraßburg in Coswig und Ritter von Karraß in der Nassau.
Meißner Originale
Was ein Original ist, erklärt der Artikel Meißner Originale. Zu den bekannten Figuren gehört Der Galoppschuster, ein Holzpantoffelmacher namens Banig, dessen Werkstatt um 1900 am Baderberg stand. Asche Karl und Marie leerten die Aschegruben auf den Höfen. Georg Falk war Zauberkünstler und stellte Zaubergeräte her. Keine reale Person, sondern eine humoristische Kunstfigur ist Fritze Bliemchen in Meißen, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf Ansichtskarten mit Meißen-Motiven auftauchte.
Meißnerisch
Der Meißner Volksmund führt den Meißenischen Dialekt bis ins 10. Jahrhundert zurück; die Meißner Kanzleisprache diente Martin Luther als Vorbild. Aus dem Sprachschatz stammen der Rädschdobb, ein becherartiges Gefäß aus Biskuitporzellan oder Böttger-Steinzeug, Die Rennbahn als Volksmundname für einen Abschnitt der Neugasse, Die Garbude und Der Schafstall, der eben kein Stall war, sondern der Fachwerkaufbau auf dem Stumpf der abgebrannten Domtürme. Für Kinder gedacht sind die Meißner Abzählreime. Die Fachsprache der Winzer sammelt Winzerjahr und Winzersprache.
Aus dem Alltag: amtliche Bekanntmachungen
Was in Meißen einmal verboten oder vorgeschrieben war, füllt eine eigene Artikelgruppe. Auf der Straße galten: Der Kinderwagen gehörte seit 1872 auf die Straße und nicht auf den Fußweg, Kutscher hatten auf der Rauhentalstraße vom Fuhrwerk abzusteigen, Trageverbot von Sensen auf öffentlichen Wegen, Käsehitschen und sogenannte Bobsleighs als Rodelregelung und Wegweiser waren ab 1894 an den Kreuzungen anzubringen. Öffentliches Verhalten regelten das Vermummungsverbot von 1876, Das Ausstellen von Bettelbriefen war ab 1883 verboten, die Anordnung zum Verhalten auf Beerdigungen 1883, Das Musizieren auf der Altstadtbrücke war 1891 zu unterlassen, Das Nächtigen im Freien wurde 1907 bestraft, Zutrittsverbote bei öffentlichen Tanzvergnügen und Treiben von allerhand Unfug bei Musterungen. An der Elbe galten Neue Bestimmungen über das Kahnfahren auf der Elbe 1894 und Nacktbaden in der Elbe war 1908 verboten. Hygiene und Gesundheit betrafen Das Anlegen von Aschebehältnissen wurde 1899 zur Pflicht, Geschlechtlich getrennte Bedürfnisanstalten in Schankstätten, Werbeschilder verunstalteten das Stadtbild 1909 und Kurpfuscher und Geheimmittelfabrikanten trieben 1909 ihr Unwesen. Für Handel und Gewerbe galten die Meißner Ladenschlusszeiten 1901, Handel- und Gewerbebetrieb bei öffentlichen Festlichkeiten (1901) und die fünf Verordnungen zur Sonntagsarbeit in Bäckereien, im Fleischgewerbe, im Barbiergewerbe, in Zeitungsdruckereien und in Fotoateliers. Kurios sind die Bekanntmachung zu kinematographischen Vorstellungen 1909, die Aufgebotsbekanntmachung 1879 und das Verbot von Hypnose-Vorführungen. Die Bekanntmachungen zu Speisen und Getränken nennt das Portal Kulinarik & Genuss.
Alltag, Kindheit und Weihnachten
Wie in Meißen gelebt wurde, erzählen Das Waschhaus, Quellwasser holen, Portechaisen in Meißen über Sänften und Tragsessel, das Städtische „Frauenhaus“, das bereits 1473 belegt ist, und Die Säckung in Meissen 1642, eine Hinrichtung, die in die Gerichtsakten einging. Vier Weihnachtsgeschichten sind aufgeschrieben: Meißner Weihnachtsgeschichte – Der Geldschatz vom Weihnachtsmarkt, Meißner Weihnachtsgeschichte – Warten auf den Weihnachtsmann, Meißner Weihnachtsgeschichte – Weihnachtsglück aus Meißner Porzellan und Meißner Weihnachtsgeschichte – „Miemeln“ in der Hofpause, die von einem Schulhofspiel der 1960er und 1970er Jahre berichtet.
Siehe auch
- Portal: Geschichte & Chronik – die belegte Stadtgeschichte
- Portal: Kirchen & Glauben – Bischof Benno und die Kirchen
- Portal: Medien & Literatur – Bücher, Zeitungen und Dichtung
- Portal: Kulinarik & Genuss – Spezialitäten und ihre Legenden
- Kategorie:Meißner Sagen, Kategorie:Meißner Geschichten, Kategorie:Historische Bekanntmachungen, Kategorie:Meißenischer Dialekt