Portal:Porzellan
Zwei blaue gekreuzte Kurschwerter in Unterglasurmalerei sind die Marke, an der man Meißner Porzellan erkennt, und „Weißes Gold“ der Name, den ihm die Nachwelt gab. Dieses Portal sammelt die Artikel zur Erfindung des europäischen Hartporzellans, zur Manufaktur und ihren Erzeugnissen, zur übrigen Meißner Keramikindustrie und zu den Menschen, die dahinterstanden.
Die Erfindung
Als Erfinder des Meißner Porzellans gelten Johann Friedrich Böttger (1682 bis 1719) und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651 bis 1708); beteiligt waren außerdem der Bergbaubeamte Gottfried Pabst von Ohain und Freiberger Berg- und Hüttenleute. Die ersten Resultate lagen im November 1707 vor. Zwischenstufe auf dem Weg zum Hartporzellan war das Böttger-Steinzeug, das damals „Rothes Porcelain“ genannt wurde und bis heute für braune Medaillen und Plaketten verwendet wird.
Die Manufaktur und ihre Standorte
Die Porzellanmanufaktur Meißen wurde 1710 gegründet und arbeitete zunächst in der Albrechtsburg auf dem Burgberg; die Brennöfen standen aus Feuerschutzgründen außerhalb der Burg. 1864/65 zog der Betrieb in neu errichtete Gebäude an der Talstraße im Triebischtal, wo er bis heute produziert. Welche Standorte davor zur Debatte standen, beschreibt Die vier geplanten Standorte der Porzellanmanufaktur 1857. Als Pfeifferzeit gilt die Periode von 1918 bis 1933 unter Direktor Max Adolf Pfeiffer.
Arbeit in der Manufaktur
Wer dort beschäftigt war, heißt im Meißner Sprachgebrauch Manufakturist; wer in das Herstellungsgeheimnis eingeweiht war, Arkanist. Den Unterschied zwischen Handwerk und Kunst erläutert der Artikel Porzellankünstler. Den Nachwuchs bildeten die Berufsschule Johann Friedrich Böttger in der Ossietzkystraße und die 1919 gegründete Städtische Farbschule Meißen auf dem Ratsweinberg aus. Kaufmännisch und technisch geleitet wurde der Betrieb unter anderem von Heinrich Gottlob Kühn, Gustav Ludwig Crasso und Christian Gottlob Steuer.
Modellmeister, Maler und Medailleure
Das Barock prägte Johann Joachim Kaendler als Modellmeister, die Malerei Johann Gregorius Höroldt. Ihnen folgten Michel Victor Acier, Christian Gottfried Jüchtzer, Johann Carl Schönheit, Johann Gottlob Matthäi, Philipp Ernst Schindler, Johann Samuel Arnhold, Karl Samuel Scheinert und Ernst August Leuteritz. Um 1900 arbeiteten Erich Hösel als Vorsteher der Modellmeisterei, die Brüder Konrad Hentschel und Johannes Rudolf Hentschel im Jugendstil, dazu Otto Eduard Gottfried Voigt, Paul Walther, Max Alexander Wilhelm Esser und Max Bochmann. Für die Zwischenkriegszeit stehen Emil Paul Börner, Paul Scheurich und Friedrich Wilhelm Hörnlein, für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Ludwig Zepner, Heinz Werner, Peter Strang, Rudolf Bergander, Jutta Damme, Volkmar Bretschneider und Wolfram Hesse. Eine eigene Gruppe bilden die Medailleure, unter ihnen Alexander Struck, Ernst Weiss, Franz Beyer, Gottfried Kohl, Herbert Zschoke, Robert Propf, Werner Scheffel, Werner Wieland und Wilfried Fitzenreiter. Die vollständigen Biografien stehen im Portal Persönlichkeiten.
Erzeugnisse und Marken
Das bekannteste Dekor der Manufaktur behandelt Zwiebelmuster (Buch). Aus Keramik entstanden auch Musikinstrumente: die klöppellosen Meißner Porzellanglocken und die Porzellanglockenspiele, von denen das erste der Welt seit 1929 an der Frauenkirche hängt. Zu den Sonderstücken zählt Das kleinste Porzellan-Service der Welt von etwa 1910. Unter dem Stadtnamen, aber ohne Bezug zur Manufaktur erschien in der DDR die Kosmetik der Marke Meissen. Wie eine Konkurrenzmarke aussah, zeigt Die Domtürme auf Teichert-Porzellan, die eingebrannte Warenmarke der Meissner Ofen- und Porzellanfabrik vormals C. Teichert.
Porzellan als Geld
Nach dem Ersten Weltkrieg fehlte Münzgeld, 1923 kam die Hochinflation. Die Manufaktur reagierte mit Porzellangeld, das ab 1919 entworfen, geprägt und in eigenen Brennöfen gebrannt wurde, mit Kaffeemarken aus Keramik und mit Notgeldscheinen, die die Mitarbeiter gegen Porzellan einlösen konnten. Porzellanmedaillen entstehen bereits seit 1819 aus braunem Böttger-Steinzeug oder weißem Biskuitporzellan; über Porzellan-Lotterien finanzierten Vereine in den 1920er Jahren ihre Vorhaben. Seit 2008 bekommt jedes in Meißen geborene Kind eine Begrüßungs-Medaille für Meißner Neugeborene. Überblick geben der Katalog über Porzellanmünzen und Medaillen von 1923 und der Katalog Medaillen aus Meissener Porzellan.
Porzellan im Stadtbild
Im Stadtraum begegnet Porzellan an vielen Stellen: als Kaendler-Brunnen im Kaendlerpark, eingeweiht am 4. Juni 1960 zum 250. Jahrestag der Manufakturgründung, als Wandbild an der Görnischen Gasse 35, als Probebild zum Fürstenzug von 1903 aus 50 Keramikfliesen an der Manufaktur und als Pflastersteine im Projekt „Frieden“. Zur Amtskette des Oberbürgermeisters gehören Medaillen aus Porzellan und Böttger-Steinzeug. An die Protagonisten erinnern das Böttger-Denkmal aus rotem Meißner Granit gegenüber der Manufaktur sowie die Böttgerstraße, die Böttgergasse, die Kändlerstraße und der Ludwig-Zepner-Weg.
Keramikindustrie neben der Manufaktur
Meißen hatte eine zweite, größere Keramikbranche. Sie geht auf die aus Schlesien zugewanderten Brüder Carl Teichert und Ernst Teichert zurück, Töpfer sowie Ofen- und Porzellanfabrikanten; die Betriebe führten Christian Teichert und Rudolf Teichert weiter. Daraus gingen die SOMAG und die 1888 gegründeten Wandplattenwerke Saxonia G.m.b.H. hervor. Schamotte und Tonwaren stellten die Schamotte- & Tonwarenfabrik, die Tonwarenfabrik Tittelbach, die Chamotte- & Tonwaren-Fabrik L. Friedemann & Co., die Chamotte- und Pflasterstein-Fabrik J. Hofmann & Co., die Cölln-Meißner Chamotte- und Thonwaarenfabrik Richard Müller & Co. und das Kollreppwerk von 1860 her. In der DDR bündelten der VEB Schamotte- und Klinkerwerke Meißen und der VEB Plattenwerke Meißen die Produktion; geforscht wurde im Wissenschaftlich-technischen Betrieb Keramik, aus dem das hitzebeständige Cordoflam stammt. Weitere Entwicklungen sind Die Neumarktkachel von 1915. Zum Umfeld gehören die Farben- und Glasurhersteller Bidtelia und Farbenfabrik Edlich & Weiße, die Porzellanmalerei Julius Pfohl, die PGH Porzellanmalerhandwerk Meissen von 1958, das Porzellangeschäft Walter Seyfried und Meissener Bleikristall Horst Sändig. Die Ziegeleien behandelt das Portal Wirtschaft & Gewerbe.
Meißner Porzellan in der Welt
Die japanische Partnerstadt Arita ist der Ursprungsort der Porzellanherstellung in Japan; die Partnerschaft schloss 1979 der Aritaer Bürgermeister Ruiji Aoki mit Meißen. Auch weit außerhalb der Stadt steht ein Stück Meißner Porzellangeschichte: die Alpenschutzhütte Meissner Haus in Tirol, ab 1926 von der Sektion Meißen des Alpenvereins erbaut und über Medaillen- und Losausgaben mitfinanziert.
Literatur
Zum Weiterlesen: 250 Jahre Porzellan-Manufaktur Meissen (Buch), Die blauen Schwerter – Meissen in der DDR (Buch), Die Blauen Schwerter (Publikation), Keramik zum Begreifen nah (Broschüre), Manufakturisten als Bürger der Stadt Meißen (Publikation) und der Roman Weißes Gold (Roman). Weitere Titel nennt das Portal Medien & Literatur.
Siehe auch
- Portal: Wirtschaft & Gewerbe – Unternehmen jenseits der Porzellanbranche
- Portal: Persönlichkeiten – alle Meißner Biografien
- Portal: Kunst & Kultur – Brunnen, Wandbilder und Denkmale
- Portal: Geschichte & Chronik – Einordnung in die Stadtgeschichte
- Kategorie:Porzellan, Kategorie:Meißner Porzellan, Kategorie:Porzellankünstler, Kategorie:Keramik